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30.07.2015

08:52 Uhr

Quartalsbilanz

Stellenabbau lässt Siemens-Gewinn schrumpfen

Siemens macht weniger Umsatz und Gewinn. Dennoch werden damit die Erwartungen der Analysten übertroffen. Die Kraftwerkstechnik macht Sorgen, doch die Netz- und Medizintechnik gleich den Rückgang aus.

Der Industriekonzern bekräftigt seine Jahresziele. dpa

Siemens

Der Industriekonzern bekräftigt seine Jahresziele.

MünchenDie Krise auf dem Markt für Kraftwerkstechnik kann Siemens bislang wenig anhaben. Anders als bei den europäischen Konkurrenten sackten Gewinn, Auftragseingang und Umsatz bei den Münchnern im abgelaufenen Quartal nur geringfügig ab. Der Überschuss schrumpfte im Wesentlichen nur wegen der Lasten für den laufenden Stellenabbbau.

„Insgesamt zeigten unsere Geschäfte trotz eines schwächeren Marktumfelds eine solide operative Profitabilität. Wir erwarten, dass wir unser Momentum mit einem starken Schlussquartal des Geschäftsjahres beibehalten werden“, erklärte Vorstandschef Joe Kaeser.

Siemens: Joe Kaesers turbulente Umbaujahre

Siemens

Joe Kaesers turbulente Umbaujahre

Joe Kaeser hat Siemens umgebaut. Doch die Geduld der Investoren ist nicht unendlich. Das Renditeziel ist in Gefahr.

Der Gewinn aus fortgeführtem Geschäft nahm binnen Jahresfrist um sieben Prozent auf 1,25 Milliarden Euro ab, wie der Konzern am Donnerstag mitteilte. Damit schnitt Siemens deutlich besser ab als von Analysten erwartet. Der Umsatz gab währungsbereinigt um drei Prozent auf 18,84 Milliarden Euro nach, der Auftragseingang fiel um fünf Prozent auf 19,86 Milliarden Euro.

Während der Umsatz mit Kraftwerkstechnik um 15 Prozent in die Knie ging, überbrückte Siemens die Investitionsscheu der Kundschaft im Energiemarkt als Folge des niedrigen Ölpreises mit Mehreinnahmen in der Netz- und Medizintechnik. Der laufende Stellenabbau trieb erwartungsgemäß die Kosten in die Höhe. Im abgelaufenen dritten Quartal – das Geschäftsjahr des Konzerns endet im September – verbuchte Siemens 274 Millionen Euro dafür. Insgesamt will sich Konzernchef Joe Kaeser den Abbau von gut 13.000 Arbeitsplätzen etwa eine Milliarde Euro kosten lassen.

Was mal alles Siemens war

Ein Konzern im steten Wandel

Was hat Siemens nicht schon alles hergestellt. Telefone, Computer, Halbleiter oder Geldautomaten. Der Konzern, 1847 als Telegraphen-Bauanstalt von Siemens & Halske in Berlin gegründet, hat sich seither gründlich und stetig gewandelt. Geschäfte kamen hinzu, andere verschwanden. Die Liste prominenter Abgänge ist lang. Eine Auswahl früherer Siemens-Geschäfte.

Halbleiter

Die heftigen Turbulenzen auf dem Markt veranlasste Siemens, das Geschäft abzuspalten - der Halbleiterhersteller Infineon wurde 1999 an die Börse geschickt.

Telekommunikation

Zwar war Siemens als Telegraphen-Hersteller gegründet worden, doch der rasche Wandel auf dem Telefonmarkt überforderte den Konzern. Lange bevor Nokia den Anschluss an Apple auf dem Handymarkt verlor, musste Siemens Mobile trotz zunächst großer Erfolge einst Nokia ziehen lassen. Das Geschäft mit Mobiltelefonen gab Siemens 2005 an den BenQ-Konzern ab. Nur wenig später musste der die Produktion einstellen. Das Geschäft mit schnurlosen Telefonen für daheim verkaufte Siemens 2008 an Arques.

Netzwerke

Auch das Ausrüstungsgeschäft für Netzwerke trennte Siemens heraus und brachte das Geschäft 2007 in eine gemeinsame Firma mit Nokia unter dem Namen NSN ein.

Computer

Unter dem Namen Siemens Nixdorf baute Siemens einst nicht nur Geldautomaten, sondern auch Computer. Diesen Teil brachte Siemens in ein Joint Venture mit dem japanischen Hersteller Fujitsu ein und zog sich 2009 daraus zurück. Die Sparte mit Kassensystemen und Geldautomaten wurde zehn Jahre zuvor an Investoren verkauft und wurde 1999 als Wincor Nixdorf weiter geführt und an die Börse gebracht.

Auto

Wechselvoll ist auch die Geschichte, die Siemens als Autozulieferer erlebt hat. So hat der Konzern 2001 den Zulieferer VDO übernommen und mit dem eigenen Autogeschäft zusammengeführt. Nach einer Ein- und wieder Ausgliederung sollte VDO eigentlich an die Börse gebracht werden, ging aber dann 2007 im Wege eines Verkaufs an den Autozulieferer Continental.

Licht

Osram ist das jüngste Beispiel für ein Modell der Trennung. Das traditionsreiche Licht-Unternehmen gehörte lange zu Siemens. Angesichts milliardenschwerer Herausforderungen, etwa für die Entwicklung neuer Produkte nach dem Aus für die Glühbirne, wollte Siemens die Tochter mit einem Börsengang in die Freiheit entlassen - und dafür Milliarden einsammeln. Das klappte nicht, stattdessen buchte Siemens seinen Aktionären Osram-Aktien ins Depot, ein Börsengang light sozusagen. Seit 2013 ist Osram selbstständig.

Für das gesamte Geschäftsjahr 2014/15 bekräftigte Kaeser seine Prognose, wonach der Gewinn je Aktie um mindestens 15 Prozent zulegen soll. Im industriellen Geschäft prognostiziert Siemens eine Marge zwischen zehn und elf Prozent.

Im lahmenden Geschäftsfeld Prozessindustrie und Antriebe tauscht Siemens unterdessen den Chef aus. Der Manager Jürgen Brandes wechselt aus der Zugtechniksparte auf den Posten, der bisherige Amtsinhaber Peter Herweck verlässt den Konzern. Siemens-Chef Kaeser hält große Stücke auf die unter dem Namen Prozessindustrie zusammengefassten Geschäfte mit der Chemie- und Pharmaindustrie, zuletzt hatte die Einheit allerdings einen Auftragseinbruch um ein Fünftel verbucht.

Von

rtr

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