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25.01.2007

10:32 Uhr

Quartalsbilanz

Umbau zahlt sich für Siemens aus

Auf Siemens-Chef Klaus Kleinfeld wartet eine schwierige Hauptversammlung – Stichwort Korruptionsaffäre und BenQ Mobile. Die am Morgen vorgelegte Bilanz fürs erste Geschäftsquartal dürfte dem Konzernlenker aber den Rücken stärken, entwickelt sich das Unternehmen doch besser als gedacht. Es gibt allerdings einen Schönheitsfehler im Zahlenwerk.

HB/cha/jojo/tor MÜNCHEN. Das Ergebnis der Bereiche sei verglichen mit dem Vorjahresquartal um mehr als 50 Prozent auf 1,63 Mrd. gestiegen, teilte das Unternehmen am Donnerstag kurz vor Beginn der Hauptversammlung mit. Der Umsatz habe um 6 Prozent auf 19,1 Mrd. zugenommen.

Vor allem die Medizintechnik und die Industrieautomatisierungs-Sparte A&D legten erneut kräftig zu. Die Ergebnisse der beiden Segmente seien jeweils um ein Viertel gewachsen, hieß es. Selbst die Siemens-Krisensparte SBS hat den Sprung in die Gewinnzone geschafft – erstmals seit knapp drei Jahren. Im ersten Quartal habe der IT-Dienstleister ein Ergebnis von 24 Mill. Euro erzielt nach einem Verlust von 232 Mill. Euro im Vorjahreszeitraum, teilte Siemens mit. Lange war spekuliert worden, Siemens könne sich von SBS trennen. Konzernchef Kleinfeld hatte aber vor einigen Monaten bekannt gegeben, dass der Geschäftsbereich im Konzern bleibt, jedoch umgebaut wird.

Die von Siemens vorgelegten Zahlen sind besser ausgefallen als von Analysten erwartet und haben den Kurs am kräftig in die Höhe getrieben. Im Vormittagshandel kletterten die Titel um 6,34 Prozent auf 82,90 Euro, der höchste Stand seit Juni 2001. Siemens wurde durch den Kurssprung das teuerste Unternehmen im Dax und überholte den Energiekonzern Eon. Die Marktkapitalisierung hat mehr als 72 Mrd. Euro erreicht.

Kleinfeld erklärte, er gehe fest davon aus, dass alle zehn Bereiche bis zum zweiten Quartal ihre Margenziele erreichen werden. Im ersten Quartal verfehlten vier Segmente die vorgegebene Renditen zwischen 4 und 13 Prozent.

Kartellstrafe belastet

Das Nettoergebnis des Konzerns ging im Auftaktquartal des Geschäftsjahres 2006/2007 allerdings um 16 Prozent auf 788 Mill. Euro zurück, wie Siemens weiter mitteilte. Grund ist die am Mittwoch von der EU-Kommission verhängte Rekord-Kartellstrafe, die die Bilanz mit 423 Mill. Euro belastet. Die Brüsseler Behörde wirft Siemens und zehn weiteren Unternehmen vor, sich den Markt für gasisolierte elektrische Schaltanlagen untereinander aufgeteilt zu haben. Diese werden zur Kontrolle des Energieflusses in Stromnetzen verwendet und sind ein wichtiger Bestandteil von Umspannwerken.

Der infolge der Schmiergeldaffäre bei Siemens verschobene Start des Netzwerktechnik-Gemeinschaftsunternehmens mit Nokia wird sich nach Einschätzung von Klaus Kleinfeld nicht weiter verzögern. „Ich gehe weiter von einem Start im ersten Quartal 2007 aus“, sagte er vor Beginn der Hauptversammlung. Siemens und Nokia hatten Mitte 2006 angekündigt, ihre Netzwerkaktivitäten zu verschmelzen und so einen Telekomausrüster mit einem Umsatz von rund 16 Mrd. Euro zu schaffen. Der Start des Joint Ventures war ursprünglich für den 1. Januar 2007 geplant, doch Nokia hatte eine Verschiebung in das erste Quartal verlangt, als die Schmiergeldaffäre bei Siemens publik wurde. Nokia hatte zur Bedingung gemacht, dass Siemens vor dem Start die internen Kontrollen so verschärft, dass künftig Bestechungszahlungen ausgeschlossen sind.

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