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10.11.2011

10:48 Uhr

Quartalsbilanz

Verzögerung beim A350 vermiest EADS die Laune

Gestern wurde bekannt, dass Deutschland bei EADS einsteigt - heute liefert der Rüstungskonzern die passenden Zahlen: Das Unternehmen hat mehr verdient als erwartet. Doch ein peinlicher Rückschlag trübt den Erfolg.

Simulation des neuen A350: Verzögerungen um ein halbes Jahr. AFP

Simulation des neuen A350: Verzögerungen um ein halbes Jahr.

ParisBeim europäischen Luftfahrt- und Rüstungskonzern EADS verzögert sich die Auslieferung des neuen Langstreckenflugzeugs A350 um sechs Monate. Die Auslieferung der ersten Maschine sei nun für Anfang 2014 geplant und nicht mehr für Ende 2013, teilte der Airbus-Mutterkonzern am Donnerstag in Paris mit.

Damit werde sich die ganze Produktionskette verschieben. Mit dem Bau des ersten A350-Jets, der zum Teil aus besonders leichten Materialien bestehen soll, werde im ersten Quartal 2012 begonnen und nicht Ende 2011, wie geplant. Die Verzögerung schlage mit 200 Millionen Euro zu Buche.

Mitte Oktober hatte Fabrice Brégier, Nummer zwei bei Airbus, mitgeteilt, dass einige Zulieferer in Schwierigkeiten seien und die Teile nicht rechtzeitig lieferten. Den A350 soll es in drei Versionen geben, den kleinen A350-800, den mittelgroßen A350-900 und die längste Version A350-1000.

EADS-Aktionärsstruktur mit politischer Brisanz

European Aeronautic Defence and Space Company

EADS mit seiner Flugzeugbau-Tochter Airbus ist Europas dominierender Luft- und Raumfahrtkonzern. Die börsennotierte Aktiengesellschaft European Aeronautic Defence and Space Company (EADS) umfasst die wichtigsten Flugtechnikanbieter Deutschlands, Frankreichs und Spaniens. Der Konzern entstand im Juli 2000 nach langem Tauziehen um Standorte und Produktionsanteile.

Die französische Seite

Nach einem 2007 vereinbarten Aktionärspakt darf der französische Staat nur 15 Prozent der EADS-Anteile besitzen. Zusammen mit dem Medienkonzern Lagardère kommt er auf 22,45 Prozent der EADS-Aktien, wobei die Anteile in der Gesellschaft Sogeade gebündelt sind. Der Chef der Mediengruppe, Arnaud Lagardère, will seine 7,5 Prozent der Anteile mittelfristig verkaufen, erhebt aber seinen Anspruch auf den Mitte 2012 freiwerdenden Chefposten im Verwaltungsrat des Konzerns.

Die deutsche Seite

Mit 22,45 Prozent ist auch die deutsche Seite an EADS beteiligt. Bisher hielt DaimlerChrysler 15 Prozent und ein Konsortium von Bundesländern, privaten und öffentlichen Banken 7,5 Prozent. Allerdings behielt DaimlerChrysler nach dem ausgehandelten Kompromiss 22,5 Prozent der Stimmrechte und blieb so größter stimmberechtigter EADS-Einzelaktionär. 7,5 Prozent der EADS-Anteile soll nun die Staatsbank KfW übernehmen, so dass sich der Daimler-Anteil auf 7,5 Prozent reduziert.

Die spanische Seite

Weitere 4 Prozent an EADS hält die spanische Staatsholding SEPI, der Rest der Anteile in Höhe von 49,6 Prozent liegt im Streubesitz.

Der Aktionärspakt

Die deutschen, französischen und spanischen Haupteigentümer hatten sich bei der Gründung der EADS auf einen Pakt („Contractual Partnership“) verständigt, um das Unternehmen gegen feindliche Übernahmeversuche zu sichern und um das Heft bei dem Luftfahrt- und Rüstungskonzern in der Hand zu behalten.

Die Machtzentren

Die EADS hat ihren offiziellen Sitz in Amsterdam, in Paris und München sind die beiden Hauptzentren des Konzerns. Der Hauptsitz und die Zentrale der EADS-Tochtergesellschaft Airbus sind im französischen Toulouse angesiedelt. Hamburg wiederum ist der Sitz der deutschen Airbus-Tochtergesellschaft, die für die deutschen Werke zuständig ist.

Im Duell mit Boeing muss der europäische Flugzeugbauer damit einen weiteren Rückschlag verkraften. Dabei lief das Geschäft in den vergangenen drei Monaten eigentlich gut. EADS hat einen höheren Gewinn als von Experten erwartet erwirtschaftet und seine Jahresprognose erhöht. Wie das Unternehmen am Donnerstag mitteilte, fiel der operative Gewinn im dritten Quartal um 15 Prozent auf 322 Millionen Euro, während der Netto-Gewinn deutlich auf 312 Millionen Euro zulegte.

Der Umsatz fiel um vier Prozent auf 10,75 Milliarden Euro. Analysten hatten einen operativen Gewinn von 51 Millionen Euro, einen Netto-Verlust von 34,6 Millionen Euro und einen Umsatz von 10,37 Milliarden Euro erwartet. Die EADS-Aktie gewann im frühen Geschäft fast fünf Prozent auf 20,95 Euro.

Der Konzern verwies unter anderem auf operative Verbesserungen bei Eurocopter und im zivilen Airbus-Geschäft. Für das Gesamtjahr geht das Unternehmen sogar von einem höheren operativen Gewinn von 1,45 Milliarden Euro aus. Bei Airbus dürften im Gesamtjahr nun mit 1500 Maschinen 50 Prozent mehr Bestellungen als erwartet vorliegen.

EADS: Der deutsche Einstieg ist heikel

EADS

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Deutschland wird zum Anteilseigner eines Rüstungskonzerns. Das ist bitter. Aber Berlin kann das europäische Gemeinschaftsunternehmen EADS mit tausenden Beschäftigten in Deutschland nicht dem freien Markt überlassen.

Die Verzögerung bei den ersten Auslieferungen des Airbus A350 sind aber schmerzhaft. Sie treffen das Unternehmen zur Unzeit. Der europäische Rüstungskonzern befindet sich im Umbruch. Erst gestern war bekannt geworden, dass der deutsche Staat über die Staatsbank KfW mit 7,5 Prozent bei dem Airbus-Mutterkonzern einsteigt.

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