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28.04.2015

16:23 Uhr

Quartalsbilanz

Volkswagen will zurück in die Normalität

VonChristian Schnell

Der Machtkampf an der Konzernspitze hat Volkswagen wochenlang im Bann gehalten. Die Zahlen für das erste Quartal, die der Autobauer am Mittwoch präsentiert, sollen den Blick wieder auf Sachthemen lenken.

Bei VW richtet sich der Blick wieder auf das operative Geschäft. ap

Passat-Fertigung im Werk Chattanooga

Bei VW richtet sich der Blick wieder auf das operative Geschäft.

FrankfurtEs ist der erste Schritt zurück in Richtung Normalität. Wenn der Volkswagen-Konzern am Mittwoch seine Zahlen für das erste Quartal präsentiert, dann rückt der leidige Konflikt zwischen dem mittlerweile ehemaligen Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch und Vorstandschef Martin Winterkorn in zumindest teilweise den Hintergrund. Viele Analysten können sich zwar auch am Tag drei nach dem überraschenden Rücktritt des Ehepaares Piëch noch nicht ganz vom Top-Thema der vergangenen beiden Wochen lösen. Wobei auf allen Seiten Einigkeit herrscht, dass der alles überlagernde Konflikt endlich vorbei ist.

„Das ist positiv für VW und für Porsche“, wertet Commerzbank-Analyst Daniel Schwarz das überraschende Ende. Hat sich die VW-Aktie doch seit Beginn der Personalkrise um vier Prozentpunkte schlechter entwickelt als die Vergleichswerte im Autosektor. Damit ist es jetzt erst mal vorbei. Am Montag legte die VW-Aktie um fast fünf Prozent zu, am Dienstag verlor sie zumindest weniger als der Durchschnitt im Dax.

Für die Quartalzahlen am Mittwoch bedeutet das zumindest keine böse Überraschung. „Starke Verkaufszahlen aus Europa unterstützen den Aufwärtstrend“, glaubt Marc-Rene Tonn von Warburg Research aus Hamburg. Zumal die Verkaufszahlen für das erste Quartal schon seit gut zwei Wochen bekannt sind.

Volkswagen in Zahlen

Umsatz

108,8 Milliarden Euro im 1. Halbjahr 2015 (+10,1 Prozent)

Auslieferungen an Kunden

5,039 Millionen Fahrzeuge (-0,5 Prozent)

Gewinn nach Steuern

5,663 Milliarden Euro (-0,9 Prozent)

Mitarbeiter

597.800 am 30. Juni 2015 (+0,9 Prozent im Vergleich zum 31. Dezember 2014)

Mitarbeiter im Inland

273.900 (+1,0 Prozent)

Werke

118 (Vorjahr: 106)

Ausgerechnet Europa: Hier spürte der Konzern bis zum vergangenen Jahr noch die Konsequenzen aus dem Krisenjahr 2009. Einige Lichtblicke wie die schon länger guten Verkäufe in Großbritannien und Spanien konnten das magere Geschäft in Italien und Frankreich nicht verdecken. Jetzt zeichnet sich der Aufwärtstrend in ganz Westeuropa ab. 5,5 Prozent mehr VWs wurden in den ersten drei Monaten verkauft. Sogar mehr als acht Prozent waren es in Deutschland, wo man ebenfalls lange auf der Stelle trat. Das hilft, den rapiden Einbruch in einigen Hoffnungsmärkten zumindest in Teilen zu kompensieren. In Brasilien ging es in den ersten drei Monaten um 18 Prozent bergab, in Russland gar um 47 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Mit einem Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) von 3,057 Milliarden Euro rechnen beispielsweise die Analysten der Citi im Konzern. Das wäre ein Fortschritt gegenüber dem Vorjahresquartal, wenn auch kein besonders großer. Dennoch werten sie ein solches Ergebnis, sollte es denn so kommen, als Erfolg. Gerade weil die neue Normalität, die die politische Führung in China ausgerufen hat, auch der Volkswagen-Konzern zu spüren bekommt.

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Die Zeiten zweistelliger Wachstumszahlen, wie sie früher auf dem wichtigsten Markt des Konzerns gang und gäbe waren, wohl in Zukunft kaum noch zu erreichen sein werden. Das zeigt auch hier die wichtige Kernmarke VW. Deren Verkaufszahlen in China sanken im ersten Quartal. Zwar nur um 0,6 Prozent, aber immerhin. Die Hoffnung der Experten ist jedoch, dass das zweite Quartal in der Regel besser läuft als der Jahresstart.

Sorgen um die Aktie macht sich indes kaum ein Experte. Auch rät allen Wirrungen der vergangenen beiden Wochen zum Trotz kaum einer zum Ausstieg. So war es übrigens auch, als die Aktie im Herbst vergangenen Jahres zu einem fulminanten Kurssprung ansetzte. Nach einem Durchhänger bis auf 150 Euro ging es im folgenden halben Jahr bis auf über 260 Euro. Am Dienstag waren es rund 245 Euro. Mit seinem Kursziel von 278 Euro gehört Daniel Schwarz von der Commerzbank noch zu den Zurückhaltenden. Einen Kurs von 305 Euro hält gar Michael Punzet von der genossenschaftlichen DZ Bank für möglich.

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