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11.01.2007

14:50 Uhr

Quartalsbilanz

Warmer Winter bringt MVV ins Schwitzen

Das milde Winterwetter macht dem sechstgrößten deutschen Versorgers MVV Energie zu schaffen. Da der Stadtwerkeverbund bislang weniger Wärme verkauft hat als im Vorjahr, schaut der Versorger verhalten in die Zukunft.

HB FRANKFURT. Das milde Winterwetter macht dem sechstgrößten deutschen Versorgers MVV Energie zu schaffen. Rund ein Fünftel weniger Wärme als im Vorjahr habe der Stadtwerkeverbund im seit Oktober laufenden Geschäftsjahr 2006/07 bislang verkauft, sagte MVV-Chef Rudolf Schulten auf der Bilanzpressekonferenz am Donnerstag in Frankfurt. Das werde sich auf den Gewinn auswirken, den MVV zu einem Drittel mit Fernwärme macht. In den anderen Sparten gebe es ähnliche Probleme dagegen nicht, sagte Schulten mit Blick auf das erste Quartal: „Abgesehen davon gibt es keine Planabweichungen“.

Die MVV-Aktie brach am Donnerstag um knapp drei Prozent ein und gehörte zu den größten Verlierern im Kleinwerteindex SDax.

Schultens Optimismus ist trotz der Probleme der Wärmesparte ungebrochen: Vor allem wegen des anhaltenden Wachstums der profitablen Müllsparte erwartet MVV im bis Ende September laufenden Jahr weiter eine Ergebnis- und Umsatzsteigerung um ein Zehntel. MVV ist Deutschlands Nummer Drei bei der Müllverbrennung. 2005/06 war die voll ausgelastete Sparte, auf die nur knapp ein Zehntel des Umsatzes von 2,3 Mrd. Euro entfällt, der größte Gewinnbringer des Unternehmens. Ein Drittel des Betriebsgewinns (Ebit) von 201 Mill. Euro entfiel auf das Abfallgeschäft. Hingegen halbierte sich das Ergebnis des mit einer Milliarde Umsatz dominierenden Bereichs Strom auf 20 Mill. Euro. Es sei nicht gelungen, die Preissteigerungen im Großhandel voll an die Kunden weiterzugegeben, so Schulten.

Für Wachstum sollen künftig neben der Umweltsparte weiter die Energiedienstleistungen beitragen. Hier will sich MVV in Kürze über eine Akquisition in Berlin stärken. Die Entwicklung im Geschäft mit Strom und Gas werde dagegen wesentlich von regulatorischen Vorgaben wie der Senkung der Netzentgelte bestimmt, sagte Schulten. „Unsere Gewinne hängen zu 80 Prozent von politischen Rahmenbedingungen ab.“ Dabei werde MVV aber langfristig von der - unter anderem von der EU-Kommission vorangetriebenen - Verschärfung des Wettbewerbs profitieren.

MVV nimmt nun auch zunehmend Haushalte in Nicht-Stammgebieten als Kunden ins Visier. Die Bundesnetzagentur habe für Transparenz bei den Netzentgelten gesorgt, wodurch es nun ein Leichtes sei, die Gewinnspannen der Wettbewerber auszurechnen, sagte Schulten. „Wo die Marge gut ist, greifen wir an“, sagte er. Primär habe der Mannheimer Konzern dabei den angestammten südwestdeutschen Raum im Sinn. Im Markt deute sich ein Umbruch an, sagte Schulten. Heute seien noch über 95 Prozent der Haushalte Kunde beim regionalen Platzhirschen. „In fünf Jahren werden es nur noch 70 Prozent sein.“

Der stärker werdende Wettbewerb wird nach Schultens Einschätzung auch dazu führen, dass sich für MVV zunehmend Übernahmegelegenheiten ergeben werden. Reine Verteiler von Strom und Gas könnten aufgrund der sinkenden Netzgebühren in den nächsten Jahren in Schwierigkeiten kommen und dann zum Verkauf angeboten werden, sagte Schulten. MVV peile vorrangig die Übernahme von Stadtwerken mit rund 100 Mill. Euro Umsatz an. Die Konkurrenz-Gebote finanzstarker Beteiligungsfirmen schreckten das Unternehmen dabei nicht, da der Stadtwerkeverbund für die kommunalen Eigner besonders „sexy“ sei.

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