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23.01.2013

08:28 Uhr

Quartalsergebnis

Siemens-Gewinn schrumpft

Vor dem Auftakt der heutigen Hauptversammlung meldet der Siemens-Konzern einen geschrumpften Auftragseingang. Unzufriedene Aktionäre wird Konzernchef Peter Löscher damit wohl nur kaum glücklich machen können.

Die Kraftwerkstechnologie von Siemens kommt weltweit im Einsatz. Dieses Archiv-Bild zeigt die Montage einer Gasturbine SGT5-8000H mit einer Leistung von 375 Megawatt. PR

Die Kraftwerkstechnologie von Siemens kommt weltweit im Einsatz. Dieses Archiv-Bild zeigt die Montage einer Gasturbine SGT5-8000H mit einer Leistung von 375 Megawatt.

MünchenDer Münchener Mischkonzern Siemens hat in den letzten drei Monaten des Jahres 2012 einen deutlichen Dämpfer beim Auftragseingang hinnehmen müssen. Das Auftragsvolumen schrumpfte um fünf Prozent, auch der Umsatz der fortgeführten Geschäfte ging um ein Prozent zurück auf 18,1 Milliarden Euro. Das Gewinn nach Steuern sank gar um 12 Prozent auf 1,2 Milliarden Euro.

Angesichts der durchwachsenen Zahlen präsentierten sich Vorstandschef Peter Löscher und Finanzvorstand Joe Kaeser auf der Pressekonferenz ernst und wenig euphorisch. Löscher sprach von einem „soliden Quartal“. „Auch für den weiteren Jahresverlauf erwarten wir von der Weltwirtschaft keinen Rückenwind, um unsere ehrgeizigen Ziele zu erreichen“, sagte Siemens-Chef Peter Löscher. „Unsere volle Aufmerksamkeit richtet sich auf die Umsetzung unseres Programms Siemens 2014.“

Mit seinen Zahlen übertraf der Konzern die Erwartungen der Analysten leicht. An der Jahresprognose von einem Gewinn aus fortgeführtem Geschäft zwischen 4,5 bis fünf Milliarden Euro hielten die Münchner fest. Die von Investoren gefürchteten Sonderlasten summierten sich im abgelaufenen Vierteljahr auf 212 Millionen Euro, rund die Hälfte muss Siemens wegen seiner Lieferverzögerungen der ICE-Züge für die Deutsche Bahn schultern. Zudem fielen im Solargeschäft, aus dem Siemens aussteigen will, noch einmal 150 Millionen Euro an. „Wir können nicht ausschließen, dass es zu weiteren Belastungen kommt“, sagte Kaeser.

Siemens-Geschäftsfelder und ihre Zukunft

Energietechnik

Der Sektor hat dem Vorstand im vergangenen Jahr wohl den meisten Kummer bereitet. Siemens verpatzte den rechtzeitigen Anschluss von Windparks in der Nordsee und musste eine halbe Milliarde Euro Strafe zahlen. Zudem drückt verstärkt asiatische Konkurrenz auf den Markt für Transformatoren. Siemens reagierte auf den wachsenden Preisdruck mit dem Abbau Tausender Stellen.

Sortieranlagen

Nach Löschers Ansicht wirft das Geschäft mit Sortieranlagen für Postzentren und Flughäfen mit einer Rendite um die fünf Prozent bei Jahresumsätzen von 900 Millionen Euro zu wenig ab. Der Konzern sucht nun nach einem Käufer für das Segment, rund 3600 Mitarbeiter sind betroffen.

Wasseraufbereitung

Ein ähnliches Schicksal wie die Sortieranlagen-Sparte trifft auch die Wasseraufbereitungstechnik. Als Ausrüster von Wasserwerken setzt Siemens zwar rund eine Milliarde Euro um, unter dem Strich bleibt allerdings nur ein einstelliger Millionenbetrag hängen. Die Einheit soll verkauft werden.

Solarenergie-Technik

Der Ausflug in die Solarenergie-Technik erwies sich für die Münchner als teurer Flop. Mit dem Kauf der israelischen Solel für 418 Millionen Dollar und dem Erwerb von Anteilen an der italienischen Archimede wollte Siemens bei der solarthermischen Stromerzeugung mitmischen. Der Markt etablierte sich nie, Solel machte mehr Verlust als Umsatz. Die Anteile an Archimede hat Siemens bereits zurückgegeben, für Solel wurde ein Abnehmer gesucht.

Industriesoftware

Das Geschäft mit Computerprogrammen für die Industrie hat Siemens in den vergangenen Jahren stark ausgebaut. Für die Übernahme der belgischen LMS etwa zahlte der Konzern 680 Millionen Euro. Insgesamt elf solcher Softwareschmieden hat Siemens für zusammen mehr als vier Milliarden Euro gekauft.

Osram

Siemens verschenkt die große Mehrheit seiner Leuchtmittel-Tochter an die eigenen Aktionäre. Gut 80 Prozent sollen die Eigentümer behalten, der Rest bleibt bei der Mutter und deren Pensionsfonds. Siemens will in das Lampengeschäft nicht mehr investieren, Pläne für einen IPO waren gescheitert. Osram steckt selbst in der Sanierung, zunächst soll es keine Dividende geben. Zwischen 7300 und 8000 Stellen sollen weltweit abgebaut werden, einige Standorte geschlossen werden. Die Börsennotierung erfolgte Anfang Juli. Osram macht einen Jahresumsatz von gut fünf Milliarden Euro und erwartet für das laufende Geschäftsjahr wegen der Sanierungskosten Verlust.

Nokia Siemens Networks

Problem gelöst: Seinen Anteil an Nokia Siemens Networks hat der Münchner Konzern im Juli 2013 komplett an den finnischen Partner abgegeben.

Die Kosten des laufenden Sparprogramms beliefen sich auf rund 50 Millionen Euro. Das dicke Ende kommt somit erst noch. Im Gesamtjahr rechnet der Konzern mit Belastungen von einer Milliarde Euro durch die Einschnitte, die die Siemens-Kosten mittelfristig um sechs Milliarden Euro jährlich drücken sollen.

Ein Lichtblick bot der Telefonnetz-Ausrüster Nokia Siemens Networks (NSN), der nach einer langen Strecke mit roten Zahlen 50 Millionen Euro Gewinn beisteuerte. Osram machte sogar 80 Millionen Euro Gewinn. Die Hauptversammlung sollte am Nachmittag über die Abspaltung der Lichtsparte und die Ausgabe von gut 80 Prozent der Osram-Aktien an die Siemens-Aktionäre abstimmen.

Die Stärken und Schwächen von Siemens

Solide Kapitalstruktur

Die Finanzschulden sind zum Ende des Geschäftsjahres 2011/12 im Vorjahresvergleich zwar gestiegen, die Bilanzrelationen bleiben aber solide. So lag die Nettoverschuldung zum 30. September 2012 bei 9,3 Milliarden Euro, 4,3 Milliarden über dem Vorjahr. Im Verhältnis zum Eigenkapital macht diese nun etwa 30 Prozent aus.

Umweltportfolio wächst

Siemens sieht sich als Weltmarktführer bei Umwelttechnologien. Der Ausbau des grünen Portfolios ist seither eine Kernstrategie von Konzernchef Peter Löscher. Bislang mit Erfolg: Seit dem Geschäftsjahr 2007 ist der Umsatz des Umweltportfolios im Schnitt um 14 Prozent pro Jahr auf zuletzt gut 33,2 Milliarden Euro gestiegen. Das sind 42 Prozent des Konzernumsatzes. Bis 2014 sollen es über 40 Milliarden Euro werden.

Stabile Dividenden

Die Dividenden-Rendite war bei Siemens über lange Jahre bescheiden. Erst Löscher hob die Ausschüttungsquote deutlich an. So können sich die Aktionäre auch in diesem Jahr freuen: Obwohl der Gewinn 2011/12 sank und der Konzern sparen muss, will Siemens eine stabile Dividende von drei Euro je Aktie bezahlen. Das entspricht einer Ausschüttungssumme von rund 2,5 Milliarden Euro. Bezogen auf den Gewinn nach Steuern liegt die Ausschüttungsquote bei 56 Prozent.

Margen bröckeln

Für 2010/11 hatte Siemens ein operatives Rekordergebnis von mehr als neun Milliarden Euro vorgelegt. In Relation zum Umsatz entsprach das einer Rendite von 12,8 Prozent. Halten konnten die Münchener das Niveau nicht. Im abgelaufenen Geschäftsjahr schrumpfte die Marge wieder auf 9,5 Prozent.

Rückläufiger Auftragseingang

Wichtige Konkurrenten wie General Electric wuchsen zuletzt oft schneller, auch weil sie akquisitionsfreudiger waren. Organisch sind kurzfristig bei Siemens keine Wachstumssprünge zu erwarten: Der Auftragseingang, Indikator für die Umsätze von morgen, sank im vergangenen Geschäftsjahr um 13 Prozent auf knapp 77 Milliarden Euro.

Sonderlasten drücken den Gewinn

Probleme mit Großprojekten gelten als typische Siemens-Krankheit. Auch unter Vorstandschef Peter Löscher hat sich daran nicht viel geändert. Ärgerlichstes Beispiel 2011/12: Die Probleme bei der Anbindung der Offshore-Windparks an das Stromnetz. Die Verzögerungen belasten den Konzern bislang mit 570 Millionen Euro. Die Verzögerungen im finnischen Atomkraftwerk Olkiluoto kosten ebenfalls seit Jahren viel Geld. Und die verspätete Auslieferung der neuen ICE-Generation könnte für Siemens laut Branchenschätzungen etwa 100 Millionen Euro teuer werden.

Löscher und Kaeser mussten sich viele kritische Fragen anhören. Ob die Probleme bei der Anbindung von Offshore-Windparks und beim ICE Löscher nicht peinlich seien? Löscher verwies auf 1500 Großprojekte, die man stemme. Bei der Anbindung der Windparks betrete man Technologisches und regulatorisches Neuland. Allerdings, räumte er ein, hätte Siemens besser erstmal nur mit einem Auftrag Erfahrungen sammeln sollen - statt gleich vier Order in die Bücher zu nehmen. Leidenschaftlich wurde er beim Thema ICE. Der laufe erfolgreich von China bis Russland. „Das Zuggeschäft – das kann Siemens!“

Auch die Spekulationen über die Uneinigkeit im Vorstand und die öffentliche Kritik an Löscher waren ein Thema. „Das Führungsteam ist geschlossen und arbeitet am Erfolg des Unternehmens“, sagte Löscher dazu. Er selbst sei „ruhig und gelassen“ und wolle in den nächsten Jahren mit dem Team in Ruhe weiterarbeiten.

Kommentare (3)

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HB-Leser

23.01.2013, 09:29 Uhr

Wie macht man unzufriedene Aktionäre glücklich? Antwort: einfach Mitarbeiter rausschmeißen! Alte und gut erprobte Methode, also Herr Löscher ran ans Werk. Es gibt viel zu tun, machen Sie ihre Aktionäre glücklich und schreiben Sie (sagen wir) 30000 Entlassungschreiben! Der Aktienkurs wird regelrecht explodieren und alle Aktionäre tragen Sie auf Händen. Und keine Gewissensbisse wegen der entlassenen Mitarbeiter, sind doch nur Kostenstellen.

Nachwuchs

23.01.2013, 10:03 Uhr

Nur Personal entlassen ist zu wenig. Wieder versagt ein Manager wegen Unfähigkeit! Warum beseitigt bzw. weigert er sich die Probleme mit den ICE bzw. BER. zu lösen. Ich bin der beste Manager aller Zeiten. Ich kann auch Leute entlassen ohne die Problemen zu lösen. Dafür bin ich gerne überbezahlt und nehme mir Boni in unerträglicher Höhe!

RumpelstilzchenA

23.01.2013, 10:33 Uhr

Peter Löscher ist zu weiß!

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