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24.07.2014

14:57 Uhr

Quartalszahlen unter Erwartungen

Pannenserie frisst General-Motors-Gewinn auf

VonFrank G. Heide

Zehn Jahre hat GM gebraucht, bis defekte Teile in Millionen Autos getauscht wurden, und dabei Menschenleben riskiert. Ein Image-Desaster, das der Tochter Opel nützt. Heute wurden auch Summen für die Opfer genannt.

GM-Chefin Mary Barra bei einer öffentlichen Anhörung vor einem US-Senatsausschuss: Der Autohersteller muss sich für schlampige Herstellung, technische Pannen und die Verschleppung von Reparatur-Rückrufen verantworten. AFP

GM-Chefin Mary Barra bei einer öffentlichen Anhörung vor einem US-Senatsausschuss: Der Autohersteller muss sich für schlampige Herstellung, technische Pannen und die Verschleppung von Reparatur-Rückrufen verantworten.

Düsseldorf/DetroitEs ist eine der größten Rückrufwellen in der Geschichte des Automobils, mit der US-Konzern General Motors zu kämpfen hat. Und ausgerechnet kurz vor der Veröffentlichung der Geschäftszahlen fürs zweite Quartal musste GM mit sechs weiteren Rückrufaktionen die nächsten technischen Schlampereien einräumen: Wegen nicht richtig befestigter Sitze, unzuverlässiger Blinker und ausfallender Servolenkungen sollen weltweit weitere knapp 823.000 Autos die Werkstätten aufsuchen.

Der Konzern wisse bereits von zwei Unfällen mit drei Verletzten wegen der Mängel, teilte die Opel-Mutter mit, der die Kosten für die Reparaturen das Quartalsergebnis verhageln. So stiegen GMs Quartalserlöse zwar auf 39,6 Mrd. Dollar, nach 39,1 Mrd. im Vorjahresquartal, sie verfehlten aber die durchschnittlich Analystenerwartungen von 40,6 Mrd. leicht. Der Ford-Rivale teilte vor US-Börsenstart mit, im zweiten Quartal nur 190 Millionen Dollar verdient zu haben. Im Jahr zuvor standen noch 1,2 Milliarden Dollar zu Buche. Der Konzernüberschuss brach um 84 Prozent ein. GM-Aktien gaben vorbörslich zwei Prozent nach.

Durch diese neuesten sechs Rückrufe steigt die Gesamtzahl seit Jahresbeginn auf 60, - 28,8 Millionen Fahrzeuge verschiedener GM-Marken müssen weltweit in die Werkstätten. Ein jahrelang verschleppter Defekt an Zündschlössern, aufgrund dessen mindestens 13 Menschen starben, hatte seit Februar die ganze Rückrufwelle ausgelöst.

General Motors kündigte weiter an, für die Opfer der Zündschlösser-Defekte zwischen 400 und 600 Millionen Dollar Entschädigung zurückzustellen.

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Unter dem neuen Chef Karl-Thomas Neumann hat Opel das Selbstbewusstsein wiedergefunden. Jetzt soll auch die Rolle der Rüsselsheimer im GM-Konzern gestärkt werden. Opel soll künftig den Ton in Europa angeben.

Für die Reparaturen rechnet GM nach letztem Stand mit Kosten von insgesamt 2,5 Milliarden Dollar (1,8 Mrd Euro), darin sind die Opferentschädigungen schon eingerechnet. Schon im Auftaktquartal hatte der größte US-Autobauer wegen des Rückruf-Debakels nur noch einen schmalen Gewinn von unterm Strich 108 Millionen Dollar eingefahren.

Der mögliche Imageschaden ist indes kaum bezifferbar. Ganze vier Mal musste Konzernchefin Mary Barra wegen des jahrelang verschleppten Rückrufs der defekten Zündschlösser schon vor Kongressausschüssen aussagen.

Im Vergleich steht Opel gut da

Betroffen von den Problemen sind Modelle neuerer Baujahre – darunter der Kleinwagen Chevrolet Spark, die Limousine Chevrolet Impala und der Pick-up-Truck Chevrolet Silverado.

Opel-Fahrzeuge sind – wieder einmal – nicht betroffen, während General Motors' Liste der zurückgerufenen Automodelle zwei dicht beschriebene Schreibmaschinen-Seiten lang ist und vom kleinen Einsteigerauto Chevrolet Cobalt bis zum wuchtigen Luxusgeländewagen Cadillac Escalade alle Baureihen betrifft.

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Es ist ein teils hausgemachtes Problem, aber deshalb nicht weniger gefährlich: Im vergangenen Jahr wurden deutlich mehr Autos zurück gerufen als zuvor, so eine Auswertung.

Dass Opel auf dieser Liste durch Abwesenheit glänzt, wertet die einst geschmähte deutsche Konzerntochter auf: In der Wirtschaftskrise spielte GM (von manchen als „Gemeine Mutter“ übersetzt) mit dem Gedanken, die deutsche Tochter abzustoßen. Nach anhaltenden Verkaufsrückgängen fuhr sie einen brachialen Sanierungskurs. Heute sind die Bosse in Detroit froh, dass sie die Rüsselsheimer und ihre Ingenieure haben. Opel soll für den Konzern künftig den Ton in Europa angeben.

Anders als Ford schreibt GM in Europa weiter rote Zahlen. Im abgelaufenen Quartal habe sich der operative Verlust sogar auf 305 Millionen Dollar deutlich ausgeweitet. Das Management betonte, GM sei trotzdem auf Kurs, bis Mitte des Jahrzehnts hier wieder Gewinne zu machen.

Kommentare (2)

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Account gelöscht!

24.07.2014, 15:16 Uhr

Man, begreift es endlich ... die können keine Autos, nicht damals, nicht heute und nicht morgen. GM = Genereller Müll.
Hatte neulich erst wieder bei der Mietwagenfirma solch ein GM-Modell angedreht bekommen ... und der Wagen hat seinem Namen alle Ehre gemacht, alles hat geklappert, nichts war intuitiv bedienbar ... einfach nur Schrott.

Das Auto ist halt ein deutsches Kind, so wie der Fussball ;-) ... und das vor allem, weil in diesem Land Qualität und Innovation (und nicht die blanke Geldgier) Teil der Kultur sind. Wenn wir denn auch noch eine gute Politik hätten ... ach, wär´ das schön.

Herr Wolfgang Trantow

24.07.2014, 16:10 Uhr

GM will oder kann nichts lernen. Warum wird das Management nicht zur Verantwortung gezogen und muss alle Kosten der Rückrufaktionen aus dem Privatvermögen zahlen? Erst wenn dies geschieht, gibt es wieder Qualität?? Wieso sollen die kleinen Mitarbeiter das vorsätzliche Versagen der Manager mit dem Arbeitsplatzverlust bezahlen? Wollen die Manager GM vernichten, wer gab die Anweisung?

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