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14.11.2016

15:27 Uhr

Radpanzer und Sturmgewehre

Die Polizei rüstet auf

VonChristoph Kapalschinski

Hamburg hat seit Montag einen gepanzerten Transporter für die Polizei. Andere Bundesländer wollen angesichts der Terrorgefahr nachziehen. Für die Waffenindustrie eröffnet das einen ganz neuen Markt.

Die Hamburger Polizei rüstet für 4,5 Millionen Euro auf. dpa

Radpanzer Survivor mit SEK-Beamten

Die Hamburger Polizei rüstet für 4,5 Millionen Euro auf.

HamburgMassiv steht das dunkelblaue Fahrzeug mit dem Kennzeichen „HH 7449“ auf dem Gelände der Hamburger Polizeiakademie. Knapp zehn Tonnen schwer, gepanzert gegen Beschuss aus Sturmgewehren, bis zu 100 Stundenkilometer schnell: Hamburgs Innensenator Andy Grote (SPD) stellte am Montag als erster Polizeiminister den Radpanzer „Survivor I“ vor – im Paket mit neuen Sturmgewehren, Helmen und Schutzwesten.

Die deutsche Polizei rüstet auf. Das bedeutet Aufträge für Unternehmen, die bislang vor allem Streitkräfte ausrüsten. Allein in Hamburg, nach Bevölkerungszahl viertkleinstes Bundesland, fließen 4,5 Millionen Euro in die militärähnliche Ausstattung, zu einem großen Teil zusätzlich zu den regulären Ausrüstungs-Ausgaben der Polizei. Denn die neue Ausrüstung löst keine alten Fahrzeuge ab – bislang war Kriegsgefährt in der Polizei schlicht nicht nötig. Auch Berlin und Sachsen haben bereits angekündigt, einen Survivor-Wagen anschaffen zu wollen.

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Mit der „neuen, etwas robusteren Ausrüstung“ könne die Polizei bei Terror- oder Amok-Lagen „alles Notwendige ohne die Bundewehr tun“, sagte Grote. Dass Hamburg die Ausrüstung früher als andere Bundesländer vorstellt, hat einen Grund: Im Dezember findet in der Stadt der OSZE-Gipfel statt, im Juli kommt unter anderem der künftige US-Präsident Donald Trump zum G20-Gipfel. Zwar soll die neue Ausrüstung laut Grote nicht gegen die Demonstranten eingesetzt werden, für die bereits Haftplätze frei gemacht werden, doch könnten die Gipfel auch Terroristen anziehen.

Die Polizei müsse auf ein Szenario wie bei den Anschlägen von Paris vor einem Jahr vorbereitet sein, betonte Polizeipräsident Ralf Martin Meyer. „Wir wissen nicht, was auf uns zukommt und in welcher Dimension es auf uns zukommt“, sagte er. Konkret werden 70 Streifenwagen mit Schutzwesten und Helmen der höchsten Schutzklasse sowie mit Maschinenpistolen ausgerüstet. Damit sollen die Polizisten schnell bei Anschlägen und Amokläufen eingreifen können.

Erstmals werden auch die Sondereinsatzkommandos mit Sturmgewehren ausgerüstet, die bislang nur den Spezialeinheiten vorbehalten waren. Die mobilen Einsatzkommandos bekommen 50 zusätzliche Ausrüstungssets aus Helmen und Westen. Sie sollen auch das neue gepanzerte Allradfahrzeug benutzen, um unter Beschuss an den Einsatzort fahren zu können – für einen Gegenangriff, Geiselbefreiung oder um Verletzte zu bergen.

Meyer sagte, die Polizei präsentiere die neue Ausrüstung bewusst offensiv: „Das ist ein Signal.“ Im Alltag bleibe die Hamburger Polizei dagegen zivil, werde etwa den Demonstranten bei den Gipfeltreffen in normaler Uniform statt in Kampfmontur entgegentreten.

Von dem neuen Sicherheitsbedürfnis profitieren Hersteller von Waffentechnik. „Man kann sich vorstellen, dass wenn 16 Bundesländer, der Bund und die Polizeibehörden anderer europäischen Länder neue Ausrüstung bestellen, die Produzenten wenig falsch machen können“, formulierte das Polizeipräsident Meyer. „Im Moment gibt es eine riesige Nachfrage.“

Kommentare (27)

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G. Nampf

14.11.2016, 15:36 Uhr

 " Im Alltag bleibe die Hamburger Polizei dagegen zivil, werde etwa den Demonstranten bei den Gipfeltreffen in normaler Uniform statt in Kampfmontur entgegentreten."

Das glaubt doch niemand mehr. Mal sehen, wann die Ausrüstung zum ersten Mal gegen uns Bürger eingesetzt wird.

Unsere Obrigkeit hat Angst vor uns. Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.http://www.handelsblatt.com/netiquette

Herr Grutte Pier

14.11.2016, 15:43 Uhr

"Für die Waffenindustrie eröffnet das einen ganz neuen Markt. "

Es gibt also tatsächlich Positives über die fortwährende "Bereicherung" zu berichten.....

Account gelöscht!

14.11.2016, 15:44 Uhr

Joh, wenn sich Woche für Woche die Polizei verprügeln lässt, muß sie das auch, sowie dies neulich in Berlin war oder am Wochenende in Düren, wo zwei Türken (Vater und Sohn) 10 Polizisten gewickelt haben und die jetzt in Krankenhaus liegen.

Wir schaffen das.

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