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27.12.2011

13:26 Uhr

Raffineriefirma

Kreditproblem behindert Öl-Einkauf von Petroplus

Der Raffineriebetreiber Petroplus hat ernste Kreditschwierigkeiten. Die Gläubigerbanken des Unternehmens haben benötigte Kredite in Höhe von einer Milliarde Dollar eingefroren - den Raffinerien geht bald das Öl aus.

Ein Arbeiter in einer deutschen Raffinerie. dpa

Ein Arbeiter in einer deutschen Raffinerie.

ZürichDer Schweizer Raffineriebetreiber Petroplus spürt wegen der Einfrierung einer noch nicht abschließend zugesagten Kreditlinie Schwierigkeiten beim Einkauf von Rohöl.

„Wir können nicht so Rohöl kaufen, wie wir das gerne wollten“, sagte Firmensprecher Frederik Olsson am Dienstag. Zwar habe jede Raffinerie Vorräte. Aber bis diese aufgebraucht seien, sei es nicht eine Frage von Wochen - das gehe viel schneller. „Das ist eine ernste Sache für unsere Firma.“

Nach Petroplus-Angaben haben Gläubigerbanken Kredite von einer Milliarde Dollar eingefroren. Es handle sich um eine revolvierende Kreditfazilität, die für den laufenden Betrieb wichtig sei. Das Unternehmen wolle nun mit den Banken in neue Verhandlungen eintreten, um die Kreditlinien wiederherzustellen. Es würden aber auch andere strategische Optionen geprüft, um den Betrieb der Raffinerien aufrechterhalten zu können.

Europas größter unabhängiger Rohölverarbeiter verfügt im Gegensatz zu den Ölkonzernen nicht über eigene Quellen und muss das zu verarbeitende Rohöl deshalb einkaufen.

Die Kreditschwierigkeiten haben am Dienstag die Petroplus-Aktien auf Talfahrt geschickt. In einem kaum veränderten Markt stürzte der Titel um knapp 33 Prozent auf 2,30 Franken ab und notierte auf dem tiefsten je verzeichneten Stand. Der europäische Vergleichsindex legte 0,2 Prozent zu. Es handle sich um eine ernste Angelegenheit, erklärte die Bank Vontobel. Vontobel-Analyst Andreas Escher riet nachdrücklich vom Kauf der Aktie ab.

Das Unternehmen litt zuletzt unter dem hohen Ölpreis, der den Einkauf und den Betrieb der Raffinerien verteuert. Auch der Ausfall von Öllieferungen aus Libyen schlug negativ zu Buche. „Die Rahmenbedingungen für Petroplus sind derzeit schwieriger denn je“, erklärte der ZKB-Analyst Martin Schreiber Anfang des Monats. In den Monaten Juli bis September lief bei einem Umsatz von rund 6,5 Milliarden Dollar ein Verlust von 95 Millionen Dollar auf nach 80 Millionen im zweiten Quartal.

Petroplus betreibt insgesamt fünf Raffinerien in Europa, unter anderem Raffinerien im bayerischen Ingolstadt und in Cressier in der Schweiz. Die Raffinerie in Ingolstadt ist von der Finanzproblemen des Mutterkonzerns bislang nicht betroffen. „Wir produzieren weiter ganz normal“, sagte ein Sprecher des Standorts in Bayern. Der Betrieb sei nicht beeinträchtigt. Allerdings verfüge die Raffinerie noch nicht über konkretere Informationen über die Verfassung des Petroplus-Konzerns.

Von

rtr

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