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31.01.2007

17:53 Uhr

RAG drängt auf Börsengang

Alles Müller – oder was?

VonMarkus Hennes und Klaus Stratmann

Die RAG drängt nach der Einigung der Koalition auf ein Ende des deutschen Steinkohlenbergbaus mit Macht auf den geplanten Börsengang. Die Weichen dafür sind zwar grundsätzlich gestellt – doch die Risiken sind noch nicht alle vom Tisch.

Ist endlich befreit von der Altlast Steinkohlenbergbau: RAG-Chef Werner Müller. Foto: dpa

Ist endlich befreit von der Altlast Steinkohlenbergbau: RAG-Chef Werner Müller. Foto: dpa

DÜSSELDORF/BERLIN. Unmittelbar vor dem richtungsweisenden Kohlegipfel am Mittwochabend in Berlin ist die Stimmung in der Zentrale des Essener Mischkonzerns RAG angespannt. Noch nie zuvor war RAG-Chef Werner Müller seinem Ziel so nah. Er will den defizitären Steinkohlenbergbau der RAG aus dem Konzern ausgliedern und an eine Stiftung übertragen. Die profitablen Industrieaktivitäten der RAG mit den Töchtern Degussa (Chemie), Steag (Energie) und der Immobiliensparte sollen als eine Einheit in mehreren Tranchen an die Börse kommen und in einigen Jahren als weiterer Ruhrgebietskonzern in den Dax aufsteigen.

Die Einnahmen aus dem Börsengang von etwa 5,5 Mrd. Euro sollen an eine Stiftung fließen, die damit – wenn das letzte Bergwerk in Deutschland schließt – die so genannten Ewigkeitskosten des Bergbaus finanziert. Die Stiftung soll dauerhaft eine Sperrminorität von 25,1 Prozent an der „weißen“ RAG (im Unterschied zum „schwarzen“ Bergbau) halten.

Doch die Gefahr, auf den letzten Metern von der Politik gestoppt zu werden, ist noch nicht gebannt. „Wir werden erst dann sagen, wie es weitergeht, wenn die Tinte unter den Verträgen trocken ist“, gibt sich ein hochrangiger RAGManager zugeknöpft.

Die Spitzen der Berliner Koalitionsregierung haben am Montagabend Historisches beschlossen: Union und SPD kamen nach monatelangem Ringen überein, bis zum Jahr 2018 aus dem seit mehr als 40 Jahren mit Milliardenbeträgen subventionierten deutschen Steinkohlenbergbau auszusteigen. Allerdings ist der Ausstiegsbeschluss nicht endgültig. Auf Drängen der SPD in Nordrhein- Westfalen und der Bergbaugewerkschaft IG BCE gibt es eine Option für den Ausstieg aus dem Ausstieg. Für den – nach Ansicht von Experten allerdings eher unwahrscheinlichen – Fall, dass die deutsche Steinkohle bis zum Jahr 2012 international wettbewerbsfähig ist, will sich die Kohlelobby in NRW ein Hintertürchen offen halten. IG-BCE-Chef Hubertus Schmoldt stellte am Dienstag erneut klar, dass er es energiepolitisch für falsch hält, den Zugang zu den heimischen Kohlevorkommen aufzugeben: „Wir dürfen uns nicht unwiderruflich von unserer Steinkohleförderung verabschieden, wenn wir uns nicht noch mehr von Energieimporten abhängig machen wollen“, warnte Schmoldt.

Bei der RAG geht man gleichwohl davon aus, dass die wichtigsten Hürden für Müllers Stiftungsmodell und den Börsengang seit Montag genommen sind. „Die großen politischen Linien sind gezogen, jetzt müssen aber noch technische Details geklärt werden“, hieß es in Verhandlungskreisen. Nach Informationen des Handelsblatts kam gestern in Berlin die so genannte Sherpa-Gruppe aus Vertretern des Bundes, der Kohleländer NRW und Saarland, der RAG und der IG BCE zusammen, um letzte Streitpunkte für das heutige Kohle-Spitzengespräch auszuräumen.

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