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21.01.2007

10:13 Uhr

RAG-Warnung

Im Bergbau drohen Massenentlassungen

Erstmals könnte es zu Massenentlassungen im deutschen Steinkohlebergbau kommen. Im Streit um die staatlichen Subventionen für die Deutsche Steinkohle AG verhärten sich die Fronten. Während SPD-Chef Beck für eine Fortzahlung plädiert, will NRW-Ministerpräsident Rüttgers das Ausstieg.

Dramatische Lage im Bergbau - Massenentlassungen drohen. Foto: dpa

Dramatische Lage im Bergbau - Massenentlassungen drohen. Foto: dpa

HB BOCHUM/BERLIN. Im deutschen Steinkohlebergbau stehen Kreisen zufolge 3000 Arbeitsplätze auf der Kippe. Für Massenentlassungen bei den Kohle-Kumpeln könnte ein Finanzloch sorgen, das nach Angaben aus mit dem Vorgang vertrauten Kreisen bei der Deutschen Steinkohle AG (DSK) entstanden ist. Die DSK gehört zum an die Börse strebenden Mischkonzern RAG. Dieser nannte die Lage der Tochtergesellschaft „dramatisch“.

Ein RAG-Sprecher sagte am Samstag: „Die wirtschaftliche Lage bei unserer Tochter DSK macht uns große Sorge“. Anfang Februar wolle der Aufsichtsrat der DSK in einer außerordentlichen Sitzung über Konsequenzen aus der Lage beraten.

Die Kosten der DSK hätten im vergangenen Jahr die bewilligten Subventionen um 163 Millionen Euro übertroffen, hieß es am Samstag von Insidern, die mit den Gesprächen zwischen der DSK und der Bundesregierung vertraut sind. Deshalb drohe die Schließung eines weiteren Bergwerks und der Verlust von 3000 Arbeitsplätzen bei der DSK.

DSK-Chef Bern Tönjes habe die Zahlen bereits dem Bundeswirtschaftsministerium vorgelegt. Bis 2012 seien zudem weitere Deckungslücken zu erwarten, die sich auf bis zu 2,5 Milliarden Euro summieren könnten. Der Bund wolle die Finanzierungslöcher nur ausgleichen, wenn es zu einem Beschluss zum Ausstieg aus der Förderung der Steinkohle komme.

Das Bundeswirtschaftsministerium sieht die finanziellen Probleme allerdings gelassener als die RAG. „Ich kann nur auf den Haftungsverbund (zwischen Mutter- und Tochterfirma) und darauf verweisen, dass die Liquiditätslage der Mutter gut ist“, sagte ein Ministeriumssprecher. Ein RAG-Sprecher sagte dazu, das Ministerium lege mit dieser Äußerung „den Finger in die Wunde“. Damit werde deutlich, dass das gegenwärtige Konzernmodell „schon auf kurze Sicht nicht mehr funktionieren kann“. Deshalb sei eine Grundsatzentscheidung über die Zukunft des Bergbaus dringend nötig.

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