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23.06.2014

10:00 Uhr

Ramsauer kritisiert Regierung

Zu wenig Unterstützung für Siemens?

Im Bieterwettbewerb zwischen Siemens und GE habe die Bundesregierung sich zu sehr zurückgehalten, beklagt CSU-Politiker Ramsauer. Siemens-Chef Kaeser macht dagegen jemand anderen für das Scheitern verantwortlich.

Der ehemalige Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) hätte sich mehr Unterstützung der Bundesregierung für Siemens gewünscht. dpa

Der ehemalige Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) hätte sich mehr Unterstützung der Bundesregierung für Siemens gewünscht.

BerlinDer Vorsitzende des Bundestags-Wirtschaftsausschusses, Peter Ramsauer (CSU), hat der Bundesregierung mangelnde Unterstützung für den Siemens-Konzern im Bieterkampf um Alstom vorgeworfen. Von der deutschen Regierung sei in der Angelegenheit zu wenig zu hören gewesen, sagte Ramsauer am Montag im Deutschlandfunk. Er hätte sich gewünscht, dass Siemens eine ähnliche Unterstützung erfährt wie Alstom durch die Regierung in Paris.

Diese wurde vom Ramsauer in scharfen Worten kritisiert, weil sie dem amerikanischen Siemens-Konkurrenten General Electric den Einstig bei Alstom geebnet hat. „Die französische Regierung hat hier eindeutig nationale Eigensinnigkeiten, französische einseitige Interessen vor die europäischen Interessen gestellt“, sagte Ramsauer. Kritisch sei auch, dass der französische Staat sich trotz massiver Schuldenprobleme eine Alstom-Beteiligung leiste.

Was GE mit Alstom vorhat

Das GE-Gebot

Der US-Industriekonzern bewertet das Alstom-Energie- und Netzgeschäft mit 12,35 Milliarden Euro. Doch anders als ursprünglich geplant werden die gewünschten Teile nicht komplett bei General Electric landen – teilweise wird es auch Joint-Ventures geben.

Staatsbeteiligung

Die französische Regierung steigt parallel zum GE-Angebot bei Alstom ein. Der Staat übernimmt 20 Prozent, die zuvor dem Konzern Bouygues gehalten hat. Laut Vereinbarung kann Paris binnen 20 Monaten nach Abschluss der geplanten Operationen bis zu 20 Prozent der Alstom-Anteile von Bouygues oder am Markt erwerben. Kauft die Regierung direkt bei Bouygues, sind der Marktwert oder mindestens 35 Euro pro Aktie fällig. Gleichzeitig räumt Bouygues der Regierung bereits mit Abschluss der geplanten Kooperation 20 Prozent der Stimmrechte bei Alstom ein.

Was bei Alstom verbleibt

Zu 100 Prozent behält Alstom das Bahngeschäft. Die Sparte baut etwa Nahverkehrszüge, aber auch den Schnellzug TGV. Die Sparte macht jährlich 6,2 Milliarden Euro Umsatz und zählt 28.200 Mitarbeiter.

Es wird eine globale Kooperation im Vertrieb mit GE geben und einen gemeinsamen Einkauf. In einzelnen Ländern wird Alstom GE-Diesellokomotiven fertigen.

Das Gegengeschäft

Alstom übernimmt im Zuge der Transaktion das Geschäft mit Signaltechnik von General Electric und stärkt damit das Eisenbahngeschäft. Die Sparte erzielt jährlich einen Umsatz von 400 Millionen Euro und beschäftigt etwa 1200 Mitarbeiter.

Was komplett an GE geht

Die Amerikaner integrieren die – auch bei Siemens heiß begehrten – Gasturbinen, die in effizienten Kraftwerken zum Einsatz kommen.

Was GE in Joint-Venture einbringt

Mit der komplexen Transaktion entstehen drei Joint-Venture (jeweils 50% Alstom und 50% GE):
- Netztechnik (bestehend aus den Segmenten „Alstom Grid“ und „GE Digital Energy“)
- Erneuerbare (bestehend aus Wasserkraftwerktechnik und Offshore-Windkraft)
- Nukleartechnik (weltweit) und Dampfturbinen (Frankreich-Geschäft)

Nach einem wochenlangen Bieterstreit zwischen einerseits dem Siemens-Konzern und dessen japanischem Partner Mitsubishi Heavy Industries sowie andererseits General Electric hatten sich das französische Unternehmen und der Staat letztlich für den US-Konzern entschieden. Zudem will die französische Regierung mit 20 Prozent bei Alstom einsteigen.

Für die Niederlage im Bieterwettstreit ist nach Einschätzung des Siemens-Vorstandsvorsitzenden Joe Kaeser vor allem Alstom-Chef Patrick Kron verantwortlich. „Wir hatten das eindeutig bessere Angebot in puncto Jobs, Preis und Zukunftsperspektive für die französische und europäische Industrie“, sagte Kaeser der „Bild“-Zeitung vom Montag. Ausschlaggebend sei am Ende gewesen, dass Kron Deutschland und Siemens „entschieden bekämpft“ habe. „Dagegen konnten und wollten wir nichts machen“, so Kaeser.

Auf die Frage nach der Zukunft des Siemens-Bahngeschäfts sagte Kaeser: „Wir wollten nie unser Bahngeschäft verkaufen, sondern zusammen mit Alstom einen europäischen Champion mit globaler Durchsetzungskraft bauen.“ An seinen Plänen halte er fest. „Das Ziel bleibt, der Weg dahin wird jetzt ein anderer“, sagte Kaeser.

Zu Beginn der Bieterschlacht hatte Siemens angeboten, wie der US-Rivale General Electric die Energiesparte von Alstom zu übernehmen und im Gegenzug das Bahngeschäft an die Franzosen abzugeben. Im offiziellen Angebot, das Siemens schließlich zusammen mit dem japanischen Unternehmen Mitsubishi Heavy Industries (MHI) vorlegte, war davon nicht mehr die Rede. Stattdessen hieß es, es könnten Verhandlungen über eine Zusammenarbeit von Siemens und Alstom im Bahngeschäft aufgenommen werden, um einen „starken und innovativen europäischen Champion“ in dem Sektor zu schaffen.

Der Kampf um Alstom

Das bedeutet die Niederlage für Siemens

Der Kampf um Alstom: Das bedeutet die Niederlage für Siemens

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Kommentare (6)

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Account gelöscht!

23.06.2014, 10:14 Uhr

Zitat : Er setzt weiter auf Zukäufe.

- vor seinem Antritt war bei Käser das Motto : wir wollen uns auf unsere Kernkompetenzen konzentrieren und Ballast abwerfen !

Sprücheklopfer per Excellence !

SIEMENS wird genau so einpacken, wie es mal die AEG getan hat.

Der AEG haben die Franzosen damals noch den Rest gegeben !

Vor allem war es ALSTOM !

.

Account gelöscht!

23.06.2014, 10:44 Uhr

Siemens sollte froh sein sich den klotz nicht ans bein gebunden zu haben...

Seit Mitterand hat sich in F nichts bewegt...

der größte Fehler von D war sich auf den Euro einzulassen,

Account gelöscht!

23.06.2014, 10:54 Uhr

Die Politiker haben nichts begriffen.
Wie kann ich Europa stärken ?
Nur mit einer starken konkurrenzfähigen Wirtschaft.
Hier wurde eine Chance vertan.
Ich glaube nicht an die europäische Einigung, solange Politiker und Manager dieses Europa nicht leben.
Mein Fazit: Die Menschen werden verarscht !
Unsere Steuergelder werden wieder nach einem Desaster ( GE ) verbrannt...wetten ?

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