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19.11.2013

18:45 Uhr

Recycling-Prinzip

Continental will alte Lkw-Reifen aufmöbeln

Conti bringt mit einem Strategiewandel das Geschäft voran: Reifen sollen plötzlich ein Drittel weniger kosten. Das macht der Konzern möglich mit einem Recycling-Prinzip – ähnlich dem Besohlen alter Schuhe.

Reifenstapel im Continental-Werk in Hannover. Das Unternehmen setzt mit der modernen Runderneuerung auf den Trend in der Transportbranche. dpa

Reifenstapel im Continental-Werk in Hannover. Das Unternehmen setzt mit der modernen Runderneuerung auf den Trend in der Transportbranche.

HannoverAuf dem hartumkämpften Markt für Lastwagen- und Busreifen treibt der Branchenriese Continental das Recycling-Geschäft voran. Der Dax-Konzern eröffnete am Dienstag an seinem Stammsitz in Hannover eine Anlage, die pro Jahr bis zu 180.000 abgefahrene Pneus derart aufbereitet, dass sie wieder an das Niveau fabrikfrischer, nie benutzter Reifen heranreichen. Für die Nutzfahrzeugindustrie verkauft Conti derzeit jährlich etwa 7,1 Millionen neue Lkw-, Bus- und Spezialreifen - die Kapazität des Recyclingwerks ist also eher klein.

Seine Bedeutung für das Unternehmen liegt aber auch weniger in den Stückzahlen, sondern vor allem in der Produktionsstrategie für die Zukunft. „Wir glauben, dass wir mit der neuen Anlage ganz, ganz nah an Neureifen herankommen“ sagte Conti-Reifenvorstand Nikolai Setzer. Der Konzern lasse sein Know-How aus der Entwicklung und Produktion neuer Reifen in das Recycling-Werk einfließen. Conti habe dabei bestehende Verfahren für die in der Branche gängige Runderneuerung verfeinert.

Vereinfacht gesagt bekommen Reifen bei einer Runderneuerung einfach neue Sohlen - wie abgelaufene Schuhe. Bei Contis neuer Anlage sorgt nun aber ein Verfahren dafür, dass beim Härten der neuen Kautschukmischung der Rest geschont wird. Bisher wurden auch bereits vulkanisierte Teile noch einmal von dem Prozess erfasst, was Energie kostet und das Material belastet. Neu ist bei Conti außerdem, dass die Gummiabfälle im Reifenproduktionskreislauf bleiben. Der Bund fördert das Werk als grünes Leuchtturmprojekt mit 1,2 Millionen Euro, insgesamt steckte Conti gut zehn Millionen Euro in die neue Anlage.

Die größten Reifenhersteller der Welt

Platz 12

Toyo Tire & Rubber (Japan) - 3 Milliarden Dollar

Rangliste nach Umsatz im Finanzjahr 2014, Quelle: Statista/Modern Tire Dealer

Platz 11

Kumho Tire (Südkorea) - 3,3 Milliarden Dollar

Platz 10

Cooper Tire & Rubber (USA) - 3,5 Milliarden Dollar

Platz 9

Cheng Shin Rubber (Taiwan) - 4,3 Milliarden Dollar

Platz 8

Yokohama Rubber (Japan) - 4,8 Milliarden Dollar

Platz 7

Hankook Tire (Südkorea) - 6,4 Milliarden Dollar

Platz 6

Sumutimo Rubber (Japan) - 6,9 Milliarden Dollar

Platz 5

Pirelli (Italien) - 8 Milliarden Dollar

Platz 4

Continental (Deutschland) - 12,9 Milliarden Dollar

Platz 3

Goodyear Tire (USA) - 17,8 Milliarden Dollar

Platz 2

Michelin (Frankreich) - 24,4 Milliarden Dollar

Platz 1

Bridgestone (Japan) - 29,3 Milliarden Dollar

Das neue Werk soll bei Conti nun als weltweite Keimzelle für das Prinzip „Aus alt mach' neu“ dienen - etwa mit einem Trainingszentrum, in dem Teams aus Übersee lernen. Die Runderneuerung abgefahrener Reifen läuft bereits an Conti-Standorten in Malaysia, Ecuador und Mexiko. Mit der neuen Fabrik in Hannover rückt das System nun ins Herz des europäischen Marktes - das ist auch ein Strategiewandel.

Künftig geht es nicht mehr nur um das Verkaufen neuer Reifen, die irgendwann zum Entsorgungsfall werden - Conti bindet sie vielmehr als Basis neuer Pneus verstärkt ein. Manager Setzer erklärte, dass sogar mehrfaches Erneuern denkbar sei, Hauptsache, die Reifenbasis litt nicht zu sehr. Vorteil für den Endkunden: Die runderneuerten Pneus kosten die Spediteure und Busunternehmer rund ein Drittel weniger.

Nach Unternehmensdarstellung entlastet die neue Technik die Umweltbilanz mehrfach: Die Produktion eines komplett neuen Reifens entfällt. Das spare die Hälfte der Energie ein. Der Wasserverbrauch und Abfall sinke sogar um 80 Prozent - daher fördert auch der Bund.

Continental setzt mit der modernen Runderneuerung auf den Trend in der Transportbranche, dass Anschaffungen zunehmend unter dem Aspekt der langfristigen Kosten gesehen werden. Spriteffizienz von Motoren, die in der Anschaffung zunächst teurer sind, sich aber später besser rechnen, sind dabei ein Aspekt. Reifen, deren Ersatz runderneuert ein Drittel günstiger ist, sind ein anderes Beispiel. Mit Servicepaketen für diese Lebenszyklen kann Conti Kunden langfristig an sich binden.

Von

dpa

Kommentare (1)

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Account gelöscht!

19.11.2013, 21:10 Uhr

Interessanter Artikel; allerdings gibt es das Geschäft schon lange : Reifen Ihle in Günzburg hat für Conti diese Reifen produziert. Warum die Anlage durch den Bund noch gefördert wird, ist dem Steuerzahler schlicht nicht nachvollziehbar. Das kommerzielle Interesse war sowieso da.

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