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25.10.2011

15:34 Uhr

Refinanzierung

Kretschmann lässt EnBW weiter schmoren

Ein Atomstrom-Verfechter an der Konzernspitze und ein grüner Ministerpräsident am Geldhahn. Für den Umbau des Energieversorgers EnBW zum Ökostrom-Konzern scheint diese Konstellation vor allem eines zu sein: Bremse.

Winfried Kretschmann bei einer Pressekonferenz zu "Stuttgart 21". Reuters

Winfried Kretschmann bei einer Pressekonferenz zu "Stuttgart 21".

StuttgartDer um einen neuen Vertrag kämpfende Chef des Energieversorgers EnBW muss weiter auf ein Signal des Landes für eine Kapitalspritze warten. Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann vertröstete Vorstandschef Hans-Peter Villis auf das Frühjahr 2012.

Die Strategiedebatte über den Umbau der Energie Baden-Württemberg (EnBW) zum Ökostrom-Konzern solle zur Hauptversammlung abgeschlossen sein, sagte der Grünen-Politiker am Dienstag in Stuttgart. „Wir sind sicher, dass das gelingen wird, dass wir die EnBW als zentralen Akteur der Energiewende positionieren.“ Erst dann stelle sich die Frage nach einer Kapitalerhöhung. Kretschmann sagte, das Land bekenne sich zu seiner Verantwortung als Anteilseigner.

Am Dienstag tritt der Aufsichtsrat der EnBW zusammen. Dabei dürfte auch die Verlängerung des Vertrages für Villis besprochen werden, der in einem Jahr ausläuft. Der Vorstandschef hat ein Signal der Eigentümer gefordert, allerdings ist offen, ob die grün-rote Landesregierung ihm als Verfechter der Atomkraft den Umbau zutraut. Die wie das Land mit 46,5 Prozent an der EnBW beteiligte OEW hatte sich hinter Villis gestellt.

Seit Wochen fordert der wie kein anderer Versorger stark vom Atomstrom abhängige Energiekonzern dringend eine Kapitalspritze von rund 800 Millionen Euro. Der zweite Großaktionär neben dem Land, der Zweckverband Oberschwäbische Elektrizitätswerke (OEW), hat bereits signalisiert, mindestens 400 Millionen Euro und wenn nötig auch 600 Millionen Euro bereitzustellen.

Einen ersten Schritt zur Refinanzierung hat die EnBW bereits geschafft. Am Montag begab sie eine Hybridanleihe über 750 Millionen Euro. Ursprünglich hatte sie auf eine Milliarde Euro gehofft. Finanzchef Thomas Kusterer sagte, das Unternehmen habe den richtigen Zeitpunkt erwischt. In den vergangenen Monaten sei der Markt nicht aufnahmebereit gewesen.

Die EnBW hatte bereits im September um Investoren geworben. Ende Juni war die EnBW mit 8,7 Milliarden Euro verschuldet. Die mehr als 60 Jahre laufende Anleihe gilt bis 2017 wegen ihrer langen Laufzeit zur Hälfte als Eigenkapital. „Ich glaube, das ist ein klares Signal an die Ratingagenturen“, sagte Ministerpräsident Kretschmann.

Für die Anleihe muss die EnBW 7,5 Prozent Zinsen zahlen. Sie sei „mehr oder weniger fair gepreist“, urteilten die Analysten der LBBW. Ab 2017 kann sie alle fünf Jahre gekündigt werden. Das Unternehmen kann in Jahren, in denen es keine Dividenden zahlt, die Zinszahlungen verschieben. Die EnBW macht sich angesichts der Energiewende in den nächsten Jahren auf sinkende Ergebnisse gefasst.

Von

rtr

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