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27.02.2012

12:58 Uhr

Regierungsfahrzeuge

China sperrt ausländische Automarken aus

Die chinesische Autoindustrie demonstriert Selbstbewusstsein. Peking schreibt Funktionären vor, künftig nur noch chinesische Modelle zu fahren. Aktien deutscher Hersteller brechen ein.

China will die Staatsflotte künftig ausschließlich auf heimische Fahrzeugen aufstocken. Reuters

China will die Staatsflotte künftig ausschließlich auf heimische Fahrzeugen aufstocken.

PekingChinesische Funktionäre müssen künftig auf ausländische Automarken verzichten. Zum Schutz der heimischen Autoindustrie veröffentlichte das Industrieministerium in Peking eine vorläufige Liste mit rund 400 Modellen chinesischer Hersteller, die offizielle Vertreter von Staat und Partei stattdessen kaufen sollen. Bis zum 9. März nimmt das Ministerium öffentliche Kommentare zu der Liste an. 

Als Reaktion stiegen am Montag die Aktienkurse chinesischer Autohersteller wie Dongfeng und First Automotive Works (FAW). Besonders hart trifft die Vorgabe deutsche Hersteller von repräsentativen Fahrzeugen wie Audi, Volkswagen und Daimler, deren Aktien deutlich verloren. 

Dirk Moens, Generalsekretär der Europäischen Handelskammer in China, kritisiert die Vorgabe scharf:„China scheint ausländische Investoren langsam aber sicher aus dem heimischen Automarkt auszuschließen“, sagt er Nachrichtenagentur Bloomberg. „Die Chinesen können nicht erwarten, im Ausland herzlich willkommen zu sein, wenn sie ihren heimischen Markt für ausländische Investoren schließen.“ 

Die Folgen einer Beschränkung von Dienstwagen auf heimische Marken sind unter Experten umstritten. Angesichts des starken Wachstums des Privatkundengeschäfts sei das Flottengeschäft mit Behörden heute nur noch sehr klein, sagten informierte Kreise in Peking. Audi macht rund 20 Prozent seines Umsatzes mit Regierungsfahrzeugen - Volkswagen, General Motors, Toyota und Nissan sogar nur zehn Prozent. Industrie-Insider zeigten trotzdem Unverständnis für die Pläne und wiesen darauf hin, dass ausländische Autobauer wie Volkswagen oder General Motors ihre Fahrzeuge für den chinesischen Markt schließlich auch in China und mit lokalen Partnern bauten. 

Asiens Autohersteller

Wachstumsstark und clever

Viele kleinere Autohersteller aus Fernost haben Ambitionen, sich in den nächsten Jahren zu Weltmarken zu entwickeln:

SAIC (China)

Shanghai Automotive Industry Corporation (SAIC) ist in Deutschland als VW-Partner bekannt, zeigt aber immer mehr Eigenständigkeit. 2011 wurden mehr als vier Millionen Fahrzeuge abgesetzt.

SAIC (China)

Damit hat sich der Absatz seit 2005 vervierfacht. SAIC könnte als einer der ersten chinesischen Anbieter auf dem Weltmarkt bestehen. In Großbritannien verkauft SAIC unter der zugekauften Marke MG Rover bereits Autos.

BAIC (China)

Die Beijing Automotive Industry Corporation Group (BAIC Group) ist das Pekinger Gegenstück zu SAIC. BAIC kooperiert mit Daimler und Hyundai. In Europa ist sie zuletzt als möglicher Käufer für die schwedische Marke Saab ins Gespräch gekommen.

BAIC (China)

Der fünftgrößte chinesische Autobauer ist eine Kooperation mit der russischen AMS Group eingegangen, um den Markt des Nachbarlands für die eigenen Produkte zu erschließen.

Chery (China)

Chery ist wie BAIC und SAIC ein Staatsbetrieb, kommt aber etwas flippiger daher und ist der Exportchampion unter den Chinesen. Das Unternehmen setzt konsequent auf Absatz in anderen Schwellenländern und betreibt eigene Fabriken beispielsweise in Indonesien, der Ukraine oder der Türkei.

Chery (China)

Mit rund 800 000 abgesetzten Autos liegt Chery im chinesischen Ranking auf Platz sieben. Durch konsequente Ausgaben für eigene Entwicklung sichert sich der Anbieter eine solide Position im unteren Marktsegment.

Geely (China)

Der Ehrgeizling unter Chinas Autofirmen befindet sich nicht in Staatshand, sondern ist ein Privatunternehmen. Im Laufe des Jahres will das Unternehmen sein Topmodell Emgrand in Großbritannien und Italien auf den Markt bringen.

Geely (China)

Das ist konsequente Fortsetzung einer Strategie, die sich bereits 2010 im Kauf der schwedischen Traditionsmarke Volvo gezeigt hat: nicht kleckern, sondern klotzen – und konsequent auf Qualität setzen.

Tata (Indien)

Indiens wichtigstes Industrieunternehmen Tata strebt längst nach mehr als nur dem Rang eines regionalen Marktführers. Mit der Übernahme der britischen Luxusmarken Jaguar und Land Rover schrieb das Unternehmen 2008 Industriegeschichte.

Tata (Indien)

Der Konzern stellt im Jahr nur gut eine Million Fahrzeuge her. Doch mit Jaguar und Land Rover setzen die Inder auf internationales Wachstum und wollen zum ernst zu nehmenden Rivalen von BMW werden.

Hyundai-Kia (Südkorea)

Für VW-Boss Martin Winterkorn ist er einer der gefährlichsten Konkurrenten: Hyundai-Kia ist auf dem Vormarsch. Der fünftgrößte Autokonzern will 2012 erstmals die Sieben-Millionen-Schwelle überschreiten. Die Koreaner zählen zu den am schnellsten wachsenden Autokonzernen der Welt.

Hyundai-Kia (Südkorea)

Im vorigen Jahr steigerte der Konzern seinen Absatz weltweit um 15 Prozent. Hyundai-Kia verzeichnete damit drei Jahre hintereinander je zweistellige Zuwachsraten.

Am deutschen Aktienmarkt gingen die Einschätzungen ebenfalls auseinander. Ein Händler kommentierte, damit drohe ein riesiger Markt mit einem geschätzten Volumen von 13 Milliarden Dollar zu verschwinden. Metzler-Experte Jürgen Pieper hob dagegen hervor, dass die Meldung keinen Einfluss auf Dienstwagen für Unternehmen habe. 

Auch unter den chinesischen Beamten dürfte die Meldung nicht nur positiv aufgenommen werden. Ausländische Autos gelten wegen ihrer höheren Qualitätsstandards als Statussymbol. Bei einer Staatsflotte von 5,2 Millionen Fahrzeugen, von denen rund 80 Prozent aus ausländischer Produktion stammen, wird die komplette Umrüstung wohl noch Jahre dauern.

Kommentare (27)

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aspi

27.02.2012, 13:32 Uhr

Die regelmäßig geschürte hysterische China-Panik ist zum Lachen. Vor einem Jahr ging durch die Presse, dass es in chinesischen Großstädten Zulassungsbeschränkungen für Privatfahrzeuge gäbe, worauf "Experten" vor dem Ende des China-Booms warnten, in den Folge krachten die Aktienkurse der Autkonzerne nach unten. Trotzdem stiegen entgegen der Experten-Kakophonie der Absatz deutscher Autohersteller in China erheblich an. Inzwischen hat sich die Expertenmeinung als guter Kontra-Indikator für die Entwicklung des Automobilmarktes in China entwickelt.

Account gelöscht!

27.02.2012, 13:34 Uhr

Nun ja, die Anzahl der Kinder wurde ja auch schon reglementiert... ...warum also nicht auch das Fahrzeugfabrikat? Ist doch alles halb so wild...

FreundHein

27.02.2012, 14:01 Uhr

Liebe Leute!

Was ist der Effekt? Der Chinawagen wird zur Zwangsmobilie für Parteibonzen. Die hätten wirklich darüber nachdenken sollen, ob sie dem inländischen Image der eigenen Industrie damit eher schaden oder nutzen.

Ich denke mal der Schuß geht nach hinten los. Auch jeder Chinese möchte keinen Trabant. Und wer die Wahl hat wird sich eher noch ein paar Yuan vom A… absparen oder mit etwas Glück "umschichten", damit es wirklich für einen Import oder wenigstens für eine Fremdmarke reicht.

In Sachen Kundenpsychologie sind die roten Bonzen eben ahnungslos. Bonze ist übrigens ein typisch chinesischer Titel…

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