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21.01.2005

08:50 Uhr

Reingewinn des Pharmakonzerns steigt auf 5,8 Mrd. Dollar – Generikasparte entwickelt sich schwächer

Novartis bleibt auf Rekordkurs

Der Schweizer Pharmakonzern Novartis hat im vergangenen Jahr zum achten Mal hintereinander ein Rekordergebnis vorgelegt. Der Reingewinn stieg um 15 Prozent auf rund 5,8 Mrd. Dollar, der operative Gewinn stieg um elf Prozent auf 6,5 Mrd. Dollar. Der Umsatz legte um 14 Prozent auf rund 28 Mrd. Dollar zu. Das gab das Unternehmen in Basel bekannt.

Novartis setzt große Hoffnungen auf ein Darmkrebsmedikament, das gemeinsam mit der Schering AG entwickelt wird.

Novartis setzt große Hoffnungen auf ein Darmkrebsmedikament, das gemeinsam mit der Schering AG entwickelt wird.

HB oli/shf BASEL.Für das Jahr 2005 peilt Novartis-Chef Daniel Vasella erneut einen Rekordwert an und will, was das Wachstum des Konzerns anbelangt, deutlich über dem Marktdurchschnitt von sieben bis acht Prozent zulegen.

Der fünftgrößte Pharmakonzern der Welt plant in diesem Jahr, für fünf Medikamente einen Antrag auf Zulassung zu stellen. In der Entwicklung befinden sich Präparate zur Behandlung von Bluthochdruck, Diabetes und Krebs. Große Hoffnungen setzt Novartis besonders auf ein Darmkrebsmedikament, das die Schweizer gemeinsam mit der deutschen Schering AG entwickelt haben. Der Wirkstoff mit dem internen Namen PTK 787 hemmt die Blutversorgung von Tumoren und könnte daher nicht nur bei Darmkrebs, sonderen auch bei anderen Krebsarten helfen. Er ist zudem das erste Medikament dieser Art, das Patienten oral einnehmen. Erste Resultate einer größeren Studie will Novartis im zweiten Quartal präsentieren. „Sind die Ergebnisse positiv, werden wir noch vor Ende des Jahres die Zulassung in den USA und Europa beantragen“, sagte Entwicklungschef Joerg Reinhardt. Im nächsten Jahr sollen vier Zulassungsanträge für neue Wirkstoffe folgen.

Trotz dieser optimistischen Aussichten kamen die Ergebnisse gestern an der Börse nicht gut an. Der Kurs sank in Zürich zeitweise um mehr als ein Prozent. „Das Ergebnis ist in Ordnung, aber nicht sexy“, sagt Analyst Andrew Fellows von Helvea, einer Tochter der Genfer Privatbank Pictet. Er bemängelt die etwas vagen Äußerungen Vasellas zur Entwicklung in diesem Jahr. Er verweist außerdem darauf, dass Novartis selbst einräumt, vor allem auf Grund gesetzlich vorgeschriebener Preisreduktionen unter Margendruck geraten zu können.

Schon im abgelaufenen Jahr ist die Marge des Unternehmens leicht von 23,7 auf 23,1 Prozent gesunken, wie Finanzchef Raymund Breu einräumte. Schuld daran ist das Generikageschäft, in dem Novartis um seine Stellung als Nummer zwei in der Welt kämpfen muss. Es macht zwar nur elf Prozent des Gesamtumsatzes aus, die Marge von Sandoz – unter diesem Namen haben die Schweizer ihr Geschäft mit Nachahmerprodukten gebündelt – hat sich jedoch fast halbiert und liegt jetzt ohne Restrukturierungskosten bei 8,9 Prozent. Vasella verwandte einen Teil seines Vortrages darauf, zu begründen, warum Novartis dennoch an Sandoz festhalten will. Nach seiner Meinung schärft Sandoz das Bewusstsein im ganzen Konzern dafür, dass Patente auf Medikamente ablaufen können. „Generika können die Innovation vorantreiben“, sagte er. Gleichzeitig erhöhte er den Druck auf Spartenchef Andreas Rummelt, der erst seit vergangenem Herbst Sandoz leitet. „Wir müssen beweisen, dass wir in Europa zu leistungsfähigen Preisen produzieren können“, sagte Vasella und kündigte an, neue Standorte für diese Sparte künftig eher in Ländern wie Indien zu gründen. Derzeit ist Österreich Sitz und eines der Hauptproduktionsländer von Sandoz.

Für gedämpfte Stimmung sorgte auch ein bescheidenes Finanzergebnis. Es sank wegen einer äußerst konservativen Anlagestrategie um 40 Prozent auf 227 Mill. Dollar. Gut entwickelt haben sich dagegen die Beteiligungen an anderen Unternehmen, aus denen im vergangenen Jahr ein Gewinn von 142 Mill. Dollar resultierte. Wichtigste Position ist dabei die 33prozentige Beteiligung am Konkurrenten Roche, die Novartis neuerdings wieder Freude macht. Vasella schloss gestern aus, diese Beteiligung in absehbarerer Zeit zu erhöhen. Überhaupt böten sich im Moment keine offensichtlichen Übernahme-Gelegenheiten. Novartis analysiere aber den Markt und werde Gelegenheiten zu einer Übernahme wahrnehmen.

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