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15.11.2015

17:42 Uhr

Rekord an Stromsperren

Konzerne drehen Kunden immer öfter den Saft ab

Wenn ein Kunde nicht rechtzeitig zahlt, können Versorger ihm die weitere Zulieferung von Strom und Gas verweigern und die Leitung kappen. Das passierte 2014 so oft wie noch nie.

Ganz so brachial läuft es natürlich nicht, die Leitungen lassen die Versorger ganz. Doch immer öfter drehen sie zahlungsunfähigen Kunden den Strom ab. ap

Stromleitung gekappt

Ganz so brachial läuft es natürlich nicht, die Leitungen lassen die Versorger ganz. Doch immer öfter drehen sie zahlungsunfähigen Kunden den Strom ab.

BonnWeil Verbraucher ihre Stromrechnung nicht mehr bezahlen können, haben die Energieversorger übereinstimmenden Medienberichten zufolge im vorigen Jahr so oft die Leitung abgeklemmt wie noch nie. Auch beim wichtigen Heizenergieträger Gas soll es bundesweit erneut mehr Unterbrechungen bei säumigen Haushaltskunden gegeben haben.

Die Zahl der Stromsperren sei 2014 auf den Höchstwert von fast 352.000 Fällen gestiegen, berichten die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ (FAZ/Montag) und „Spiegel online“ unter Berufung auf einen neuen Bericht der Bundesnetzagentur und des Bundeskartellamts. Das wären rund 7000 Stromsperren oder 2 Prozent mehr Fälle als 2013.

Nach einer früheren Veröffentlichung stieg die Zahl der Stromsperren in den Jahren zuvor bereits stetig an. Demnach gab es 2011 rund 312.100, 2012 rund 321.500 und 2013 rund 344.800 solcher Fälle.

Energiekonzerne im Umbruch

Zwei Wege, ein Ziel

Der Strom- und Gasversorger Eon, der einst seine Stärke aus Kohle, Gas und Atomkraft bezog, mutiert nach seinem eigenen Bestreben zu einem lupenreinen „grünen Versorger“. Und verheißen die Pläne zur Abspaltung des konventionellen Kraftwerksgeschäfts in den Eon-Mutanten Uniper einen Ausweg aus der Krise? Oder führt am Ende doch der Weg, den die Essener Konkurrenten RWE einschlagen wollen, indem sie den Konzern radikal vereinfachen und mehr Macht in der Zentrale konzentrieren, am schnellsten raus aus der Krise?

Was ist der Grund für die Zerschlagung von Eon?

Der Branchenprimus auf dem deutschen Strom- und Gasmarkt war wie alle großen Mitspieler durch die Energiewende in die Bredouille geraten. Zuvor waren Eon & Co durch die Ausweitung des Wettbewerbs auf den Märkten bereits Macht genommen worden. Unter anderem trennten sie sich von den Höchstspannungsnetzen. Mit der Entscheidung zum Ausstieg aus der Atomenergie aber erfolgte der entscheidende Schnitt – das Ende für die herkömmlichen Kohle- und Atomriesen war eingeläutet. Strom aus Wind und Sonne erhielt Vorfahrt.

Was erhofft sich Eon von der Abspaltung?

Jahrelang hatte der Konzern enorme Gewinne aus dem Strom- und Gasgeschäft gescheffelt und Aktionäre mit steigenden Dividenden verwöhnt. Das ist seit ein paar Jahren vorbei. Dabei steht der Konzern unter einem hohen Druck durch die Kapitalmärkte. Durch die Abtrennung erhofft sich die neue Eon, die sich künftig ganz auf Ökostrom, Energienetze und Kundenlösungen konzentriert, Rückenwind: Das Unternehmen ist frei von Altlasten - nur noch der Name erinnert an seine Herkunft.

Warum entschied sich RWE gegen die Aufspaltung?

Bei dem Konkurrenten aus Essen sind die Eigentümerverhältnisse anders gelagert. Während Eon eine börsennotierte Publikumsgesellschaft mit zahlreichen Anlegern ist, haben bei RWE die Kommunen noch ein entscheidendes Wörtchen mitzureden. Auch die waren jahrelang durch üppige Dividenden verwöhnt worden. Eine Zerschlagung des Konzerns in zwei Teile wäre vor dem Hintergrund kaum durchsetzbar gewesen. RWE-Chef Peter Terium bezeichnete einen solchen Schritt auch als nicht „wünschenswert“. Hinzu kommt, dass bei RWE das Geschäft mit regenerativen Energien noch nicht so weit entwickelt ist wie bei Eon.

Was bedeutet die Abspaltung bei Eon für die Atomrückstellungen?

Darüber ist in den vergangenen Monaten viel berichtet und spekuliert worden. Eon-Chef Johannes Teyssen nannte diese Rückstellungen, die für den Rückbau der Atomanlagen vorgesehen sind und in der Eon-Bilanz 2014 eine Summe von mehr als 16 Milliarden Euro ausmachten, bei der Vorlage der Halbjahreszahlen als „sicher“. Die Summe wird vollständig Uniper zugeschlagen. Und Teyssen beteuert, dass das Unternehmen seinen Verpflichtungen voll und ganz nachkommen werde. Kritik kommt von Tobias Riedl von der Umweltschutzorganisation Greenpeace: „Die geplante Aufspaltung von Eon in eine „Good“ und eine „Bad Bank“ ist der dreiste Versuch des Konzerns, sich der Haftung für den selbst produzierten Atommüll zu entziehen.“ Eon strebe an, dass künftige Milliardenkosten für die Entsorgung des verstrahlten Abfalls möglichst die Bürger tragen sollten, sagt Riedl.

Welche Perspektiven hat Uniper?

Auf dem deutschen Strom- und Gasmarkt wird es Uniper schwer haben. Auch wenn Eon den Bereich heute als einen für Jahrzehnte wichtigen Baustein beim Umbau des Energiesystems sieht - nämlich durch seine absichernde Funktion für die erneuerbaren Energien - wird das Unternehmen nach Ansicht von Branchenbeobachtern noch lange an seinem Image als Auslaufmodell zu tragen haben.

Welche Lichtblicke sind beim Umbau der Konzerne zu erkennen?

Mit dem massiven Ausbau der Erzeugung von Windkraft und Solarenergien und dem Anschluss der Parks an die Stromnetze ernten die Unternehmen allmählich die ersten Früchte ihrer Investitionen. Mittlerweile ist Eon an 10 Windparks auf See in Europa beteiligt und kommt weltweit auf eine Kapazität von 4000 Megawatt. Der Anteil der erneuerbaren Energien an der gesamten Stromerzeugung liegt derzeit bei rund 14 Prozent, bei RWE sind es mit 5 Prozent deutlich weniger.

Quelle: dpa

Die Gesamtzahl der „blauen Briefe“ an Stromabnehmer, die mit mindestens 100 Euro in Verzug waren, ging hingegen offenbar zurück: In den Berichten ist für 2014 von rund 6,3 Millionen Androhungen von Stromsperren die Rede. 2013 waren es noch knapp 7 Millionen.

Auf dem Gasmarkt drehten die Versorger nach Informationen der „FAZ“ in 46.500 Fällen den Hahn tatsächlich zu. Das würde innerhalb eines Jahres einen Anstieg um 600 Fälle oder 1,3 Prozent bedeuten. Binnen vier Jahren betrug die Zunahme laut „FAZ“ aber beinahe 40 Prozent. Laut früheren Behördenzahlen stiegen die Unterbrechungen in der Gasversorgung von rund 33 600 (2011) über gut 39.300 (2012) auf knapp 45.900 (2013) Fälle in den Vorjahren ebenfalls kontinuierlich an.

Ein Sprecher der Bundesnetzagentur wollte sich am Sonntag auf dpa-Anfrage zum neuen gemeinsamen „Monitoring-Bericht Energie“ mit dem Bundeskartellamt noch nicht äußern.

Von

dpa

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