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05.03.2013

18:34 Uhr

Renault-Chef Ghosn

„Es geht nur noch um schlecht oder sehr schlecht“

Gute Nachrichten hatte der Chef von Nissan-Renault nicht zu verkünden. Es gebe schlichtweg keine, so Carlos Ghosn. Doch allzu beunruhigt ist er nicht: Keine Regierung werde einen strauchelnden Autobauer fallen lassen.

Carlos Ghosn, Chef von Renault-Nissan. Reuters

Carlos Ghosn, Chef von Renault-Nissan.

GenfNissan-Renault-Chef Carlos Ghosn rechnet nicht damit, dass sich der europäische Automarkt schnell von seiner Absatzkrise erholt. Es gehe letztlich nur noch um die Frage, ob sich der Markt schlecht oder sehr schlecht entwickle, sagte Ghosn am Dienstag auf dem Genfer Autosalon. „Der europäische Automarkt wird noch eine ganze Weile lang schwierig bleiben - und zwar bis zum Jahr 2015/2016.“

Die meisten Autobauer hätten in Europa mit einem Absatzrückgang in Höhe von 3 bis 5 Prozent gerechnet - nach zwei Monaten 2013 sei der Markt nun allerdings bereits um 8 bis 9 Prozent eingebrochen. Es sei zwar noch zu früh, die Prognosen fürs laufende Jahr zurückzunehmen. Aber: „Es gibt keine guten Nachrichten“, sagte Ghosn.

Die zehn größten Autohersteller Europas 2012

Platz 10

Nissan

Verkaufte Fahrzeuge: 0,42 Millionen (-6,3 Prozent gegenüber Vorjahr)

Platz 9

Toyota

Verkaufte Fahrzeuge der Marken Toyota und Lexus: 0,5 Millionen (-3,1 Prozent gegenüber Vorjahr)

Platz 8

Daimler

Verkaufte Fahrzeuge der Marken Mercedes-Benz und Smart: 0,63 Millionen (-3 Prozent gegenüber Vorjahr)

Platz 7

BMW Gruppe

Verkaufte Fahrzeuge der Marken BMW und Mini: 0,77 Millionen (-1,8 Prozent gegenüber Vorjahr)

Platz 6

Fiat Gruppe

Verkaufte Fahrzeuge der Marken Fiat, Lancia/Chrysler, Alfa Romeo, Jeep: 0,78 Millionen (-16,1 Prozent gegenüber Vorjahr)

Platz 5

Ford

Verkaufte Fahrzeuge: 0,91 Millionen (-13,2 Prozent gegenüber Vorjahr)

Platz 4

General Motors

Verkaufte Fahrzeuge der Marken Opel, Vauxhall, Chevrolet, GM: 0,98 Millionen (-13,8 Prozent gegenüber Vorjahr)

Platz 3

Renault Gruppe

Verkaufte Fahrzeuge der Marken Renault, Dacia: 1,03 Millionen (-19,1 Prozent gegenüber Vorjahr)

Platz 2

PSA Gruppe

Verkaufte Fahrzeuge der Marken Peugeot und Citroën: 1,43 Millionen (-12,9 Prozent gegenüber Vorjahr)

Platz 1

Volkswagen

Verkaufte Fahrzeuge der Marken VW, Audi, Seat, Skoda: 2,98 Millionen (-1,6 Prozent gegenüber Vorjahr)

Quelle

Die Krise mit einbrechenden Autoverkäufen weite sich von den südlichen Ländern auf andere Märkte Europas aus. Dies liege vor allem an der Unsicherheit, die im Zuge der Euro-Schuldenkrise um sich gegriffen habe. Offen bleibe für viele Menschen vor allem die Frage, inwieweit sie von den teils drastischen Haushaltskürzungen mancher EU-Staaten betroffen seien und welche sozialen Konsequenzen diese nach sich zögen. „Diese Unsicherheit hält den europäischen Automarkt zurück“, sagte Ghosn.

Gleichwohl glaubt der Renault-Chef nicht daran, dass einer der großen Autohersteller wegen der Krise etwa in Folge einer Insolvenz vom Markt verschwinden wird. „Manche Autohersteller in Europa haben schwer zu kämpfen“, sagte Ghosn. „Doch keine betroffene Regierung wird einen strauchelnden Autobauer fallen lassen.“

Allianzen der Autobauer

Daimler/ Chrysler

In der Vergangenheit hatte vor allem die Achterbahnfahrt von Daimler und Chrysler lange für Schlagzeilen gesorgt. 1998 gaben die Daimler-Benz AG und Chrysler Corporation die Fusion zur DaimlerChrysler AG bekannt. Der damalige Daimler-Chef Jürgen Schrempp übernahm Chrysler für knapp 40 Milliarden Dollar. Doch das US-Unternehmen entpuppte sich als milliardenschwerer Sanierungsfall. 2007 wurde das Ende der Allianz besiegelt. Chrysler wird nun vom italienischen Autobauer Fiat kontrolliert.

BMW/ Rover

Auch BMW musste für die Übernahme der britischen Rover Lehrgeld zahlen. Der damalige Vorstandschef Bernd Pischetsrieder fädelte 1994 die Fusion ein. BMW zahlte zwei Milliarden DM und steckte erhebliche Summen in die Entwicklung neuer Modelle. Als diese sich nicht verkaufen ließen, stieg BMW 2000 wieder aus.

Renault/ Nissan

Segensreich für beide Partner war dagegen die Liaison des Renault-Konzerns mit dem japanischen Autobauer Nissan. 1999 wurde die französische Nummer zwei größter Anteilseigner bei Nissan und machte aus dem angeschlagenen Hersteller ein ertragreiches Unternehmen.

Renault-Nissan/ Daimler

Renault-Nissan verbündete sich 2010 zudem mit Daimler. Renault und Nissan halten 3,1 Prozent an Daimler und die Schwaben wiederum halten 3,1 Prozent an Renault und 3,1 Prozent an Nissan. Die zwei Seiten versorgen sich gegenseitig mit Antrieben und Antriebsteilen.

Volkswagen/ Porsche

Volkswagen konnte erst nach einem erbitterten Übernahme- Machtkampf mit Porsche das Rennen für sich entscheiden. Zwar ist eine geplante Fusion wegen milliardenschwerer Schadensersatzklagen geplatzt. VW will aber nun die Porsche AG - in der das Autogeschäft gebündelt ist - schrittweise übernehmen. Derzeit hält VW 49,9 Prozent Volkswagen baut sein Imperium mit Milliardeninvestitionen massiv aus.

Volkswagen/ Suzuki

Im Dezember 2009 beteiligte sich der VW-Konzern für 1,7 Milliarden Euro mit knapp 20 Prozent an Japans viertgrößtem Autobauer Suzuki. Mittlerweiler gibt es allerdings reichlich Ärger. Suzuki Motor will seine Kooperation mit Volkswagen nach Vorwürfen des gegenseitigen Vertragsbruchs beenden und den eigenen Anteil von rund 20 Prozent von VW zurückkaufen. Doch die Deutschen stellen sich quer. Im November haben die Japaner deswegen ein Schiedsgericht angerufen.

Dies habe die Insolvenz der Autobauer General Motors und Chrysler in den Vereinigten Staaten bewiesen. Bei beiden sei die amerikanische Regierung zu Hilfe geeilt. „Und aus dem gleichen Grund, nämlich um Arbeitsplätze zu retten, würde auch in Europa eine Regierung eingreifen. Egal, ob sie rechts ist oder links.“

Von

dpa

Kommentare (1)

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DEUFRA2011

05.03.2013, 19:01 Uhr

Solange die Deutschen über den Euro dafür sorgen dass Staaten wie Frankreich und Italien marode Industrien auffangen können mag er Recht haben. Jetzt haben wir ja schon eine Jobgarantie für unter 25 - jährige. Auch so kann man sein Probleme lösen. Die Deutschen sollen schon mal die Geldbörse rausholen!

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