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12.09.2013

19:33 Uhr

Renault-Dacia-Chef Schaible

„Wir wollen immer die Günstigsten sein“

VonLukas Bay

Der rumänische Billighersteller Dacia gewinnt in Deutschland immer mehr Käufer. Im Interview spricht Achim Schaible, Chef von Renault und Dacia in Deutschland über die Wachstumspläne und neue Konkurrenz.

Renault- und Dacia-Deutschlandchef Achim Schaible: „Dacia ist ein Low-Cost-Produkt vom Reißbrett bis zum Endkunden“. PR

Renault- und Dacia-Deutschlandchef Achim Schaible: „Dacia ist ein Low-Cost-Produkt vom Reißbrett bis zum Endkunden“.

Handelsblatt Online: Keine Automarke in Europa wächst derzeit schneller als Dacia. Sind Sie überrascht, dass Sie immer noch keine Konkurrenz in ihrem Segment haben?

Achim Schaible: Wir sind nicht überrascht, dass wir noch konkurrenzlos sind, weil dieses Konzept der Marke Dacia, wie wir es in Deutschland betreiben, nicht so einfach zu kopieren ist. Dacia ist ein Low-Cost-Produkt vom Reißbrett bis zum Endkunden. Darüber hinaus machen wir keine Versprechungen, die das Produkt oder die Marke nicht halten können. Wir bieten im jeweiligen Fahrzeugsegment immer das günstigste Fahrzeug an.

Daran wollen Sie festhalten, auch wenn neue Wettbewerber wie der chinesische Hersteller Qoros oder eine eventuelle Billigmarke von VW Sie herausfordern sollten?

Auf jeden Fall. Wir waren der erste Anbieter, der dieses Marktsegment besetzt hat. Wir haben auch die Marke parallel dazu entwickelt. Wir werden jetzt einfach mal beobachten, wie der Wettbewerb dieses Thema angeht. Wir werden sehen, mit welchen Produkten die Konkurrenz auf den Markt tritt.

Andere Fahrzeuge wie die A-Klasse von Daimler sind mit dem gleichen Motor unterwegs – verlangen aber ein Vielfaches des Preises. Verkauft die Konkurrenz ihre Neuwagen zu teuer?

Das würde ich so nicht sagen. Natürlich ist der Motor eine essentielle Komponente. Dennoch: Dacia ist die Konzentration auf das Wesentliche. Die Produkte des Wettbewerbs sind anders positioniert und sprechen eine andere Zielgruppe an.

Die meistverkauften Modelle von Renault (Stand: 1 HJ 2013)

Platz 10

Trafic - 31.434 verkaufte Fahrzeuge

Der Kleintransporter, der in Kooperation mit GM hergestellt wird, ist mittlerweile schon ein bisschen in die Jahre gekommen. Im ersten Halbjahr sank der Absatz des Modells um 14,1 Prozent.

Platz 9

Master - 31.434 verkaufte Fahrzeuge

Auch der Sprinter-Konkurrent stammt aus der Gemeinschaftsproduktion mit GM. Doch in der Wirtschaftskrise schrumpft die Nachfrage nach Transportern, insgesamt sank der Absatz im ersten Halbjahr um 7,9 Prozent.

Platz 8

Twingo - 46.880 verkaufte Fahrzeuge

Anfang 2012 kam eine überarbeitete Version des Kleinstwagens auf den Markt. In der Verkaufsstatistik ist das Modell im ersten Halbjahr um satte 23,1 Prozent abgestürzt.

Platz 7

Fluence - 64.432 verkaufte Fahrzeuge

Wegen geringer Nachfrage wurde der Verkauf der Stufenhecklimousine in Deutschland Mitte 2012 eingestellt. Mittlerweile ist nur noch die Elektroversion erhältlich. Weltweit verkauft sich das Modell um 4,9 Prozent schlechter.

Platz 6

Kangoo - 69.789 verkaufte Fahrzeuge

Der Hochdachkombi galt in seinem Segment lange als führend. Doch die Verkaufsstatistik nährt Zweifel, dass die besten Jahre vorbei sein könnten: Der Verkauf knickte im erste Halbjahr um mehr als ein Viertel (minus 25,3 Prozent) ein.

Platz 5

Logan - 130.897 verkaufte Fahrzeuge

Das einstige 5000-Euro-Auto machte als Preisbrecher Furore und wird in Deutschland meist als Lastvariante MCV verkauft. Doch auch das rumänische Billigmodell verkaufte sich im ersten Halbjahr 24,6 Prozent schlechter.

Platz 4

Sandero - 159.065 verkaufte Fahrzeuge

Das Kompaktmodell der rumänischen Tochter basiert auf dem Clio und verkauft sich derzeit weltweit blendend. Die Verkäufe legten um 5,2 Prozent zu.

Platz 3

Mégane / Scénic - 159.065 verkaufte Fahrzeuge

Die Modellfamilie mit dem französischen Frauennamen wird kleiner. Die Stufenhecklimousine musste dem Fluence weichen. Insgesamt sinken die Verkäufe der Mégane-Familie um 25,7 Prozent.

Platz 2

Duster - 188.868 verkaufte Fahrzeuge

Seit 2010 mischt der Mini-SUV der rumänischen Tochter Dacia den europäischen Markt auf. Das Absatzwachstum ist rasant: Allein im ersten Halbjahr zogen die Verkäufe um 49,7 Prozent an. Nur ein Modell ist noch wichtiger für Renault.

Platz 1

Clio - 243.389 verkaufte Fahrzeuge

Die vierte Generation des Kleinwagens rollt erst seit November 2012 vom Band. Das gibt der Nachfrage einen zusätzlichen Schub. Der Verkäufe im ersten Halbjahr ziehen um 26,4 Prozent an.

Worin unterscheidet sich ihre Zielgruppe?

Natürlich kommen wir einem Trend in der Gesellschaft entgegen: Es gibt immer mehr Menschen, denen der Status, den ein Fahrzeug verkörpert, nicht mehr so wichtig ist, sondern die einfach auf Mobilität Wert legen, um von A nach B zu kommen. Da tritt das Statussymbol Auto in den Hintergrund. Genau dieses Bedürfnis des Kunden trifft die Marke Dacia.

Und damit lässt sich eine ausreichende Marge erzielen?

Das Entscheidende ist, dass das Auto wirklich als Low-Cost-Produkt konzipiert ist. Dann lässt sich damit auch Geld verdienen, und das gelingt uns im Renault-Konzern. Natürlich erschließen wir damit neue Kunden in den Wachstumsregionen der Welt, aber auch in Europa oder Deutschland.

Viele Konkurrenten steigern die Marge auch durch Sonderausstattungen. Sie auch?

Auch unsere Zusatzangebote werden angenommen. Die reine Basisvariante verkaufen wir nur selten. Auf Elemente, die einen gewissen Komfort bieten, wollen unsere Kunden nicht verzichten, wie beispielsweise elektronische Fensterheber, Klimaanlage oder ein Navigationssystem. Das ist aber immer die Wahl des Kunden.

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