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24.01.2010

10:00 Uhr

Renault

Frankreichs Autobauer verlieren ihren Glanz

VonHolger Alich

Renault und PSA Peugeot Citroën sind die Gewinner der Abwrackprämie, bauen aber immer weniger Autos im heimischen Frankreich. Mit Milliardenkrediten hatte Präsident Sarkozy zuletzt versucht, die leise Flucht der Autohersteller aufzuhalten. Ohne Erfolg: Frankreichs Autobauer zieht es weiter ins Ausland - und der Präsident fühlt sich betrogen.

Alte Zeiten: Der Citroën DS wurde noch in Frankreich gefertigt. dpa

Alte Zeiten: Der Citroën DS wurde noch in Frankreich gefertigt.

PARIS. Frankreichs Regierung bläst derzeit medienträchtig die Backen auf im Streit um die heimische Autoproduktion: "Wir haben unseren Herstellern nicht derart viel Geld gegeben, damit alle Fabriken ins Ausland abwandern", schimpfte Staatschef Nicolas Sarkozy vor seinen Parlamentsabgeordneten unter Beifall. Für Samstag hat er Renault-Chef Carlos Ghosn zum Rapport einbestellt. Anlass der Aufregung sind die Überlegungen des Renault-Managements, die nächste Version des Bestsellers Clio im türkischen Werk in Bursa fertigen zu lassen. Dabei laufen in der Türkei schon jetzt mehr Clios vom Band als im französischen Renault-Werk in Flins.

Die Polemik wirft ein Schlaglicht auf die Autoproduktion auf französischem Boden. Sie ist seit Jahren rückläufig. Renault und PSA Peugeot Citroën fertigen ihre Autos zunehmend im billigeren Ausland, etwa in Rumänien, Tschechien oder der Türkei. Und nichts deutet darauf hin, dass sich dieser Trend wieder umkehren könnte.

An dieser Entwicklung haben auch die Abwrackprämien in Europa nichts geändert. Dabei zählen Frankreichs Hersteller Renault und PSA Peugeot Citroën zu den Hauptgewinnern der Absatzsubventionen. So stieg der Marktanteil von Peugeot und Citroën in Deutschland im vergangenen Jahr um 0,6 Punkte auf 6,3 Prozent. Und Renault mit Tochter Dacia legte gar einen ganzen Punkt auf sechs Prozent zu.

Nach Angaben des französischen Verbandes der Autoindustrie CCFA ist aber die Produktion auf französischem Boden in den ersten neun Monaten des vergangenen Jahres um gut 28 Prozent zurückgegangen. Nimmt man die Produktion von leichten Nutzfahrzeugen hinzu, ergibt sich gar ein Minus von 32,5 Prozent. Zum Vergleich: In Deutschland ist 2009 die Autoproduktion auf heimischem Grund laut Branchenverband VDA nur um zehn Prozent gesunken.

Für das Phänomen gibt es zwei einfache Erklärungen. Zum einen findet das Wachstum im Autoabsatz außerhalb Europas statt. "Rund 80 Prozent des Absatzwachstums wird in den kommenden Jahren aus Asien kommen", sagt zum Beispiel PSA-Chef Philippe Varin. Es hat aber keinen Sinn, Autos aus Frankreich in ferne Wachstumsmärkte wie China zu verschiffen. Die Hersteller müssen mit eigener Produktion vor Ort präsent sein.

Zum zweiten hat der Standort Frankreich ein Kostenproblem. "Es ist gut, in Frankreich Autos mit hoher Wertschöpfung zu produzieren. Schwierig wird es bei Autos der Einstiegsklasse", sagte Patrick Pelata, die Nummer zwei von Renault. Renault-Chef Ghosn hat einmal kühl vorgerechnet, dass der Bau eines Clio in Frankreich rund 1 400 Euro pro Auto mehr koste als die Fertigung in der Türkei. Nicolas Bouzou, Ökonom der Beratungs-Kabinetts Asterès, warnt daher: "Wegen der hohen Abgabenlast ist die Autoproduktion in Frankreich immer weniger wettbewerbsfähig." Für Renault, Peugeot und Schwester Citroën sei das Problem besonders gravierend, denn die französischen Hersteller seien nunmal primär im Kleinwagen-Segment stark vertreten, wo es besonders auf geringe Kosten ankomme.

Kommentare (3)

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aruba

24.01.2010, 12:16 Uhr

Guten Tag,.....Glanz, na das muss aber lange her sei. Diese Rostlauben die von zu Tode gemobbten Arbeitern zusammengenagelt werden sind ein Schandfleck auf er eh schon schmutzigen Weste der" Grande Nation". Die Zeit wo Citroen einen SM ( todkranker Maserati-motor ) aber wunderschoen baute haben noch einmal aufgeflackert beim neuen C 6 .Aber seien wir ehrlich, der Franzose pflegt seinen Muelleimer besser als sein Auto. Fuer die langt es allemal. besten Dank.

BackermeisterBullerjahn

24.01.2010, 12:37 Uhr

@ aruba
"Aber seien wir ehrlich, der Franzose pflegt seinen Muelleimer besser als sein Auto."
Vielleicht ist das richtig. Das ist der grundlegende Unterschied der Mentalitäten. Für die meisten Franzosen ist das Auto ein Gebrauchsgut, für viele Deutsche ein Statussymbol, sonst würden hier nicht so viele dicke Geländewagen herumfahren, die von den Wenigsten gebraucht werden (:-)).

meri

24.01.2010, 13:49 Uhr

Ob der Franzose (@aruba) "seinen Mülleimer besser pflegt als sein Auto" weiss ich nicht ... aber ich traf auf einem Rollertreff auch jemanden aus dem Großraum Paris und in Frankreich geht es durchaus ruppig zu. Daher muss man Kratzern und kleinen beulen gegenüber etwas flexibel sein; bei Rollern muss auch alles zusätzlich angschraubt oder individualisiert werden, um es nicht in EbAY wieder suchen zu müssen. und die Deutschen: kriegen schon eine Krise, wenn auf dem Supermarktparkplatz die Türe extrem vorsichtig geöffnet wird und das Nebenfahrzeug berührt wird. Der darin Sitzende bekommt sofort Herzprobleme wenn sein Allerheiligstes berührt wird.

Die Richtung des französischen Präsidenten stimmt allerdings, nur ... ist nun einmal die EU ein Markt und wenn der CLiO in der Türkei für 1.400 € günstiger produziert werden kann, als in Frankreich, so rechnet es sich RENAULT sofort in einer positivieren Gewinnmarge aus. Das ist nun einmal so. Will der fransösische Präsident wirklich mehr Arbeitsplätze in Frankreich halten, muss er die Anreizsysteme ändern. Die Anreizsysteme müssen in Verträge mit Autoherstellern münden und nicht so verallgemeinert werden, dass sich man nicht daran halten braucht.

Unternehmen denken in der Natur der Sache quartals und jahresbezogen ... daran werden sie durch ihre Aktionäre bemessen. Staaten denken, in der Theorie jedenfalls, volkswirtschaftlicher. Falsch läüft bislang, dass Unternehmen die im Land produzieren nicht mehr Entgegenkommen gezeigt wird. Der Staat zeigt nur ein mittelmäßiges interesse Arbeitsplätze im Land zu halten, aber ein hohes interesse am Verkauf der Waren im Land (Mehrwertsteuer) beteiligt zu werden. So stirbt die industrie und mit der industrie ein Dienstleistungscluster mit ... Lohnniveaus rutschen ab, billigdienstleistungen nehmen zu. Der Staat bleibt auf seinen überbezahlten beamten und den hohen Staatsrentenzahlungen im wahrsten Sinne des Wortes sitzen und versteht es nicht.

industrien stehen nun einmal in einem weltweiten Wettbewerb; will er diese beschäftigungscluster im Land halten, kann er nicht alles mögliche auch auf die industrie abwälzen, was Arbeitsplätze im Erhalt und Einrichtung verteuert. An chinesische Stundenlöhne kann und wird man sich nie orientieren, aber man kann versuchen in den restlichen Punkten zu trumpfen. Der französche Staat muss irgendwann entscheiden, eine Art "Autofertigungszonen" in Frankreich (für D gilt es ähnlich) zu errichten, die steuerlich frei sind (incl. Mitarbeiterbesteuerungen), um noch industrielle Fertigung in Frankreich halten zu können ! Autos sind nun einmal globale Produkte und immer mehr Staaten werden durch einen hochschnellen Technologietransfer in die Lage versetzt Autofabriken zu betreiben. Autos sind mehr und mehr eine freiverfügbare Massenware.

Frankreich muss hier seinen eigenen Weg finden und die EU muss den Mitgliedstaaten das Recht zusprechen, eigene Wege gehen zu dürfen.

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