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10.02.2017

16:01 Uhr

Renault macht Rekordgewinn

Carlos Ghosn in der Form seines Lebens

VonThomas Hanke

Carlos Ghosn blickt auf ein Rekordjahr zurück. Der französische Multi-Chef hat Renault zu einem schlagkräftigen Konzern umgebaut und verfolgt ehrgeizige Pläne – das soll auch Volkswagen zu spüren bekommen.

„Ich muss Ihnen ja nicht sagen, wie rentabel der chinesische Markt ist.“ Reuters, Sascha Rheker

Carlos Ghosn

„Ich muss Ihnen ja nicht sagen, wie rentabel der chinesische Markt ist.“

Boulogne-BillancourtCarlos Ghosn sammelt Autohersteller wie andere Leute Briefmarken. Nach Renault, Nissan und Avtovaz hat er im vergangenen Jahr Mitsubishi seiner Kollektion hinzugefügt. Wo andere schon mit einem Unternehmen überfordert sind, scheint der in Brasilien geborene Libanese mit französischem Pass durch den Stress des Lebens und Managens auf verschiedenen Kontinenten erst richtig aufzublühen. 2016 hat Renault den Gewinn auf 3,3 Milliarden Euro und die Umsatzmarge der Gruppe auf 6,4 Prozent gesteigert. Allein in der Autoproduktion sind es 4,9 Prozent, im zweiten Halbjahr bereits 5,1 Prozent.

„Das sind historische Werte“, sagte Ghosn am Freitag bei der Pressekonferenz am Unternehmenssitz in Boulogne-Billancourt. Es kommt bei ihm ohne jeden Triumphalismus rüber. Er spricht in demselben sachlichen Ton, in dem er auch auf kritische Fragen schnell und direkt antwortet. Mit 62 Jahren ist er noch voll da, und er hat weitere große Pläne.

Renault: SUV-Offensive führt zu Rekordgewinn

Renault

SUV-Offensive führt zu Rekordgewinn

Der SUV-Boom hat Renault 2016 einen kräftigen Schub verschafft. Der Umsatz stieg um 13 Prozent, das Betriebsergebnis erreichte mit 3,3 Milliarden Euro einen neuen Rekord. Das Management sieht noch mehr Potenzial.

„Nur noch 340.000 Autos trennen uns vom Marktführer.“ Gemeint ist Volkswagen. Wenn man Nissan, Renault und Mitsubishi zusammenrechnet, rückt „die Allianz“, wie man das komplizierte Konglomerat in Frankreich nennt, tatsächlich eng an den Spitzenreiter heran. Und Ghosn fügt hinzu, dass man ja eigentlich die Lastwagen herausrechnen müsse – dann sehe das Bild anders aus.

Ganz eng an Volkswagen dran ist Renault allerdings auch in Sachen Dieselskandal. Die Franzosen haben ihre eigene Affäre mit überhöhten Emissionen unter realen Fahrbedingungen, deshalb ermittelt die französische Justiz. Ghosn nimmt es locker: „Gegen Fiat, PSA und VW ermittelt sie ja auch, wir sind also vier im Club“. Rückstellungen hat er trotzdem nicht gebildet, „das kann ich nicht einmal, selbst wenn ich wollte“, denn die Motoren seien ja völlig in Ordnung und „getrickst haben wir nicht.“ Die oft streitlustig funkelnden Augen des Managers nehmen dabei einen ganz treuherzigen Ausdruck an.

Was den Renault-Teil der Allianz angeht, soll der Umsatz in sechs Jahren 70 Milliarden Euro erreichen, das wären rund 37 Prozent mehr als heute. Den Wandel vom eher leidenden Hersteller, der den größten Teil seines Gewinns aus nur einer Modellreihe bezog, dem Scénic, zu einem profitablen Unternehmen haben Ghosn und seine Mannschaft mehreren Faktoren zu verdanken.

Der erste ist ganz schlicht: Renault baut wieder Autos, die bei den Kunden ankommen. 32 neue Modelle wurden lanciert. Cactus, Clio, der SUV Kadjar verkaufen sich gut, der Duster von Dacia ist ein Publikumsliebling und sogar in der Oberklasse nimmt Renault Witterung auf, mit der Limousine Talisman und dem stärker auf SUV getrimmten neuen Espace.

Bei Elektroautos ist Renault-Nissan Weltmarktführer. Das macht sich noch nicht in riesigen Stückzahlen bemerkbar, aber wenn der Markt irgendwann abgehen sollte, ist die Marke mit dem Rhombus am Bug gut positioniert. „Alle Modelle sind profitabel“, teilte Ghosn zufrieden mit, das gelte auch für die Stromer, „wenn man hier nicht alle Investitionen einrechnet.“

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