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05.03.2011

15:10 Uhr

Renault

Massive Zweifel an Spionageaffäre

In Frankreich mehren sich Zweifel an der angeblichen Spionage-Affäre bei Renault. Das Unternehmen könnte einer Lügengeschichte auf den Leim gegangen sein. Frankreichs Regierung ist erbost.

Renault-Zentrale in Pairs. An der angeblichen Industriespionage gibt es inzwischen starke Zweifel. Quelle: Reuters

Renault-Zentrale in Pairs. An der angeblichen Industriespionage gibt es inzwischen starke Zweifel.

ParisRenault-Mitarbeiter sollen Details über den Bau von Elektroautos gegen saftige Honorare auf Schweizer Konten an die Konkurrenz aus China weitergegeben haben. Doch nach Informationen von „Le Monde“ existieren die angeblichen Schweizer Konten gar nicht. „Die Beweislage wird jeden Tag dünner“, resümierte die Zeitung. Vize-Renault-Chef Patrick Pélata schließt mittlerweile nicht aus, dass das Unternehmen auf eine Lügengeschichte reingefallen sein könnte. „Wenn es kein Fall von Spionage war, dann werde ich die Konsequenzen daraus ziehen“, sagte er dem „Figaro“. Sollte dies tatsächlich der Fall sein, würde den in der Affäre geschassten Mitarbeitern die Rückkehr zu Renault ermöglicht, erklärte das Management.

Renault hatte drei ranghohe Führungskräfte verdächtigt, strategische Informationen illegal weitergegeben zu haben. Die drei wurden Mitte Januar entlassen, das Unternehmen erstattete Anzeige gegen Unbekannt. Industrieminister Eric Besson wähnte schon einen „Wirtschaftskrieg“ und verärgerte damit wiederum die Regierung in Peking.

Regierung erbost über Renault wegen angeblicher Spionage-Affäre

Zuvor zog der Autohersteller wegen der angeblichen Spionage-Affäre den offenen Zorn der französischen Regierung auf sich. Wirtschaftsministerin Christine Lagarde drohte Renault am Freitag mit Konsequenzen, sollte sich herausstellen, dass die Spionage-Vorwürfe gegen Mitarbeiter aus der Luft gegriffen seien. „Was heute zählt, ist die Wahrheit ans Licht zu bringen“, sagte die Ministerin in einem Interview des Radiosenders RMC.

Wenn sich der Verdacht als unbegründet erweise, müsse das Vertrauen wiederhergestellt und Schadenersatz gezahlt werden. Der französische Staat hält einen 15-prozentigen Anteil an Renault.

Der Fall hatte das Verhältnis zwischen Renault und der französischen Regierung erheblich belastet, zumal der Autobauer die Spionagevermutungen zunächst für sich behalten und eigene Untersuchungen eingeleitet hatte. Zudem kam es zu diplomatischen Verwicklungen, nachdem aus Regierungskreisen verlautete, die Behörden verfolgten in der Affäre eine Spur nach China.

Der Autobauer war im vergangenen August durch einen anonymen Brief gewarnt worden und hatte daraufhin Privatdetektive eingesetzt. Diese ermittelten die Existenz von drei Konten in der Schweiz und in Liechtenstein. Die drei Verdächtigen verklagten ihrerseits ihren ehemaligen Arbeitgeber wegen Diffamierung. Sie hätten von den konkreten Vorwürfen erst im Nachhinein aus den Medien erfahren, berichtete „Le Monde“.

Renault setzt große Hoffnungen in das Geschäft mit Elektrofahrzeugen und hat zusammen mit seinem japanischen Schwesterkonzern Nissan bereits rund vier Milliarden Euro investiert.

In diesem und kommendem Jahr will Renault vier Elektroautos auf den Markt bringen. Derzeit sind mehr als 100 Patente angemeldet.

Kommentare (1)

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Revision

05.03.2011, 20:15 Uhr

gerade die Franzosen sollten sich ueber Wirtschaftsspionage aufregen und sogar mit Wirtschaftskrieg drohen. Als unser grosser Freund und Partner betreiben die Franzosen massive Industriespionage in Deutschland. In der Hinsicht sind die Franzosen die Nummer 1 in Deutschland.

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