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05.07.2016

16:45 Uhr

Renault-Nissan

Auf in den Zehn-Millionen-Club

VonMartin Kölling

Renault und Nissan leben in wilder Ehe. Nun verstärken die beiden Autobauer ihre Zusammenarbeit, um mehr Geld zu sparen. Dabei setzt das Duo auf eine aggressive Gleichteilestrategie und die Lokalisierung der Produktion.

Das Unternehmen stellt Hunderttausende Autos in seinem Werk in Sunderland her und exportiert drei Viertel davon nach Europa. Reuters

Nissan-Werk in Sunderland

Das Unternehmen stellt Hunderttausende Autos in seinem Werk in Sunderland her und exportiert drei Viertel davon nach Europa.

TokioAls Senior Vice President der Autobauer-Allianz Renault-Nissan jettet Arnaud Deboeuf normalerweise um die Welt. Doch an diesem Montag kommt er zu Fuß zu einem Gespräch mit japanischen Journalisten in das Nissan-Hauptquartier in Yokohama. Die Anwesenden ahnen seine Schritte. Dann hören sie, wie er die Tür zu einem kahlen Videokonferenzraum in Paris aufschließt. Und schon prangt sein Gesicht auf dem Bildschirm in Yokohama, überlebensgroß und ohne Schlips.

Irgendwie ist das Setting passend für das Thema des Tages: die Synergien der einmaligen eurasischen Allianz, die ein Alternativmodell für die Konsolidierung der Autoindustrie darstellt. Seit 17 Jahren leben die beiden Firmen quasi in wilder Ehe. Sie sind aneinander beteiligt, aber weder rechtlich verschmolzen noch unter einer Holding kombiniert.

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Das ist mutig: Nissans kaum bekannte Edeltochter Infiniti wagt sich mit dem Q30 in die hart umkämpfte „Golf-Klasse“. Kann der Japaner auf Basis der A-Klasse mit viel Gefühl für Design und feinen Details überzeugen?

Carlos Ghosn, der Doppelchef von Renault und Nissan, weist immer wieder darauf hin, dass der Versuch besser läuft als die meisten Fusionen. Und wenn es um die Größe geht, ist das wirklich nicht mehr zu übersehen. Das französisch-japanische Duo schickt sich an, in den Club der 10-Millionen-Hersteller vorzustoßen, also mit Volkswagen, Toyota und General Motors um die Krone als größter Hersteller der Welt zu streiten.

Schon heute setzen die beiden zusammen mit der russischen Avtovaz 8,5 Millionen Autos ab. Wenn nun auch noch Mitsubishi Motor (MMC) wie geplant als nächster börsennotierter Hersteller dazu stoßen wird, sind es über eine Million Autos mehr.

Nun soll der zweite Schritt folgen: Auch in Sachen Profitabilität will Carlos Ghosn in der Weltspitze mitreden. Und die Einsparungseffekte der Allianz sollen dabei eine große Rolle spielen.

Beliebteste Autoklassen bei Privatkäufern

Kompaktklasse nur noch knapp vor SUV

Wer sein Auto selbst zahlt, kauft besonders gern ein SUV. Rund jeder vierte auf eine Privatperson zugelassene Neuwagen war 2015 einer der modischen Crossover. Der Kompaktklasse – seit Jahrzehnten Spitzenreiter in der Beliebtheit – droht Rang zwei. Eine Übersicht der beliebtesten Pkw-Segmente bei privaten Neuwagenkäufern ....

Rang 6

Die Mittelklasse – im Gesamtmarkt immerhin auf Rang vier der beliebtesten Klasse – kommt bei den Privatkunden erst auf Platz sechs. Gerade mal 18,9 Prozent der Halter im Segment von VW Passat und Co. sind natürliche Personen aus Fleisch und Blut. Geringer ist die Quote nur in der oberen Mittelklasse (17,3 Prozent) und in der Oberklasse (13,8 Prozent).

Insgesamt wurden im vergangenen Jahr rund 1,1 Millionen Neuwagen auf Privatpersonen zugelassen. Das entspricht einem Anteil von 34,2 Prozent am Gesamtmarkt von 3,2 Millionen Pkw.

Rang 5

Vans fand 2015 genau 84.631 Privatkunden: Bei den prototypischen Familienautos hätte man vielleicht einen höheren Privatkundenanteil als mäßige 32 Prozent erwarten können. Aber für junge Familien sind die praktischen Pampers-Bomber als Neuwagen häufig zu teuer, sind die Kinder größer und die Festgeldkonten voller, fährt man häufig lieber Limousine oder SUV als einen klobigen Van.

Ein einziges Modell fällt aus dem Rahmen: der sehr günstige Dacia Lodgy (ab 9.990 Euro) mit fast 80 Prozent Privatkunden – was die oben aufgeführte These letztlich stützt.

Rang 4

Kleinstwagen mit 89.317 Privatkunden: Lediglich jeder dritte Kleinstwagenkäufer bestellt das Fahrzeug auf eigene Rechnung. Größer ist der Anteil bei den besonders preisgünstigen Modellen.

So lassen beispielsweise rund 70 Prozent der Käufer eines Suzuki Celerio (zurzeit ab 9.690 Euro, 2015 zwischenzeitlich aber auch mal unter 7.000 Euro) das Fahrzeug privat zu.

Bei teureren Lifestyle-Modellen wie dem Fiat 500 oder dem Opel Adam ist das Verhältnis umgedreht.

Rang 3

Kleinwagen, 208.053 Privatkunden: Die Kleinwagen-Klasse ist ein typisches Privatkundensegment. Als Dienstwagen-Bonbon für das mittlere Management tendenziell zu klein, als Arbeitsgerät für Pizza-Kuriere tendenziell zu groß. Resultat ist ein weit überdurchschnittlicher Privatkundenanteil von 44 Prozent.

Rang 2

SUV, mit 253.186 Privatkunden in 2015: Während die SUV im Gesamtmarkt noch knapp eine Viertelmillion Neuzulassungen hinter der Kompaktklasse liegen, haben die Crossover auf dem privaten Markt schon ziemlich aufgeholt.

Der Privatkäuferanteil von 42 Prozent ist in der Statistik des Kraftfahrt-Bundesamtes (KBA) der höchste hinter Wohnmobilen (64 Prozent) und Kleinwagen (44 Prozent).

Rang 1

Kompaktklasse (292.597 Privatkunden): Immer noch das populärste Fahrzeugsegment der Deutschen, auf dem Privatkundenmarkt aber zunehmend unter Druck (siehe Rang zwei). Rund 65 Prozent der 2015 neu zugelassenen Fahrzeuge sind auf eine Firma angemeldet.

Vor allem die deutschen Hersteller engagieren sich stark im Flottenmarkt, beim VW Golf geht nicht einmal jedes dritte Auto an eine Privatperson.

Mit 4,3 Milliarden Euro habe die Allianz das von Ghosn gesteckte Ziel ein Jahr früher als versprochen erreicht, feiert Deboeuf den Etappensieg. 1,8 Milliarden Euro der Einsparungen entfallen auf Renault, 2,5 Milliarden Euro auf Nissan.

Doch dies ist erst der Anfang. „Der CEO hat uns ein neues Ziel gesetzt“, sagt Deboeuf. Bis 2018 sollen die Synergieeffekte die Bilanzen beider Hersteller um 5,5 Milliarden Euro entlasten. Und dabei seien zusätzliche Synergien mit Mitsubishi noch nicht eingerechnet. Nissan führt noch eine Machbarkeitsstudie durch, bevor der Konzern 34 Prozent des durch einen Skandal um geschönte Verbrauchsmessungen erschütterten Kleinwagen- und SUV-Hersteller übernehmen wird.

Kommentare (1)

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Frau Pia Paff

05.07.2016, 17:02 Uhr

Gleichteilstrategie ... da sind die aber mächtig spät dran. Das macht der VW Konzern schon seit über 15 Jahren.

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