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12.09.2013

19:34 Uhr

Renault-Tochter Dacia

Der unheimliche Erfolg des Billigheimers

VonLukas Bay

Keine Automarke in Europa wächst derzeit schneller als die rumänische Renault-Tochter Dacia. Andere Hersteller meiden das Billigsegment bisher. Warum niemand den Rumänen die Stirn bietet.

Verkaufsschlager Dacia Duster: Zur IAA haben die Rumänen eine überarbeitete Version mitgebracht. © Dacia

Verkaufsschlager Dacia Duster: Zur IAA haben die Rumänen eine überarbeitete Version mitgebracht.

FrankfurtDie derzeit erfolgreichste Automarke Europas hat auch in Frankfurt einen bescheidenen Auftritt gewählt. Der Stand von Dacia ist in schlichtem blau-weiß gehalten, die Inszenierung der Fahrzeuge ist im Gegensatz zur Konzernmutter Renault geradezu spartanisch. Das verwundert nicht: Bescheidenheit gehört für die Billigtochter zum Markenkern. Die Rumänen verfolgen eine einfache Strategie: Ihre Modelle sollen in ihrer jeweiligen Klasse das günstigste Fahrzeug sein.

Vom Kleinwagen Sandero, der ab 6.990 Euro angeboten wird, bis hin zum SUV Duster, der ab 10.490 Euro zu haben ist: die Preise der Rumänen sind nicht weniger als eine Kampfansage. Und die Billigautos, die kein Statussymbol mehr sein wollen, brechen in Europa derzeit alle Verkaufsrekorde. Allein im ersten Halbjahr 2013 setzte Dacia weltweit 211.400 Fahrzeuge ab – 16,5 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Im schwierigen europäischen Markt fällt das Wachstum sogar noch stärker aus: Mit 142.800 verkauften Fahrzeugen wuchs der Dacia um satte 18,1 Prozent und damit stärker jede andere Automarke in Europa.

Die meistverkauften Modelle von Renault (Stand: 1 HJ 2013)

Platz 10

Trafic - 31.434 verkaufte Fahrzeuge

Der Kleintransporter, der in Kooperation mit GM hergestellt wird, ist mittlerweile schon ein bisschen in die Jahre gekommen. Im ersten Halbjahr sank der Absatz des Modells um 14,1 Prozent.

Platz 9

Master - 31.434 verkaufte Fahrzeuge

Auch der Sprinter-Konkurrent stammt aus der Gemeinschaftsproduktion mit GM. Doch in der Wirtschaftskrise schrumpft die Nachfrage nach Transportern, insgesamt sank der Absatz im ersten Halbjahr um 7,9 Prozent.

Platz 8

Twingo - 46.880 verkaufte Fahrzeuge

Anfang 2012 kam eine überarbeitete Version des Kleinstwagens auf den Markt. In der Verkaufsstatistik ist das Modell im ersten Halbjahr um satte 23,1 Prozent abgestürzt.

Platz 7

Fluence - 64.432 verkaufte Fahrzeuge

Wegen geringer Nachfrage wurde der Verkauf der Stufenhecklimousine in Deutschland Mitte 2012 eingestellt. Mittlerweile ist nur noch die Elektroversion erhältlich. Weltweit verkauft sich das Modell um 4,9 Prozent schlechter.

Platz 6

Kangoo - 69.789 verkaufte Fahrzeuge

Der Hochdachkombi galt in seinem Segment lange als führend. Doch die Verkaufsstatistik nährt Zweifel, dass die besten Jahre vorbei sein könnten: Der Verkauf knickte im erste Halbjahr um mehr als ein Viertel (minus 25,3 Prozent) ein.

Platz 5

Logan - 130.897 verkaufte Fahrzeuge

Das einstige 5000-Euro-Auto machte als Preisbrecher Furore und wird in Deutschland meist als Lastvariante MCV verkauft. Doch auch das rumänische Billigmodell verkaufte sich im ersten Halbjahr 24,6 Prozent schlechter.

Platz 4

Sandero - 159.065 verkaufte Fahrzeuge

Das Kompaktmodell der rumänischen Tochter basiert auf dem Clio und verkauft sich derzeit weltweit blendend. Die Verkäufe legten um 5,2 Prozent zu.

Platz 3

Mégane / Scénic - 159.065 verkaufte Fahrzeuge

Die Modellfamilie mit dem französischen Frauennamen wird kleiner. Die Stufenhecklimousine musste dem Fluence weichen. Insgesamt sinken die Verkäufe der Mégane-Familie um 25,7 Prozent.

Platz 2

Duster - 188.868 verkaufte Fahrzeuge

Seit 2010 mischt der Mini-SUV der rumänischen Tochter Dacia den europäischen Markt auf. Das Absatzwachstum ist rasant: Allein im ersten Halbjahr zogen die Verkäufe um 49,7 Prozent an. Nur ein Modell ist noch wichtiger für Renault.

Platz 1

Clio - 243.389 verkaufte Fahrzeuge

Die vierte Generation des Kleinwagens rollt erst seit November 2012 vom Band. Das gibt der Nachfrage einen zusätzlichen Schub. Der Verkäufe im ersten Halbjahr ziehen um 26,4 Prozent an.

Dabei beteiligt sich die Billigtochter von Renault nicht einmal an der Rabattschlacht auf dem europäischen Automarkt. „Unsere Kunden wissen, dass sie das günstigste Angebot bekommen, darum müssen wir keine Rabatte geben“, sagt Achim Schaible, der Chef von Renault und Dacia in Deutschland, im Interview mit Handelsblatt Online.

Während andere Automarken in der Rabattschlacht ihre Margen einbüßen, hat Dacia Planungssicherheit und wird für Renault zum Rettungsanker in der Krise. Schon heute verkauft Dacia rund 16,2 Prozent aller Fahrzeuge der Renault-Gruppe. Seit 2004 wächst der Marktanteil ununterbrochen.

Allein der Dacia Duster verkauft sich unter allen Fahrzeugen des Renault-Konzerns am drittbesten. Zur IAA nach Frankfurt haben die Rumänen eine überarbeitete Version des SUVs mitgebracht, die an die Erfolge des Vorgängers anknüpfen soll. Einen Kannibalisierungseffekt sieht Schaible allerdings nicht. Die Zahl der Dacia-Kunden, die vorher Renault gefahren seien, betrage rund zehn Prozent. Der Rest wechselt von der Konkurrenz zu Dacia. Und selbst mit Gebrauchtwagen könne die Marke preislich konkurrieren.

Kommentare (31)

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HerrDacia

12.09.2013, 20:38 Uhr

Fahre meinen Dacia Logan seit nunmehr dreieinhalb Jahren ohne Probleme. Mein bisher zuverlässigstes Fahrzeug. Lediglich die Spurhaltung beim Bergauffahren im Schnee lässt zu Wünschen übrig - was ich auf die unnötig lange Karosserie zurückführe. Übrigens meine schlechteste Erfahrung war ein fabriksneuer BMW 1802 im Jahre 1974 (oder 1975 ? - weiß es nicht mehr so genau): Alle 6.000 km ein Zylinderschaden immer am dritten Zylinder, trotz behutsamer Fahrweise. Seither zählen Markennamen NICHTS bei mir.

Brasil

12.09.2013, 20:41 Uhr

Applaus, bravo! In Brasilien verkauft Renault als PKW nur die DACIA Modelle und das mit vergleichbarem Erfolg! Wird wohl hier der Einzige sein, welcher der chinesischen Welle standhält, wenn ihre Autofabriken hier in Produktion gehen!
Trotz extremer Ausbeutung der Arbeitnehmer bei deutschen Autofirmen, werden sie dieses Niveau an Preis/Leistung niemals erreichen!
Deutsches Vermögen an die Banken und die Autos in Rumänien gekauft, das ist ZUKUNFT! Bravo Trulla Hosenanzug!

Frank3

12.09.2013, 20:47 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

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