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14.01.2016

18:02 Uhr

Renault und Fiat Chrysler

Autoskandale erschüttern die Börsen

Hat jetzt auch Frankreich seinen Abgasskandal? Büros von Renault wurden durchsucht, es geht um erhöhte Emissionen. Die Aktie stürzt ab: Renault ist 370.000 Clios weniger wert – und auch Fiat-Chrysler steht am Pranger.

Durchsuchungen beim französischen Autokonzern. Reuters

Carlos Ghosn und der Renault Talisman

Durchsuchungen beim französischen Autokonzern.

Düsseldorf/Paris/New YorkEine Razzia der französischen Behörden hat Renault am Donnerstag den größten Kurssturz der Firmengeschichte eingebrockt. Die Aktien des französischen Autobauers fielen zeitweise um knapp 23 Prozent auf ein Dreieinhalb-Monats-Tief von 67 Euro. Damit büßte das Unternehmen binnen eines Tages rund fünf Milliarden Euro an Börsenwert ein. Das entspricht in etwa 370.000 Neuwagen des Modells Clio. Die Werte von Mitbewerber PSA Peugeot Citroën waren zeitweise ebenfalls betroffen. Und auch bei Fiat-Chrysler gibt es offenbar einen handfesten Skandal.

Auslöser der Verkaufswelle bei Renault war ein Bericht der Nachrichtenagentur AFP, demzufolge vor dem Hintergrund der VW-Abgasaffäre Büros und Werke des Autobauers durchsucht wurden. Wie der Konzern am Donnerstag mitteilte, waren unter anderem Technikzentren betroffen. Die Durchsuchungen basierten demnach auf einer von der französischen Regierung angeordneten Untersuchung, ob auch französische Autobauer Manipulationssoftware installiert haben könnten.

Stickoxide und CO2

Stickoxide (NOx)

Gesundheitsschädliche Stickoxide wie etwa Stickstoffmonoxid und -dioxid kommen in der Natur nur in winzigen Mengen vor. Sie stammen vor allem aus Autos, aber auch aus Kohle-, Öl- und Gaskraftwerken. Dieselmotoren stoßen viel mehr NOx aus als Benziner. Die Stoffe können Schleimhäute angreifen und so zu Husten, Atembeschwerden und Augenreizungen führen. Sie können auch Herz und Kreislauf beeinträchtigen. Pflanzen werden dreifach geschädigt: NOx sind giftig für Blätter, und sie überdüngen und versauern die Böden. Außerdem tragen Stickoxide zur Bildung von Feinstaub und bodennahem Ozon bei. Technisch lassen sie sich mit einem Drei-Wege-Katalysator von Benzinern in unschädlichen Stickstoff (N2) und Sauerstoff (O2) umwandeln. Es bleiben jedoch immer NOx-Reste übrig. Bei Dieselmotoren ist der Abbau von NOx bedeutend schwieriger – er gelingt etwa durch Einspritzung einer zusätzlichen Harnstoff-Lösung in den Abgasstrom.

NOx-Grenzwerte beim Auto

Der Grenzwert in Pkw-Abgasen für alle Stickoxide zusammen liegt in der EU bei 80 Milligramm pro gefahrenen Kilometer (mg/km) für Diesel- und bei 60 mg/km für Benzinmotoren. Der von der US-Umweltbehörde EPA geforderte Wert liegt im Schnitt bei umgerechnet 43,5 mg/km. Allerdings sind die US-Kontrollsysteme nicht einheitlich, und die Vorschriften können je nach US-Bundesstaat abweichen.

Kohlendioxid (CO2)

Es ist in nicht allzu großen Mengen unschädlich für den Menschen, aber zugleich das bedeutendste Treibhausgas und zu 76 Prozent für die menschengemachte Erderwärmung verantwortlich. Der Straßenverkehr verursacht nach Angaben des Umweltbundesamts rund 17 Prozent aller Treibhausgas-Emissionen in Deutschland - hier spielt CO2 die bei weitem größte Rolle. Es gibt zwar immer sparsamere Motoren, zugleich aber immer größere Autos mit mehr PS und mehr Lkw-Transporte. So ist der Treibhausgas-Ausstoß des Verkehrs von 1990 bis 2014 sogar um 0,6 Prozent gestiegen. Die Konferenz von Paris (30. November bis 11. Dezember) soll die Emissionen so verringern, dass sich die Erdatmosphäre um nicht mehr als zwei Grad aufheizt.

CO2-Grenzwerte beim Auto

In diesem Jahr müssen die Autohersteller in der EU bei ihrer Pkw-Flotte im Durchschnitt einen Grenzwert von 130 Gramm CO2 pro Kilometer erreichen. 2021 sind dann nur noch 95 g/km erlaubt. In den USA liegen diese Schwellen geringfügig höher: Die Vorgabe der Umweltbehörde EPA sieht für die im Jahr 2016 zugelassenen Fahrzeuge einen Grenzwert für Personenwagen von umgerechnet etwa 140 g/km vor. Bis 2025 sinkt der Durchschnittsgrenzwert auf rund 89 g/km.

Zuerst berichteten am Donnerstag Gewerkschaftskreise von den Durchsuchungen, die demnach bereits in der vergangenen Woche stattfanden. Renault versicherte dann in seiner Erklärung, die zuständige Untersuchungskommission habe „keinen Hinweis auf die Existenz von Manipulationssoftware in den Fahrzeugen von Renault“ gefunden. Eingesetzt wurden die Experten vom französischen Ministerium für Umwelt und Energie. Renault versicherte, mit der Regierung „vollständig“ zu kooperieren.

In Dieselautos von Renault ist nach Angaben der Pariser Regierung keine Schummel-Software eingebaut. In einer Untersuchung sei keine Manipulationssoftware gefunden worden, sagte Umweltministerin Ségolène Royal am Donnerstag. Wirtschaftsminister Emmanuel Macron sagte bei einem Besuch in Berlin, die Lage bei Renault sei „in keinster Weise“ vergleichbar mit der bei Volkswagen.

Royal sagte am Donnerstag aber auch, dass Dieselfahrzeuge von Renault und zwei ausländischen Autobauern mehr Emissionen ausstoßen als vom Hersteller angegeben. Sowohl der Ausstoß des klimaschädlichen Kohlendioxid als auch des gesundheitsschädigenden Stickoxid lägen über den Grenzwerten, sagte Royal.

Renault hatte nach dem Bekanntwerden des „Dieselgates“ behauptet, im Unternehmen habe es keinerlei vergleichbare Vorgänge gegeben und der Hersteller setze keine Betrugssoftware ein, um Abgaswerte zu schönen. Die Regierung hatte angekündigt, sie werde alle französischen Fahrzeuge und Autofirmen genauen Prüfungen unterziehen. Sie sah allerdings keinerlei Anfangsverdacht. Die Durchsuchungen stehen wohl im Zusammenhang mit den angekündigten Nachforschungen.

Volkswagen hatte im September eingeräumt, weltweit in rund elf Millionen Dieselfahrzeugen eine Manipulationssoftware eingesetzt zu haben, die bei Emissionstests einen niedrigeren Stickoxidausstoß anzeigt als auf der Straße. Die französische Regierung ordnete daraufhin die Untersuchungen an.

Kommentare (27)

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Herr Michael Müller

14.01.2016, 13:34 Uhr

Man sollte auch mal die Abgaswerte der US-Benzinschleudern nachmessen!

Vermutlich haben die eine noch bessere an die Abgasprüfung optimierte Software und über die NSA werden die über jede Abgasprüfung vorher informiert!

Account gelöscht!

14.01.2016, 13:48 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

Herr Marc Otto

14.01.2016, 13:49 Uhr

Das war im Ansatz bei GM / Opel mal probiert worden, aber Obama hat dann seine IM Erika wohl schnell zurück gepfiffen. Denk dran, wenn Ami-Trucks den Himmel schwarz färben, so ist das "America". Wenn dt. Autos in mg mehr ausstoßen, als off. vorgegeben, dann ist das etwas, wo sich ganz arika beleidigt fühlt.

Dr Neumann, jetzt Chef von GM-Opel, war ja bei VW mal DER Experte für Electronic und somit involviert in das was ein Auto an Software hat. Wer bitte will mir sagen, dass er es bei GM anders gemacht hat?

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