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29.03.2006

09:22 Uhr

Rennen um russische Förderprojekte

Wintershall setzt Eon unter Druck

VonJürgen Flauger

Die BASF-Tochter Wintershall hat im Poker mit Eon um die strategisch wichtige Förderung von russischem Gas die besseren Karten. Wintershall sei in den Gesprächen mit Gazprom über die gemeinsame Erschließung des lukrativen Gasfeldes Juschno Russkoje bedeutend weitergekommen, sagte Vorstandschef Reinier Zwitserloot am Dienstag in Kassel: „Ich bin zuversichtlich, dass wir kurzfristig unsere Verhandlungen abschließen werden.“

KASSEL. Nach Informationen des Handelsblatts aus Unternehmenskreisen werden die beiden Partner ihre Pläne bereits in den kommenden Wochen festzurren. Dagegen stocken die Gespräche zwischen Gazprom und dem Eon-Konzern, der ebenfalls in das Projekt einsteigen will.

Wintershall und Eon liefern sich seit zwei Jahren einen Wettstreit um die Ausbeutung von Juschno Russkoje, um so den Import russischen Gases nach Deutschland abzusichern. Das Feld ist lukrativ, weil es leicht zu erschließen ist. Seine förderbaren Reserven von über 500 Mrd. Kubikmeter würden rein rechnerisch ausreichen, um den kompletten deutschen Gasverbrauch fünf Jahre lang zu decken.

Im Sommer 2004 verkündete zunächst Eon, das Feld gemeinsam mit Gazprom zu erschließen. Vor einem Jahr vereinbarte der russische Gasriese dann aber überraschend eine umfangreiche Partnerschaft mit BASF und deren Tochter Wintershall. Seitdem versucht Eon noch als dritter Partner mit in das Prestigeprojekt einzusteigen. Klar ist, dass Gazprom mit 51 Prozent die Mehrheit behält und BASF mindestens 25 Prozent übernimmt. Den Rest will sich Eon sichern und verhandelt darüber seit Monaten. Gazprom ist bislang mit den Angeboten aber offenbar nicht zufrieden, wie es in Kreisen, die den Verhandlungen nahe stehen, heißt. Eon hat Anteile in Osteuropa, insbesondere an der ungarischen Mol geboten. Gazprom schielt dagegen auf Beteiligungen an Vertriebsgesellschaften in Westeuropa. Weil Eon dabei zögert, muss sich der Konzern eventuell sogar mit einem kleinen Anteil von knapp über zehn Prozent zufrieden geben oder ganz auf das Projekt verzichten.

Die Verhandlungen mit Gazprom gestalteten sich schwierig, räumte ein Sprecher von Eon am Dienstag ein. „Zu Zwischenständen von solchen Gesprächen äußern wir uns aber nicht.“ Eon-Chef Wulf Bernotat hatte vor wenigen Tagen betont, dass eine Beteiligung von Gazprom an Eons Gastochter Ruhrgas nicht Teil der Gespräche sei. Nach seinen Worten sind aber auch die Vereinbarungen der Konkurrenz mit Gazprom noch nicht unter Dach und Fach.

Im Gegensatz zu Eon haben sich BASF und Wintershall mit dem russischen Partner aber bereits auf ein lukratives Gegengeschäft geeinigt. Gazprom darf seinen Anteil am gemeinsamen Joint Venture Wingas, das russisches Gas in Westeuropa vermarktet, von 35 auf bis zu 49 Prozent aufstocken. Anders als Bernotat sieht Zwitserloot eine solche Transaktion sogar positiv: „Damit wird sich Gazprom uns noch mehr als bevorzugter Partner in Europa verbunden sehen.“

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