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17.01.2007

09:15 Uhr

Restrukturierungsprogramm

Chrysler orientiert sich an Mercedes-Sanierung

Der Autokonzern Daimler-Chrysler will die Sanierung der Nobelmarke Mercedes als Blaupause für die Restrukturierung der angeschlagenen US-Sparte Chrysler verwenden. Viele Experten sind hingegen der Ansicht, dass Chrysler auf Dauer einen neuen strategischen Partner brauche. Einen potenziellen Kandidaten nennen sie gleich mit.

hz FRANKFURT. Das Restrukturierungsprogramm von Chrysler werde sich am Core-Programm von Mercedes orientieren, sagte Chrysler-Chef Tom LaSorda der Fachzeitschrift „Auto, Motor und Sport“. „Mercedes hat mit seinem Effizienz-Programm Core einen großartigen Job gemacht, und wir führen hier ein sehr ähnlich strukturiertes Programm durch.“

Nach Informationen aus Unternehmenskreisen wird LaSorda den neuen Restrukturierungsplan wohl schon zur Bilanzpressekonferenz des Unternehmens am 14. Februar in Auburn Hills vorlegen. Chrysler selbst nannte bislang stets Ende Februar als Termin für die Vorlage detaillierter Aussagen zur Restrukturierung.

Daimler hatte Mercedes 2005 das so genannte Effizienzsteigerungsprogramm „Core“ verordnet, das den Gewinn der Gruppe, zu der auch die defizitäre Kleinwagenmarke Smart sowie die Luxuskarossen von Maybach zählen, in diesem Jahr auf ein neues Rekordniveau katapultieren soll. Dafür wurden mehr als 8 500 Stellen abgebaut, die Produktion verschlankt und die Produktoffensive vorangetrieben. Als Konsequenz wies die Tochter Mercedes, die 2005 noch rote Zahlen schrieb, im dritten Quartal 2006 ein operatives Ergebnis von 991 Mill. Euro aus und erreichte mit einer Umsatzrendite von 7,3 Prozent wieder das alte Ertragsniveau.

Auch die defizitäre US-Sparte Chrysler steht vor einer umfassenden Restrukturierung, bei der das gesamte Geschäft auf den Prüfstand gestellt wird, heißt es. Die Personaleinschnitte werden allerdings geringer ausfallen als beim letzten Sanierungsprogramm von Chrysler, das noch der heutige Daimler-Chrysler-Boss Dieter Zetsche zu verantworten hatte. Chrysler habe in den vergangenen Jahren bereits 44 000 Stellen abgebaut, was sehr viel sei, sagte LaSorda. „Alles, was jetzt kommt, wird weit von solchen Dimensionen entfernt sein.“

Chrysler hatte im dritten Quartal 2006 einen Verlust von 1,16 Mrd. Euro eingefahren und wird für das Gesamtjahr voraussichtlich ein Milliardenminus ausweisen. der Autohersteller leidet unter Absatzschwierigkeiten und hohen Lagerbeständen, weil die US-Kunden wegen der gestiegenen Benzinpreise verstärkt kleinere und vergleichsweise verbrauchsarme Fahrzeuge nachfragen. Mehr als 70 Prozent der Chrysler-Modellpalette bestehen derzeit aber noch aus spritschluckenden Geländewagen, Pick-ups und Minivans. Erst Ende Dezember schloss Chrysler eine Kooperation mit dem chinesischen Hersteller Chery für den Bau kleinerer Fahrzeuge ab.

Viele Experten sind der Ansicht, dass Chrysler auf Dauer einen neuen strategischen Partner brauche. Nach dem Scheitern der Allianzgespräche zwischen Renault-Nissan und General Motors (GM) hält der Auto-Analyst Christian Breitsprecher von der BHF-Bank den japanischen Autobauer Nissan für eine optimale Lösung. Die Japaner könnten von der Kompetenz des US-Autobauers bei Pick-ups profitieren, während Chrysler Zugriff auf eine komplette Palette von wettbewerbsfähigen PKW-Plattformen erhielte.

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