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26.04.2011

10:06 Uhr

Rettungskonzept

Bei Pfleiderer übernehmen Gläubiger die Macht

Monatelang dauerten Verhandlungen über die Rettung von Pfleiderer. Jetzt sind erste Details ans Licht gekommen, wie es bei dem angeschlagenen Holzverarbeiter weitergehen könnte. Die Gläubiger bekommen den Zugriff.

Ein Mitarbeiter der Pfleiderer bei der Arbeit: Konzept liegt vor. Quelle: dpa

Ein Mitarbeiter der Pfleiderer bei der Arbeit: Konzept liegt vor.

München Die Bilanz-Sanierung von Pfleiderer ist nach Angaben des schwer angeschlagenen Holzverarbeiters fast in trockenen Tüchern. Nach wochenlangen Verhandlungen mit den wichtigsten Gläubigern steht das Konzept zur Entschuldung fest: Von gut einer Milliarde Euro Schulden bleibt nur gut ein Viertel. Die Kreditgeber verzichten auf rund 300 Millionen von 750 Millionen Euro erstrangiger Kredite und auf einen Teil der Zinsen, wie Pfleiderer am Dienstag mitteilte.

Sie übernehmen im Gegenzug mindestens 80 Prozent der Aktien. Das bedeutet, dass mehrere Hedgefonds, die fast die Hälfte der Kredite von Pfleiderer billig aufgekauft hatten, dort künftig das Sagen haben. Die kreditgebenden Banken - allen voran KfW und Commerzbank - dürften sich stattdessen mit einer Anleihe begnügen, die später in Aktien getauscht werden kann.

Die bisherigen Aktionäre müssen sich nach einem radikalen Kapitalschnitt zunächst mit einem Prozent der Anteile an dem Unternehmen aus Neumarkt in der Oberpfalz zufriedengeben. Diese Aussichten ließen die Pfleiderer-Aktie um acht Prozent auf 75,5 Euro-Cent stürzen.

Um den Konzern tatsächlich zu retten, müssen alle Gläubiger dem Verzicht zustimmen. Das sei bis Mitte Mai zu erwarten, hieß es. Die Aktionäre sollen auf einer Hauptversammlung in der zweiten Juli-Hälfte über den Kapitalschnitt abstimmen.

Vorstandschef Hans Overdiek hatte Pfleiderer mit einem Expansionskurs mit mehr als einer Milliarden Euro Schulden belastet, die das Unternehmen angesichts roter Zahlen überforderten.

Nun ist das Eigenkapital fast aufgezehrt. Um eine Insolvenz zu vermeiden, stellen die Gläubiger Pfleiderer dem Plan zufolge im Mai zunächst einen 100-Millionen-Euro-Kredit zur Verfügung, der vor allen anderen Schulden bedient und zur Hälfte nach einer 100 Millionen Euro schweren Kapitalerhöhung getilgt werden soll.

An dieser wollen sich die Hedgefonds mit rund 60 Millionen Euro beteiligen. Die Altaktionäre könnten 40 Millionen Euro frisches Geld nachschießen und damit auf bis zu 16 Prozent der Anteile kommen.

Der mit 23 Prozent beteiligte Finanzinvestor One Equity Partners (OEP) wird sich darauf laut Verhandlungskreisen nicht einlassen und schreibt sein Investment von rund 200 Millionen Euro ab. Der Einstieg der Hedgefonds um TPG und SVP Strategic Value Partners habe OEP davon abgehalten, selbst noch einmal Geld nachzuschießen, sagten zwei mit den Überlegungen vertraute Personen. Damit dürfte der Anteil der Hedgefonds noch steigen. Auch Investoren in eine Hybridanleihe müssen ihre 275 Millionen Euro abschreiben und sich mit vier Prozent der Aktien begnügen.

Wie die Hedgefonds die Anteile untereinander aufteilen, ist bisher nicht bekannt. Investoren wie sie zielen meist auf eine lukrative Weiterveräußerung ab, nachdem das Unternehmen saniert ist. Auf ähnliche Weise wie bei Pfleiderer sind Hedgefonds derzeit dabei, die Macht beim Solarkonzern Conergy zu übernehmen.

Von

rtr

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