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25.07.2012

19:25 Uhr

Rezession

Euro-Krise trifft Firmen mit voller Wucht

VonUlf Sommer

Deutschland hat sich zu lange auf Europa konzentriert. Jetzt kann es die europäische Wirtschaft nicht mehr vor dem Absturz bewahren. Seit Ausbruch der Bankenkrise vor fünf Jahren ist der Kontinent der Verlierer.

Firmen wie Siemens, Volkswagen oder Metro beklagen Absatzeinbrüche in den europäischen Nachbarländern. APN

Firmen wie Siemens, Volkswagen oder Metro beklagen Absatzeinbrüche in den europäischen Nachbarländern.

DüsseldorfInsgesamt haben sich die weltweiten Gewichte in den vergangenen fünf Jahren dramatisch verschoben. Im abgelaufenen Geschäftsjahr machten die Konzerne der Euro-Zone nur noch zwölf Prozent der weltweiten Gewinne, 2006/07 waren es noch 22 Prozent. Größter Gewinner der seit 2007 von den USA ausgehenden Weltfinanzkrise sind Chinas Unternehmen. Sie konnten ihren Gewinnanteil von 6,2 auf 14,2 Prozent mehr als verdoppeln. Den US-Konzernen gelang es, ihren Gewinnanteil im Fünfjahresvergleich mit 34,6 Prozent fast konstant zu halten.

"Die US-Wirtschaft", bilanziert Thomas Harms, Partner bei dem Wirtschaftsprüfer Ernst & Young, "ist hervorragend aus der Krise gekommen." Allein die Ölkonzerne Exxon und Chevron, der Handelsriese Wal-Mart und der iPhone-Hersteller Apple machten 80 Milliarden Euro Gewinn - und damit mehr als alle 30 Dax-Konzerne. "Diese Innovationskraft ist die große Stärke der amerikanischen Wirtschaft", sagt Harms. "Europa hingegen kämpft nur noch um den Klassenerhalt."

Wertvollste Unternehmen der Welt

Der iPhone-Hersteller Apple und der Ölkonzern Exxon Mobil liefern sich gerade ein Kopf-an-Kopf-Rennen um den Titel des wertvollsten börsennotierten Unternehmens der Welt. Mit den US-Schlusskursen vom 9. August sah die Rangliste der Börsenschwergewichte wie folgt aus:

Platz 1

Exxon (USA/Ölindustrie) - 348,3 Milliarden Dollar

Platz 2

Apple (USA/Technologie) - 346,7 Milliarden Dollar

Platz 3

Petrochina (China/Ölindustrie) - 274,2 Milliarden Dollar

Platz 4

Industrial & Commerical Bank of China (China/Banken) - 219,7 Milliarden Dollar

Platz 5

Microsoft (USA/Technologie) - 214,3 Milliarden Dollar

Platz 6

Nestlé (Schweiz/Lebensmittel) - 207,6 Milliarden Dollar

Platz 7

IBM (USA/Technologie) - 203,8 Milliarden Dollar

Platz 8

Royal Dutch Shell (Großbritannien/Öl) - 202,3 Milliarden Dollar

Platz 9

BHP Billiton (Australien/Rohstoffe) - 190,8 Milliarden Dollar

Platz 10

Chevron (USA/Ölindustrie) - 187,8 Milliarden Dollar

Wertvollstes deutsches Unternehmen

Siemens 66,4 Milliarden Dollar

Den Börsen ist es gelungen, diesen Trend frühzeitig vorwegzunehmen. Das zeigten die Turbulenzen nach der Lehman-Pleite im September 2008: Obwohl ein Schwergewicht aus den USA Insolvenz gemeldet hatte, stürzten Europas Börsen stärker ab als die Wall Street - und erholten sich anschließend auch weniger gut.

Das galt auch für den Dax mit seinen vielen exportstarken Unternehmen: Deutschlands wichtigstes Börsenbarometer notierte gestern 22 Prozent unter seinen Höchstständen von 2006/07 - der amerikanische Dow Jones war davon nur neun Prozent entfernt.

Damit spiegeln die Finanzmärkte in Deutschland, Europa und den USA das Auseinanderlaufen der Ertragskraft der börsennotierten Firmen wider. Denn das Auf und Ab der Unternehmensgewinne beeinflusst langfristig immer noch am stärksten die Kurse - allen politisch motivierten Kursbewegungen zum Trotz.

Und wirtschaftlich, das zeigt die Gewinnentwicklung der US-Konzerne, ist Amerika überall stark. Noch mehr als die absoluten Gewinne überzeugt die Profitabilität der US-Unternehmen. Durchschnittlich blieben bei den US-Konzernen mit jedem Dollar Umsatz 7,5 Cent Reingewinn übrig. In Deutschland ist es im Schnitt ein Drittel weniger.

"Rezession ist in Deutschland angekommen"

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Die Unternehmen in den aufstrebenden Schwellenländern sind nicht einmal halb so profitabel wie ihre US-Wettbewerber. Ob Intel, Philip Morris, Oracle, Google, Microsoft oder Apple - mit jedem Dollar Umsatz blieben mehr als 20 Cent Reingewinn übrig. So viel schafften in Deutschland nur zwei Dax-Konzerne: SAP und Infineon.

Selbst Firmen in wettbewerbsintensiven und damit margenärmeren Branchen wie General Electric in der Industrie oder Procter & Gamble und Coca-Cola im Konsumsektor erzielten Traumrenditen von zehn und mehr Prozent.

Kommentare (13)

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Account gelöscht!

25.07.2012, 20:01 Uhr

Exxon und Chevron sind Ölmultis-sie machen astronomische Gewinne wegen der hohen Energiepreise, die Unsicherheit um den Arabischen Frühling und das Gelddrucken. Wal-Mart ist eine Supermarktkette. Wo liegt bitte die Innovation bei solche Unternehmen. Wie kann man so ein Schwachsinn in Wirtschaftszeitungen schreiben. Die Gewinne von europäischen Unternehmen brechen ein, weil der Euro seit 2 Jahren hin-und herfliegt . Die Marktanteile Deutschlands im Welthandel sind stabil geblieben und sogar außerhalb Europas gestiegen. Italien hat seit Jahren Handelsüberschuss. Die EU Staaten haben den Import eingestellt und durch den einbrechenden Euro werden die PRodukte von Europäischen Konzerne günstiger-dieses Vorteil wird jedoch von den anziehenden Rohstoffpreise wieder entzogen. Dass die EU Banken zum Boden gehen werden ist für jeden klar. Die Größe der chinesischen Institute spielt keine Rolle-Die EU Finanzhäuser machten bis 2010 die HÄLFTE der globalen Billanzsumme aus und vergaben 50% der Kredite auf der ganzen Welt. Dass die Börse in Amerika besser abgeschnitten hat als die Börsen in Europa hat auch einen kleinen aber feinen Grund-die FED druckt Geld und drückt die Zinsen für US-Staatspappiere, damit Amerika sich noch finanzieren kann. Das Geld der Privatinvestoren, welche nicht mehr in Staatsanleihen anlegen, fliesst in Unternehmensanleihen und die Aktienkurse der US Unternehmen. Dieser Artikel ist so unterirdisch in seiner Analyse, dass es an Peinlichkeit nicht zu überbieten ist.

Sebastinan

25.07.2012, 20:29 Uhr

Dacor bis auf die Banken.Wenn die chinesische Immobilenblase platzt,ist aus die Maus.

Account gelöscht!

25.07.2012, 20:53 Uhr

"Deutschland hat sich zu lange auf Europa konzentriert".

Nein, Deutschland hat sich zu wenig um Europa gekümmert.
Westeuropa muss sich mit aller Macht mit Osteuropa verbünden. Russland, Ukraine, Georgien, Armenien usw.

Wenn Europa eins wird, sich know how und Ressourcen zusammen tun, dann ensteht ein Staatengebilde, was es mit China aufnehmen kann. Mit den USA sowieso.

Der kalte Krieg hat sich in den Köpfen festgesetzt und wie unsere Oma haben wir immer noch soviel Angst vor den "Russen".

Aber vielleicht wachen unsere Politiker irgendwann auf und stellen fest, wie groß Europa wirklich ist.

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