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05.09.2011

14:38 Uhr

Rheinmetall

Abwehrsystem wird in Kundus nicht eingesetzt

Das Raketenabwehrsystem Mantis droht für die Waffenschmiede Rheinmetall zum Flop zu werden. Lange wurde die fehlende Präzision kritisiert, jetzt wird das System in Afghanistan offenbar nicht mehr gebraucht.

Die Zentrale des Rüstungsbauers Rheinmetall AG in Düsseldorf. dpa

Die Zentrale des Rüstungsbauers Rheinmetall AG in Düsseldorf.

BerlinEin von der Waffenschmiede Rheinmetall produziertes Abwehrsystem gegen Raketen- und Mörserangriffe wird nach derzeitiger Planung nun doch nicht bei der Bundeswehr in Afghanistan zum Einsatz kommen. Der Raketenbeschuss habe abgenommen, während Schutzmaßnahmen wie Bunkerbauten stark verbessert worden seien, heißt es in einem Schreiben des Bundesverteidigungsministeriums an den Verteidigungsausschuss im Bundestag, in das Reuters am Montag Einblick hatte.

Außerdem funktioniert das System bislang offenbar nicht, so dass sich die Lieferplanung dem Schreiben zufolge um drei Monate nach hinten verschiebt. Die Entwicklung des Systems kostete etwa 50 Millionen Euro, die Beschaffung der zwei Systeme für den Anfangsbedarf der Bundeswehr soll 166 Millionen Euro kosten. Angesichts der reduzierten Bedrohung sei „ein operativer Bedarf zur Einführung von Mantis im PRT Kundus derzeit nicht vorrangig“, heißt es in dem Schreiben.

Zudem traten im Juli neue Probleme bei der Munitionsfertigung auf. „Die Problematik der Nicht-Zerlegerate der Geschosse und die in jüngster Zeit aufgetretenen Probleme in der Munitionsfertigung wurden erkannt und werden durch die Industrie mit höchster Priorität bearbeitet“, heißt es in dem Schreiben. Schon früher hatte es Schwierigkeiten gegeben. Bei einem Test 2010 zeigte sich, dass die Feinjustierung unter Einsatzbedingungen schlicht nicht möglich war.

„Das Abnahmeschießen im März 2010 wurde durch die Industrie abgebrochen, da ein einsatzgerechtes truppentaugliches Einrichten des Systems nicht möglich war, so dass die notwendige Präzision zum Treffen und Zerstören der Ziele nicht gegeben war“, hieß es. Der nächste Test solle nun im Februar 2012 stattfinden.

Die Bundeswehr will allerdings auch ohne den Einsatz in Afghanistan weiter wie geplant zwei Mantis-Systeme beschaffen, um damit Sicherheitslücken bei Feldlagern zu füllen. Ursprünglich sollte das erste System im vierten Quartal 2011 geliefert werden, das zweite im ersten Quartal 2012. In Kundus, wo das Schutzsystem zum Einsatz kommen sollte, wurden die Bauarbeiten schon vor einiger Zeit gestoppt.

Das Lager war von den Aufständischen lange Zeit sehr häufig mit Raketen beschossen worden. Seit die Bundeswehr offensiv gegen die Angreifer in der Umgebung des Camps vorgeht, hat der Beschuss jedoch aufgehört. Zudem wurden im Lager massive Schutzmauern und -Wälle gebaut, um die Wirkung eines Raketeneinschlags zu verringern.

Von

rtr

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