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15.10.2015

15:57 Uhr

Riesen-Rückruf bei VW

Was Diesel-Besitzer jetzt wissen müssen

Das Kraftfahrt-Bundesamt greift durch. Rund 2,4 Millionen Diesel-Modelle von Volkswagen müssen zurück in die Werkstatt. Wir beantworten die wichtigsten Fragen, die sich die betroffenen Autobesitzer jetzt stellen.

Anordnung vom Kraftfahrt-Bundesamt

VW muss Millionen Autos zurückrufen

Anordnung vom Kraftfahrt-Bundesamt : VW muss Millionen Autos zurückrufen

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DüsseldorfEigentlich hatte VW gehofft, dass man den Rückruf freiwillig organisieren könnte. Doch wegen der hohen Zahl der betroffenen Autos, hat das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) nun einen Zwangsrückruf angeordnet. Handelsblatt Online beantwortet die wichtigsten Fragen für betroffene Autofahrer.

Wie erfahre ich, ob mein Auto betroffen ist?
Die betroffenen Besitzer der rund 2,4 Millionen Dieselfahrzeuge werden vom Kraftfahrzeug-Bundesamt per Post benachrichtigt. Die betroffenen Marken VW, Audi, Seat und Škoda haben darüber hinaus eigene Internetseiten eingerichtet, auf denen die Autofahrer nachschauen können, ob das eigene Auto mit dem betroffenen Dieselmotor unterwegs ist. Zum Rückruf müssen alle TDI-Modelle nach Euro 5, die zwischen 2007 und 2015 produziert wurden und über einen Drei- bzw. Vierzylindermotor mit entweder 1,2, 1,6 oder 2,0-Liter Hubraum verfügen.

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Neuer Tiefschlag für Volkswagen: Das Kraftfahrt-Bundesamt lehnt für Deutschland den Plan des Konzerns für einen freiwilligen Rückruf ab. Die Folge: Volkswagen ruft die betroffenen Diesel-Fahrzeuge aus ganz Europa zurück.

Was genau wird repariert?
VW ist verpflichtet, die Schummelsoftware, mit der die Stickoxid-Emissionen des Diesels manipuliert wurden, vollständig zu entfernen. Damit danach noch die gesetzlichen Grenzwerte eingehalten werden, muss VW die Motorensoftware anpassen oder zusätzliche Abgasreinigungssysteme installieren. Wie genau die technische Lösung aussehen soll, ist bisher nicht bekannt und wird sich je nach Modell und Markt stark unterscheiden. Zuletzt betonte der neue VW-Chef Matthias Müller, dass man nicht nur an drei, sondern an Tausenden Lösungen arbeite, um das Problem zu beheben. Bis Ende Oktober muss VW dem KBA einen detaillierten Plan präsentieren, wie man die 2,0 Liter-Motoren straßenreif machen will. Bei diesen Modellen reiche wohl ein Software-Update, heißt es bisher aus Konzernkreisen. Komplizierter könnte es bei den 1,2- und 1,6-Liter-Motoren werden. Hier hat das KBA eine Frist bis Ende November gesetzt.

Wann muss mein Auto in die Werkstatt?
Nach den bisherigen Aussagen von VW und den Behörden soll der Rückruf Anfang 2016 starten und sich das gesamte Jahr hinziehen. Insbesondere wenn technische Änderungen vorgenommen werden, könnte die Reparatur länger dauern und komplizierter werden. Im Dialog mit der Behörde soll VW darauf hingewiesen haben, dass ein Bauteil erst im September 2016 verfügbar sei. Ob der Rückruf damit wirklich bis Ende 2016 abgeschlossen werden kann, ist bisher nicht klar. Bis dahin können die Modelle weiterhin gefahren werden. Die festgestellten Manipulationen hätten keine Auswirkungen auf die Sicherheit der Fahrzeuge, betont der Hersteller.

VW-Sparvorschläge

Die fiktive Sparliste

Volkswagen steht mit der Bewältigung des Abgasskandals vor der größten Bewährungsprobe seit dem Wiederaufbau des Wolfsburger Werkes nach dem Jahr 1945. Die finanziellen Belastungen für Bußgelder und Schadensersatz könnten sich auf bis zu 40 Milliarden Euro belaufen, meinen Brancheninsider. Es könnte aber auch doppelt so teuer werden. Daher stehen einige liebgewonnene Posten des Konzerns auf dem Prüfstand. Das ist die fiktive Sparliste.

Das Marketing: Die Party ist vorbei

Feierlichkeiten waren bei Volkswagen bislang vom Allerfeinsten: Auf der Bühne standen gerne mal Robbie Williams, Lenny Kravitz, Mark Knopfler, Lang Lang oder die Pet Shop Boys. Und im Publikum tummelten sich Hollywood-Hüne Ralf Möller oder Sport-Ikonen wie Günter Netzer und Hans-Joachim Stuck. Die Musik für die üppigen Inszenierungen kam von Produzent Leslie Mandoki. Und der Kabarettist Django Asül sorgte für gute Laune. All das wird künftig genauso wenig passend erscheinen wie die Konzernabende im Vorfeld großer Automessen. Weit über tausend Gästen wurde dabei stets ein anderthalbstündiges Happening mit Licht und Showeffekten präsentiert, in dem alle Marken des Konzerns ihre Innovationen präsentierten. Kein anderer Hersteller betreibt nur annähernd einen solchen Aufwand der Selbstinszenierung. So kann Volkswagen auch getrost darauf verzichten. Genauso wie auf die Mini-Autoshows zur Hauptversammlung und zur Bilanzpressekonferenz. Eine zweite Halle im Stil einer Mini-IAA wird angesichts der Sparzwänge sicher kein Aktionär oder Journalist vermissen.

Die Gehälter: Das große und kleine Leiden

Der Aufschrei kam prompt: Die zu erwartenden Einschnitte dürfen nicht zulasten des kleinen Mannes gehen. Dass der kleine wie der große Mann bei Volkswagen künftig weniger in der Tasche haben wird, ist jedoch realistisch. Auffallen wird dies bei den Vorständen, die zuletzt ein Festgehalt zwischen einer und zwei Millionen Euro pro Jahr hatten. Durch eine einjährige variable Vergütung, eine mehrjährige variable Vergütung und eine Vergütung über vier Jahre kam Ex-Chef Martin Winterkorn im vergangenen Jahr sogar auf ein Gesamtsalär von 15,8 Millionen Euro. Andere Mitglieder im Vorstand verdienten um die sieben Millionen Euro. Bei allen dürfte in diesem Jahr mangels Erfolg weit weniger herauskommen. Aber auch das Gros der Belegschaft wird leiden müssen. Eine Ergebnisbeteiligung von 5 900 Euro bekam jeder Mitarbeiter für das vergangene Jahr bei der Marke VW, dazu zwölf Gehälter und ein kleines Urlaubsgeld. Da das Ergebnis schrumpfen wird, sinkt auch die Ergebnisbeteiligung. Die 1 545 Euro, die es immer im November quasi als Weihnachtsgeld gibt, sollen jedoch gezahlt werden.

Das Sponsoring: Der Werksclub steht auf dem Prüfstand

Beim Pokalfinale 2015 demonstrierte der Volkswagen-Konzern seine ganze Fußballmacht: Nicht nur, weil der Werksklub VfL Wolfsburg am Ende den Titel gewann, sondern auch weil selbst der Gegner Borussia Dortmund mit einem VW-Logo auf dem Ärmel auflaufen musste. Der Konzern ist nämlich auch Sponsor des gesamten Wettbewerbs. Mit dem Ausbruch des Abgasskandals soll das Pokal-Sponsoring nun auf den Prüfstand gestellt werden. Beim Werksklub VfL Wolfsburg soll nicht zu stark gespart werden. Für die Bundesliga ist das Volkswagen-Desaster indes ein Problem. Immerhin unterstützt der Konzern 21 von 36 Bundesligavereinen. Am VfL Wolfsburg, dem FC Bayern und dem FC Ingolstadt ist Volkswagen sogar direkt beteiligt. Wie stark der Sparkurs ausfallen wird, ist allerdings noch nicht klar. Die Verträge, die unter dem zurückgetretenen VW-Chef Martin Winterkorn geschlossen wurden, sind unabhängig von der Krise weiterhin gültig.

Die Modelle: Das Ende der Ladenhüter

Der kleine, sportliche Zweisitzer Eos war das erste Opfer – schon vor dem Abgasskandal. Weil er nicht den nötigen Erfolg beim Kunden hatte, wurde er aus dem Programm genommen. Die Luxuslimousine Phaeton könnte es als nächstes treffen. Die für Ende kommenden Jahres geplante Neuauflage ist mehr als fraglich. Das sind aber nicht die einzigen Nischenmodelle, bei denen ein hoher Aufwand nicht mit den Verkaufszahlen korreliert. Das Sportcoupé Scirocco hatte Volkswagen nach 16 Jahren Pause 2008 wieder aufgelegt. Die Verkaufszahlen blieben mit etwa jeweils 23.500 Stück in den vergangenen beiden Jahren jedoch überschaubar. Deutlich mehr, nämlich mehr als 90.000 Stück, wurden zuletzt vom Beetle verkauft, einer Reminiszenz an den kultigen Käfer. Kult sollte auch der Beetle wieder sein. Schließlich war es auch BMW gelungen, den Mini mit einem neuen Konzept zu reaktivieren. Doch verkauft der sich mehr als 300.000 Mal pro Jahr.

Wer bezahlt für die Reparatur?
Die Kosten für den Rückruf hat der Hersteller alleine zu tragen.

Leidet die Leistung, wenn ich mein Auto reparieren lasse?
Das kann bisher noch niemand seriös beantworten, da dies stark von der technischen Lösung abhängt. Da der Hersteller aber weiterhin alle gesetzlichen Grenzwerte einhalten muss, kann es durchaus sein, dass am Ende auch die Leistung der Dieselmodelle leidet. VW-Chef Müller sagte, es sei wichtiger, „das CO2-Ziel zu halten und dafür vielleicht auf 3 bis 5 km/h Höchstgeschwindigkeit zu verzichten“.

Was sagt der Volkswagen-Chef?
Matthias Müller sagt dem KBA eine „konstruktive Zusammenarbeit“ zu. In einem Brief an Verkehrsminister Dobrindt, der dem Handelsblatt vorliegt, schreibt er: „Für sämtliche Fahrzeuge mit einem betroffenen Dieselmotor EA189 werden wir eine Lösung anbieten.“

Kommentare (13)

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Account gelöscht!

15.10.2015, 15:40 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

Account gelöscht!

15.10.2015, 15:59 Uhr

Was hat das mit VW und Diesel zu tun?

Account gelöscht!

15.10.2015, 16:00 Uhr

Zum Glück fahre ich Bahn und Fahrrad

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