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14.07.2015

15:57 Uhr

Riesiger Absatzmarkt lockt

Autobauer bringen sich im Iran in Stellung

Die großen Autokonzerne bringen sich nach dem Ende des Amtomstreits mit dem Iran bereits in Stellung. Sie wollen vorn dabei sein, wenn die Sanktionen fallen. Experten raten deutschen Konzernen, keine Zeit zu verlieren.

Viele Autobauer sehen im Iran einen zukunftsträchtigen Markt. ap

Stau in der Innenstadt von Teheran

Viele Autobauer sehen im Iran einen zukunftsträchtigen Markt.

Berlin/Paris/HamburgNach der Einigung im Atomstreit mit Iran beginnt unter westlichen Autobauern das Gerangel um die besten Plätze auf dem wachsenden Markt. Vor allem französische Hersteller wie Peugeot und Renault wollen vorne dabei sein, wenn die Sanktionen des Westens gegen das aufstrebende Land am Persischen Golf aufgehoben werden.

Auch die deutsche Konkurrenz steht in den Startlöchern: Volkswagen, Daimler & Co wollen das Feld nicht kampflos überlassen, wenn die Pkw-Nachfrage in Iran Tritt fasst. Mit fast 80 Millionen Einwohnern lockt ein Absatzmarkt, der an der Bevölkerung gemessen fast so groß ist wie Deutschland. Von Goldgräberstimmung ist in den Vorstandsetagen von Paris bis Wolfsburg trotzdem keine Spur. Alle warten gespannt darauf, wie sich die US-Konkurrenz um die Opel-Mutter GM verhält. Denn noch ist nicht absehbar, ob das Abkommen mit Iran auch vom US-Kongress abgesegnet wird.

Atomdeal mit Iran: Milliardengeschäfte für „Made in Germany“?

Was erwartet die deutsche Wirtschaft?

„Deutschland wird zusammen mit Frankreich und Italien zu den Ländern gehören, die mehr von der Einigung profitieren als andere“, sagt Volker Perthes, Direktor der Stiftung Wissenschaft und Politik. Deutsche Wirtschaftsverbände halten mittelfristig eine Vervierfachung des Exportvolumens von heute knapp 2,5 Milliarden auf über 10 Milliarden für möglich. „Das Land hat einen Riesennachholbedarf“, sagt DIHK-Außenwirtschaftschef Volker Treier, der am Dienstag in diesem historischen Moment passenderweise in Teheran ist, der Deutsche Presse-Agentur. Derzeit seien im Iran 80 deutsche Firmen mit eigenem Geschäft tätig, dazu kämen etwa 1000 Repräsentanten und Vertriebsleute.

Sind jetzt alle Probleme gelöst?

Nein, denn die Sanktionen sollen schrittweise abgebaut werden. „Das Embargorecht für das Irangeschäft weiterhin bleibt damit relevant. Das kann im Detail viele Hemmnisse bedeuten“, erklärt der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA). Hinzu kommt: Auch wenn das Abkommen in den USA angenommen wird, muss US-Präsident Barack Obama dem Kongress alle 90 Tage bescheinigen, dass der Iran keine Terrororganisationen unterstützt. Andernfalls dürfte der Kongress schnell neue Sanktionen erlassen. „Der US-Kongress wird versuchen, die Unsicherheit zu bewahren“, sagt Perthes.

Welche Rolle spielen deutsche Banken?

Wie teuer Ärger mit den USA werden kann, erlebte jüngst die Commerzbank. Das Institut musste für einen Vergleich mit US-Behörden insgesamt 1,45 Milliarden Dollar hinblättern, um ein Verfahren wegen Geldwäsche und Geschäften mit „Schurkenstaaten“ wie dem Iran beizulegen. Wirtschaftsverbände wie der VDMA fordern nach dem Durchbruch von Wien, dass die Banken jetzt rasch reagieren: „Wenn die Finanzinstitute trotz des klaren Politikwechsels ihre eigene Geschäftspolitik weiterhin nicht anpassen, lassen sie die produzierende Industrie im Regen stehen“, warnt VDMA-Exportchef Ulrich Ackermann.

Wie stark sind die Wettbewerber in dem Land?

Insbesondere die Konkurrenz aus China profitierte von den Sanktionen, die die USA und die EU verhängt hatten. Gerade einmal 6,3 Prozent der Importe stammen derzeit noch aus Deutschland, Chinas Anteil liegt nach Angaben des Kreditversicherers Euler Hermes mit 15 Prozent etwa doppelt so hoch. Aber: „Iraner haben chinesische Produkte nicht gekauft, weil sie das wollten, sondern weil Alternativen fehlten“, sagt Perthes.

Welche Branchen könnte besonders von der Einigung profitieren?

„Die Modernisierung der Ölindustrie und anderer Branchen ist ein spannender Markt vor allem für den Maschinenbau“, sagt Hubertus Bardt vom Institut der deutschen Wirtschaft (IW). Gefragt sind nach Einschätzung Perthes vor allem Turbinen, Kraftwerke, Lastwagen und Technologien zur Ölexploration „Made in Germany“. Nach Berechnungen von Euler-Hermes-Chefvolkswirt Ludovic Subran fehlen Iran von 2011 bis heute Importe in Höhe von 30 Milliarden Euro. „Ausländische Waren wie zum Beispiel Haushaltswaren sind derzeit sehr schwer zu bekommen, ganz zu schweigen von Autos oder Maschinen“, sagt Subran.

Wie stark ist die Konkurrenz inzwischen in dem Land?

Deutlich haben sich zum Beispiel die Verhältnisse im Maschinen- und Anlagenbau verschoben. Einst lag die deutsche Schlüsselindustrie mit einem Marktanteil von 30 Prozent auf Rang eins. Inzwischen dominieren chinesische Exportunternehmen. Maschinen im Wert von gut 5 Milliarden Euro wurden im vergangenen Jahr in den Iran exportiert. Davon entfielen 630 Millionen Euro auf Deutschland und 2,3 Milliarden Euro auf China. „Selbst im Optimalfall wird der chinesische Maschinenbau bei mehr als 10 Prozent Marktanteil bleiben, Korea wird seine neu gewonnenen Prozente hart verteidigen, und nicht zu vergessen - die USA sind wieder im Spiel“, sagt VDMA-Experte Klaus Friedrich. Ein Marktanteil von 15 bis 20 Prozent für den deutschen Maschinenbau wäre daher ein großer Erfolg.

Quelle: dpa

Peugeot führt bereits Gespräche, um das Geschäft mit dem langjährigen iranischen Partner Khodro aufleben zu lassen. Europas Nummer zwei nach VW strebt die komplette Produktion von Autos im Iran an. Vor dem Rückzug wurden lediglich Teile dorthin geliefert und von Lizenznehmern wie Khodro zusammengebaut. Laut Medienberichten beriet sich Peugeot-Markenchef Maxime Picat zuletzt wöchentlich mit seinen Teheraner Kontakten. Der etwas kleinere Rivale Renault sucht noch einen Finanzpartner, um den Verkauf der Billigautos seiner Tochter Dacia in Iran auszubauen.

Auch bei VW laufen die Drähte hinter den Kulissen heiß. Ein Insider sagte, es gebe erste Überlegungen in Wolfsburg über die Einführung von Modellen der Töchter Skoda und Seat in Iran. Offiziell heißt es bei dem europäischen Marktführer: „Es gibt aktuell keine Wiederaufnahme von geschäftlichen Aktivitäten des Volkswagen-Konzerns im Iran.“

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Die Einigung mit dem Iran ist da – und die Industrie sitzt bereits in den Startlöchern. Der DIHK hofft auf blühende Geschäfte mit der Islamischen Republik. Die Forderung: Jetzt muss die Einigung schnell umgesetzt werden.

Daimler begrüßte die Einigung im Atomstreit mit Iran, will auf dem sensiblen Terrain aber nicht vorpreschen. „Grundsätzlich wird Iran ein interessanter Markt, allerdings hängt unser weiteres Vorgehen von dem Zeitplan der Aufhebung aller Sanktionen ab“, heißt es bei dem Stuttgarter Autobauer. Der Konzern hatte seine Tätigkeit in Iran 2010 eingestellt und sein Büro in Teheran ein Jahr später geschlossen.

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