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19.01.2010

08:12 Uhr

Ringen beendet

Kraft Foods erobert die Weltspitze

VonK. Slodczyk, M. Hennes, C. Weißenborn

Die monatelange Übernahmeschlacht ist beendet: Der britische Süßwarenhersteller Cadbury lässt sich von Kraft übernehmen. Der US-Nahrungsmittelriese wird umgerechnet gut 13 Milliarden Euro zahlen. Damit entsteht nicht nur der größte Süßwarenproduzent, sondern auch gleich der größte Lebensmittelkonzern der Welt.

Die Cadbury-Fabrik bei Birmingham: Der Schokoladenhersteller gibt seine Abwehr gegen Kraft nun auf. Quelle: dpa

Die Cadbury-Fabrik bei Birmingham: Der Schokoladenhersteller gibt seine Abwehr gegen Kraft nun auf.

LONDON/DÜSSELDORF. Ein Aufschlag von mehr als zehn Prozent hat den britischen Schokoladenhersteller Cadbury umgestimmt: Das Unternehmen hat seinen monatelangen Widerstand gegen die Übernahme durch Kraft Foods aufgegeben, nachdem der amerikanische Lebensmittelkonzern seine Offerte in der Nacht auf Dienstag auf 11,9 Mrd. Pfund (umgerechnet 13,6 Mrd. Euro) erhöhte.

Damit endet das Übernahmepoker schneller, als viele Marktbeobachter erwartet hatten. Jetzt müssen noch die Cadbury-Aktionäre das Milliarden-Geschäft absegnen. Große Anteilseigner wie die Versicherungsgesellschaft Standard Life signalisierten gestern bereits ihre Zustimmung.

Es gilt inzwischen als unwahrscheinlich, dass der kleinere Schokoladenhersteller Hershey noch in letzter Minute in den Übernahmekampf einsteigt und Kraft überbietet. Die Frist dafür läuft am 25. Januar ab. Entsprechende Gerüchte hatten den Aktienkurs Cadburys in der vergangenen Woche angetrieben. Andere potenzielle Bieter wie Nestlé und Ferrero sind bereits abgesprungen.

Kraft zahlt deutlich weniger als bei anderen Zukäufen in der Branche

Kraft mit umgerechnet 29 Mrd. Euro Jahresumsatz kommt gemeinsam mit Cadbury (sieben Mrd.) auf 36 Mrd. Euro und rückt so näher an den Weltmarktführer bei Lebensmitteln heran, den Schweizer Nestlé-Konzern. Auf dem Markt für Süßigkeiten überholt Kraft nach der Übernahme von Cadbury die bisherige Nummer eins, Mars-Wrigley.

Kraft hatte seit September aggressiv um den britischen Traditionskonzern geworben. Um sein Wachstum anzukurbeln, bezahlt der Hersteller von Jacobs-Kaffee und Philadelphia-Käse jetzt 850 Pence je Cadbury-Aktie. 60 Prozent davon legt Kraft in bar auf den Tisch, den Rest in Aktien. Zusätzlich übernimmt Kraft die Schulden von Cadbury in Höhe von knapp 1,4 Mrd. Pfund.

Der Preis entspricht etwa dem 13-Fachen des Cadbury-Ergebnisses vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (Ebitda) im Jahr 2009. Er enthält einen 50-prozentigen Aufschlag auf den Cadbury-Aktienkurs vom Spätsommer 2009, bevor der Übernahmekampf begann. Am Dienstag stieg der Kurs zwischenzeitlich um gut drei Prozent auf 837 Pence.

Unterm Strich zahlt Kraft deutlich weniger für Cadbury als bei anderen Zukäufen in der Branche üblich – etwa 2008 bei der Übernahme von Wrigley durch Mars. Damals lag der Preis bei dem 18-Fachen des Ebitda.

Cadbury habe sich letztendlich überraschend kleinlaut in sein Schicksal gefügt und eher billig kaufen lassen, kommentierte Jeremy Batstone-Carr, Analyst bei dem Londoner Brokerhaus Charles Stanley. Ähnlich äußerte sich sein Kollege Graham Jones von Panmure: „Für Kraft ist das ein sehr guter Deal.“

Um die Übernahme zu stemmen, hatten die Amerikaner ihr Geschäft mit Tiefkühlpizzen an den Schweizer Rivalen Nestlé verkauft. Das brachte Kraft umgerechnet 2,6 Mrd. Euro ein. Der Konzern will zudem 265 Mio. neue Aktien ausgeben. Damit wird Kraft sein Kapital um 18 Prozent aufstocken. Dies ist weniger als geplant und hat daher einen großen Vorteil: Der Konzern braucht dafür nicht die Zustimmung seiner Aktionäre.

Ursprünglich war die Ausgabe von bis zu 370 Mio. neuen Aktien geplant. Großaktionär Warren Buffett sprach sich energisch dagegen aus. Buffett, dessen Beteiligungsgesellschaft Berkshire Hathaway mit 9,4 Prozent an Kraft beteiligt ist, warnte zudem, Kraft dürfe Cadbury nicht zu teuer kaufen. Nach Informationen des „Wall Street Journals“ ist er mittlerweile von dem Deal überzeugt.

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