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08.02.2012

15:32 Uhr

Risse in den Flügeln

Gesamte A380-Flotte muss zur Kontrolle

Die Europäische Agentur für Flugsicherheit greift durch: Alle Modelle des Riesen-Airbusses A380 müssen wegen der Haarrisse in den Flügeln kontrolliert werden. Kurz zuvor hatte die Qantas ein neuartiges Problem gemeldet.

Risse: Airbus A380 zum Flügel-Check

Video: Risse: Airbus A380 zum Flügel-Check

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Frankfurt/Sydney/Kuala LumpurNach dem Fund von Haarrissen an den Tragflächen des Airbus A380 sollen nun alle Maschinen vom gleichen Typ untersucht werden. Das ordnete die Europäische Agentur für Flugsicherheit (EASA) am Mittwoch nach Angaben eines Sprechers an. Anfang Januar waren 20 Maschinen betroffen, die schon 1300 Flüge absolviert hatten. Nun sollen innerhalb von sechs Wochen auch Maschinen untersucht werden, die etwas weniger als 1300 Flüge hinter sich haben. Innerhalb der Routineinspektionen müssen zudem auch alle übrigen A380-Flugzeuge überprüft werden. Es solle sichergestellt werden, dass es bei den Flugzeugen keine Sicherheitsprobleme gebe, sagte der EASA-Sprecher. Derzeit sind 68 der Riesenjumbos weltweit im Einsatz.

„Es geht um die Ausweitung einer laufenden Untersuchung“, erfuhr die Nachrichtenagentur Reuters am Mittwoch von mit der Angelegenheit vertrauten Personen, die sich nicht namentlich zitieren lassen wollten.

Die EADS -Tochter Airbus, die den A380 herstellt, lehnte einen Kommentar dazu ab. Airbus hat mehrfach betont, die Risse stellten keine Gefahr für die Flugsicherheit der A380-Maschinen dar. Als Ursache für die feinen Risse hat Airbus eine Kombination aus Mängeln bei Design und Fertigung der Tragflächen angegeben.

Nur wenige Stunden zuvor hatte die australische Fluggesellschaft Qantas einen A380 aus dem Verkehr gezogen, weil Mechaniker 36 Haarrisse in der Tragfläche entdeckt haben. Die Maschine soll nach Reparaturen nächste Woche wieder zum Einsatz kommen, teilte das Unternehmen am Mittwoch mit. Die Risse hätten die Flugsicherheit nicht beeinträchtigt. Die Risse seien aber nicht von derselben Art wie jene, die Anfang Januar in mehreren A380-Flugzeugen entdeckt worden waren. Dabei ging es um Risse an Flügelrippen-Verbindern.

Das neuerliche Problem wurde bei einer Untersuchung der Maschine entdeckt, die nach schweren Luftturbulenzen über Indien in Singapur gelandet war. Airbus habe zusätzliche Untersuchungen empfohlen, nachdem die Maschine nach Sydney weitergeflogen war, berichtete das Unternehmen. „Diese Risse hatten nichts mit den Turbulenzen zu tun“, sagte eine Qantas-Sprecherin. Es handele sich um einen Fertigungsfehler.

Die Ende Januar von der EASA angewiesene Überprüfung habe Qantas bei seinen Maschinen durchgeführt und keine dieser Risse an Flügelrippen-Verbindern gefunden, teilte die Sprecherin mit. „Was mögliche weitere Maßnahmen angeht, werden wir uns an Airbus-Anweisungen halten.“

Seit Ende Januar probt EADS den schwierigen Spagat zwischen Transparenz und Panikmache. Denn seitdem informieren der Flugzeughersteller und die Fluggesellschaften offen und aktiv über Haarrisse in den Flügeln des Topmodells A380.

Die bisherige Aktionärsstruktur bei EADS

European Aeronautic Defence and Space Company

EADS mit seiner Flugzeugbau-Tochter Airbus ist Europas dominierender Luft- und Raumfahrtkonzern. Die börsennotierte Aktiengesellschaft European Aeronautic Defence and Space Company (EADS) umfasst die wichtigsten Flugtechnikanbieter Deutschlands, Frankreichs und Spaniens. Der Konzern entstand im Juli 2000 nach langem Tauziehen um Standorte und Produktionsanteile.

Die französische Seite

Nach einem 2007 vereinbarten Aktionärspakt darf der französische Staat nur 15 Prozent der EADS-Anteile besitzen. Zusammen mit dem Medienkonzern Lagardère kommt er auf 22,45 Prozent der EADS-Aktien, wobei die Anteile in der Gesellschaft Sogeade gebündelt sind. Der Chef der Mediengruppe, Arnaud Lagardère, will seine 7,5 Prozent der Anteile mittelfristig verkaufen, erhebt aber seinen Anspruch auf den Mitte 2012 freiwerdenden Chefposten im Verwaltungsrat des Konzerns.

Die deutsche Seite

Mit 22,45 Prozent ist auch die deutsche Seite an EADS beteiligt. Bisher hielt DaimlerChrysler 15 Prozent und ein Konsortium von Bundesländern, privaten und öffentlichen Banken 7,5 Prozent. Allerdings behielt DaimlerChrysler nach dem ausgehandelten Kompromiss 22,5 Prozent der Stimmrechte und blieb so größter stimmberechtigter EADS-Einzelaktionär. 7,5 Prozent der EADS-Anteile soll nun die Staatsbank KfW übernehmen, so dass sich der Daimler-Anteil auf 7,5 Prozent reduziert.

Die spanische Seite

Weitere 4 Prozent an EADS hält die spanische Staatsholding SEPI, der Rest der Anteile in Höhe von 49,6 Prozent liegt im Streubesitz.

Der Aktionärspakt

Die deutschen, französischen und spanischen Haupteigentümer hatten sich bei der Gründung der EADS auf einen Pakt („Contractual Partnership“) verständigt, um das Unternehmen gegen feindliche Übernahmeversuche zu sichern und um das Heft bei dem Luftfahrt- und Rüstungskonzern in der Hand zu behalten.

Die Machtzentren

Die EADS hat ihren offiziellen Sitz in Amsterdam, in Paris und München sind die beiden Hauptzentren des Konzerns. Der Hauptsitz und die Zentrale der EADS-Tochtergesellschaft Airbus sind im französischen Toulouse angesiedelt. Hamburg wiederum ist der Sitz der deutschen Airbus-Tochtergesellschaft, die für die deutschen Werke zuständig ist.

Doch je mehr die Fluggesellschaften das Thema ansprechen, desto stärker sorgt es auch bei den Passagieren für Gesprächsstoff - und Verunsicherung. „Wir müssen aufpassen, dass uns das Thema nicht medial um die Ohren fliegt“, warnt ein Manager einer großen Airline.

Die Sorge ist berechtigt. Im November 2010 musste eine A380 der australischen Fluggesellschaft Qantas in Singapur notlanden, weil ein Triebwerk explodiert war. Der Fall sorgte weltweit für Aufsehen. Qantas zog daraufhin alle A380 für drei Wochen aus dem Verkehr und suchte nach den Ursachen. Auch andere Airlines überprüften ihre Maschinen.

Kommentare (6)

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Account gelöscht!

08.02.2012, 12:11 Uhr

Also ich wuerde nie mit einem A380 oder einem Dreamliner fliegen, selbst wenn sie dort Red Bull in Massen ausschuetten - verleiht ja angeblich Fluegel. Aber es wirkt nicht immer, wie kuerzlich der Sprung eines Ex-Red-Bull-Managers von einem Balkon im 18. Stock in Pattaya zeigte. Neben seiner Leiche wurden keine Fluegel gefunden ;-)

reisender

08.02.2012, 13:19 Uhr

Auch Verbundwerkstoffe schickt man btw nicht mal eben so in die Luft.
Daher hätte ich kein Problem bei der kommenden Buchung in einer A380 oder in einem Dreamliner zu sitzen.
Umso besser, dass bereits bei Haarrissen noch genauere Überprüfungen angeordnet werden.
btw: das Wort Wing kann man mit Flügel übersetzen.
Üblicherweise verfügt ein Flugzeug indes über Tragflächen.

Account gelöscht!

08.02.2012, 14:26 Uhr

Irgendwie ist die A-380 Geschichte mit dem Griechenland-Euro vergleichbar: alles bestens in Ordnung, eine super-einmalige Erfolgsgeschichte ist das Dingen... um am Ende festzustellen: unerträglich stinkig ist der Kack!

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