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05.06.2016

11:05 Uhr

Roboterbauer

Kuka soll deutsch bleiben

Das Übernahmeinteresse des chinesischen Konzerns Midea schürt Bedenken in der Politik. Werden die Kundendaten weitergegeben? Wandert die Zukunftstechnologie nach Asien ab? Doch der Kuka-Chef Till Reuter beruhigt.

Der Vorstandsvorsitzende der Kuka AG reagiert beruhigend auf die Sorgen der Politik. dpa

Till Reuter

Der Vorstandsvorsitzende der Kuka AG reagiert beruhigend auf die Sorgen der Politik.

Frankfurt/MainAngesichts des Interesses des chinesischen Haushaltsgerätekonzerns Midea am deutschen Roboterbauer Kuka versucht der Chef des Augsburger Unternehmens die Bedenken der Politik zu zerstreuen. „Kuka ist eine deutsche Firma und wir bleiben eine deutsche Firma“, sagte Kuka-Chef Till Reuter der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“. Die Datensicherheit sei ein zentrales Anliegen seines Unternehmens. „Die Daten unserer Kunden bekommt niemand, unabhängig von der Aktionärsstruktur.“

Midea hält bereits jetzt 13,5 Prozent an Kuka und strebt künftig einen Anteil von mindestens 30 Prozent an. In der deutschen und europäischen Politik hatte das jüngste Angebot der Chinesen für Aufregung gesorgt. In Berlin und Brüssel wurden Bedenken laut, dass wichtige Zukunftstechnologien von Europa nach Asien abwandern und sensible Kundendaten in fremde Hände geraten könnten. Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) sprach sich dafür aus, dass ein europäisches Konsortium ein Gegenangebot vorlegen sollte.

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Sie werden von Gewerkschaften gefürchtet, von Laien bestaunt und von den Chinesen umworben: Den Robotern von Kuka gehört die Zukunft. Warum sie so begehrt sind, zeigt eine Weißbier-Präsentation.

„Wenn sich aufgrund der Anstrengungen seitens der Politik neue Optionen ergeben sollten, dann werden wir diese genauso ergebnisoffen prüfen wie das Angebot von Midea“, sagte Reuter. Zugleich betonte er die Bedeutung von China für sein Unternehmen. „China ist entscheidend, weil es bereits heute der größte Robotermarkt ist. Wir machen dort genauso vertrauensvoll Geschäfte wie in anderen Ländern.“

EU-Kommissar Günther Oettinger blieb bei seiner Skepsis. „Ich muss mich einmischen, denn es geht um die weltweite Technologieführerschaft. Meine Hauptfrage ist daher: Wird damit der Standort Europa und unsere Technologiekompetenz gestärkt? Oder werden EU-Mittel verwendet, um Technologie aus Europa abzuziehen?“, sagte Oettinger der „Süddeutschen Zeitung“. Seit zwei Jahren bestehe eine mit Geldern aus dem EU-Haushalt geförderte öffentlich-private Partnerschaft zum Thema Robotics, an der auch Kuka beteiligt sei.

Diese deutschen Firmen gehören jetzt Chinesen

Putzmeister

Der Betonpumpen-Weltmarktführer Sany Heavy Industry übernimmt im Januar 2012 das schwäbische Unternehmen für gut 320 Millionen Euro.

Kiekert

Der Pekinger Automobilzulieferer Lingyun übernimmt 2012 den Weltmarktführer für Pkw-Schließsysteme aus Heiligenhaus (NRW).

Schwing

Die Xuzhou Construction Machinery Group (XCMG) wird im April 2012 Mehrheitseigener des westfälischen Betonpumpenherstellers. Der Verkaufspreis des Herner Unternehmens soll bei rund 300 Millionen Euro liegen.

Kion

2012 steigt der chinesische Nutzfahrzeugproduzent Weichai Power beim Gabelstaplerhersteller Kion ein. Die Chinesen kaufen zunächst für 467 Millionen Euro 25 Prozent an Kion und steigern 2015 ihren Anteil auf 38,25 Prozent. Außerdem erhält der Investor für 271 Millionen Euro eine Mehrheitsbeteiligung von 70 Prozent an der Hydrauliksparte Kions.

Solibro

Das insolvente Solarunternehmen Q-Cells vereinbart im Juni 2012 den Verkauf seiner Tochterfirma mit Sitz in Bitterfeld-Wolfen an die Pekinger Hanergy Holding Group.

Sunways

Der Konstanzer Photovoltaik-Konzern ging 2012 zum Schnäppchenpreis an den chinesischen Solarriesen LDK Solar. Doch 2013 und 2014 reichte Sunways jeweils einen Insolvenzantrag ein. Teile des Unternehmens wurden in der Folge an den chinesischen Solarkonzerns Shunfeng verkauft.

Tailored Blanks

Der Industriegüterkonzern Thyssen-Krupp schließt 2013 den Verkauf seiner Tochter an den chinesischen Stahlkonzern Wuhan Iron and Steel (Wisco) ab. Zum Preis machen beide Seiten keine Angaben.

Koki Technik Transmission Systems

Das chinesische Unternehmen Avic Electromechanical Systems (Avicem) – eine Tochter der staatlichen Unternehmensgruppe Aviation Industry Corporation of China (Avic) – übernimmt 2014 den sächsischen Autozulieferer. Ein Kaufpreis wird nicht genannt.

Hilite

Avic übernimmt 2014 für 473 Millionen Euro den deutschen Autozulieferer.

Krauss-Maffei

Im Januar 2016 verkauft Onex den Münchener Spezialmaschinenbauer Krauss-Maffei an ein Konsortium um die staatliche National Chemical Corporation (Chemchina). Der größte Chemiekonzern des Landes zahlt 925 Millionen Euro für den traditionsreichen Hersteller von Spritzgießmaschinen für die Kunststoff- und Gummi-Verarbeitung.

EEW

Die chinesische Holding Beijing Enterprises kauft im Februar 2016 den Abfallkonzern EEW Energy from Waste aus Helmstedt für 1,438 Milliarden Euro. Verkäufer ist der schwedische Investor EQT. EEW hat nach eigenen Angaben 1050 Mitarbeiter. Die 18 Anlagen der Gruppe können jährlich rund 4,7 Millionen Tonnen Abfall zu Energie machen und umweltschonend beseitigen. Die Fabriken erzeugen Prozessdampf für Industriebetriebe, Fernwärme für Wohngebiete und Strom für umgerechnet rund 700.000 Haushalte.

Manz

Die Shanghai Electric Group steigt im Frühjahr mit Anteilen von etwa 20 Prozent bei dem angeschlagenen Maschinenbauer ein.

Kuka

Das Augsburger Unternehmen Kuka baut nicht nur Roboter, sondern ist auch Systemanbieter rund um die digital vernetzte Industrie. Der chinesische Midea-Konzern hat Kuka ein Übernahmeangebot im Umfang von 4,5 Milliarden Euro gemacht und mit dessen Hilfe knapp 95 Prozent der Kuka-Anteile übernommen.

„Wir finanzieren das mit Geld aus dem EU-Haushalt, insgesamt sind es 700 Millionen Euro für den Zeitraum 2014 bis 2020. Und Kuka alleine hat 15 Millionen Euro an Forschungsgeldern bekommen“, sagte Oettinger. „Ich handle im Auftrag der europäischen Steuerzahler. Und die haben ein Interesse daran, dass wir unseren Forschungshaushalt einsetzen zur Stärkung der Industrie und zur Schaffung von Arbeitsplätzen in Europa."“

Von

afp

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