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10.09.2012

15:33 Uhr

Rohstoff-Giganten

Xstrata prüft neues Übernahmengebot von Glencore

In die geplante Milliarden-Übernahme der Rohstoffbranche kommt wieder Bewegung. Der Bergbaukonzern Xstrata prüft ein aufgestocktes Angebot des Rohstoffhändlers Glencore. Der kam dem Minenbetreiber entgegen.

Firmenzentrale von Glencore in der Schweiz: Entsteht ein neuer Megakonzern? dpa

Firmenzentrale von Glencore in der Schweiz: Entsteht ein neuer Megakonzern?

LondonDer Bergbaukonzern Xstrata will ein aufgestocktes Übernahmeangebot des Rohstoffhändlers Glencore zwei Wochen lang prüfen. Das kündigte der Verwaltungsrat des schweizerisch-britischen Konzerns am Montag an. Glencore hatte am Freitag bekanntgegeben, den Preis auf rund 36 Milliarden US-Dollar anzuheben. Zugleich reklamierte der Konzern aber praktisch die ganze Macht nach einem Zusammenschluss beider Unternehmen für sich und fing sich damit zunächst die Abweisung der Xstrata-Kontrolleure ein.

In dem Angebot gab sich Glencore zurückhaltender. Zwar betonte der Konzern, die angehobene Offerte sei das letzte Wort. Zugleich versicherte Glencore aber, an anderen mit Xstrata bereits getroffenen Vereinbarungen nun doch nicht rütteln zu wollen. Glencore bietet 3,05 eigene Aktien je Anteil des schweizerisch-britischen Bergbaukonzerns, bislang wollte der Konzern nur 2,8 Aktien bezahlen.

Der Zusammenschluss von Glencore und Xstrata

Mega-Fusion in der Rohstoffbranche

Bei einer Fusion des Rohstoffhändlers Glencore und des Bergbauunternehmens Xstrata entstünde ein Mega-Konzern, der vom Abbau von Industriemetallen und Brennstoffen bis hin zum Handel und Verkauf an den Endkunden alle Wertschöpfungsstufen abdeckt.

Glencore

Das 1974 vom Schweizer Rohstoffhändler Marc Rich gegründete Unternehmen Glencore (Global Energy Commodity and Resources) gilt als weltgrößter Rohstoffhändler. Es handelt mit Metallen und Mineralien wie Aluminium, Zink, Kupfer, Nickel, Kobalt und Eisenerz, aber auch mit Rohöl, Kohle und Koks. Drittes Standbein ist der Verkauf von Agrarprodukten wie Weizen, Gerste, Zucker, Mais und Speiseöl. Glencore beschäftigt mehr als 58.000 Menschen über 30 Ländern. An Xstrata hält das Unternehmen bereits rund 34 Prozent.

Xstrata

Die Wurzeln des weltweit tätigen Schweizer Bergbauunternehmens reichen bis ins Jahr 1926 zurück, als die Firma unter dem Namen Südelektra AG gegründet wurde. 1999 benannte sich das Unternehmen in Xstrata um und operiert inzwischen mit mehr als 70.000 Mitarbeitern in über 20 Ländern. Im Mittelpunkt stehen der Abbau von Kohle, Kupfer, Nickel und Zink sowie Legierungen für die Stahlindustrie und Technologien für den Bergbau. Der Umsatz lag 2011 bei rund 33,9 Milliarden US-Dollar.

Am Freitag hatte es noch so ausgesehen, als könne aus dem „Zusammenschluss unter Gleichen“ eine feindliche Übernahme werden. Ziel bleibe ein einvernehmliches Geschäft, hieß es jetzt. Wichtige Xstrata-Großaktionäre wie der Golfstaat Katar hatten das ursprüngliche Angebot als zu niedrig zurückgewiesen. Am Wochenende hielt sich der Staatsfonds Qatar Holding zunächst offen, ob er die neue Offerte annimmt.
Glencore und Xstrata hatten sich bereits im Februar auf den Zusammenschluss verständigt und für das Geschäft geworben. Mit der Übernahme von Xstrata durch Glencore soll eine Gesellschaft mit einem Jahresumsatz von fast 210 Milliarden Dollar entstehen.

Die größten Rohstoffkonzerne der Welt

Platz 5

Anglo American

Das südafrikanisch-britische Unternehmen verdient sein Geld vor allem mit Industrie- und Edelmetallen, Diamanten - und Kohle. Der Konzern machte 2014 insgesamt 20,4 Milliarden Dollar Umsatz. Zu dem Portfolio gehört etwa auch der Diamantenschürfer De Beers. Anglo American ist der größte Platinförderer der Welt.

Quelle: Bloomberg,

Platz 4

Xstrata

Der Minenkonzern Xstrata ist der größte Zinkproduzent der Welt und hat sich mit dem berühmt-berüchtigten Rohstoffhändler Glencore zusammengeschlossen. Xstrata hatte an der Börse einen Wert von 55,1 Milliarden Dollar. Beide Unternehmen aus der Schweiz waren bereits eng verflochten. Glencore hielt rund 34 Prozent an Xstrata.

Platz 3

Vale

Der brasilianische Rohstoffkonzern Vale kommt auf einen Börsenwert von 107,9 Milliarden US-Dollar. Das einstige Staatsunternehmen verzeichnete ein rasantes Wachstum und stieg zum weltweit größten Förderer von Eisenerz auf. Zudem betreibt Vale die weltgrößte Eisenerzmine in Brasilien. In der Ferr Carajas-Mine werden 110 Millionen Tonnen Erz pro Jahr gefördert. Der Grundstoff für die Stahlerzeugung wird über rund 900 Kilometer per Eisenbahn in den nächsten Hafen gefahren.

Platz 2

Rio Tinto

Der britisch-australische Gigant rangiert auf Platz zwei der Eisenerzförderer. Das Traditions-Unternehmen mit zwei Hauptsitzen, in London und Melbourne, kommt auf eine Börsenwert von 111,6 Milliarden Dollar. Zudem betreibt Rio Tinto wichtige Kupferminen, wie etwa in West Australien. Die Anglo-Australier übernahmen sich 2007 fast am Kauf des kanadischen Aluminiumkonzerns Alcan und wurden selbst Ziel eines Übernahmeversuchs durch den Konkurrenten BHP Billiton.

Platz 1

BHP Billiton

Ein echtes Schwergewicht an der Börse mit einer Marktkapitalisierung von 199,7 Milliarden Dollar ist der britisch-australische Gigant BHP Billiton. Das Unternehmen betreibt Eisenerz- und Kupferminen, erweitert aber auch sein Geschäft etwa auf Schiefergasressourcen in den USA.

Gemeinsam würden die beiden Unternehmen die gesamte Kette der Wertschöpfung von der Förderung über den Transport bis zum Verkauf von Bodenschätzen unter einem Dach vereinen und damit über eine entsprechende Marktmacht verfügen. Beide Konzerne haben vor allem aus steuerlichen Gründen ihren Hauptsitz nur wenige Kilometer voneinander entfernt im Schweizer Kanton Zug.

Von

dpa

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