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03.01.2008

00:00 Uhr

Rohstoffe

Auf Stahl-Suche im fünften Kontinent

VonUrs Wälterlin

Australische Rohstoffe haben Chinas Interesse geweckt: In Australien sind chinesische Firmen schon lange aktive Mitspieler in der Bergbauindustrie. Im Kampf gegen die Dominanz einer Hand voll westlicher Rohstoff-Megafirmen schließen Chinesen immer öfter strategische Allianzen mit australischen Unternehmen.

ADELAIDE. Die anhaltende Debatte um eine mögliche Fusion zwischen den globalen Ressourcengiganten BHP Billiton und Rio Tinto wurde in den letzten Wochen von Meldungen überschattet, dass sich China gegen die Pläne wehren wolle. So überlege sich das Land, einen genügend hohen Anteil von Rio-Tinto-Papieren zu erwerben, um die Mammuthochzeit blockieren zu können. Als wichtigster Abnehmer von Eisenerz aus den westaustralischen Minen der beiden Konzerne fürchtet China, dass ein Zusammenschluss zu einem Preisdiktat führen würde.

Doch China kämpft nicht nur an dieser Front gegen die Weltdominanz einer Hand voll westlicher Rohstoff-Megafirmen. In Australien sind chinesische Firmen schon lange aktive Mitspieler in der Bergbauindustrie. China sucht immer häufiger über Joint Ventures und andere Kooperationsformen Beteiligungen an australischen Rohstoffunternehmen. Das Ziel dieser strategischen Allianzen ist immer, Quellen von Basismetallen und anderen Mineralien möglichst langfristig zu erschließen. Im vergangenen Jahr meldete die westaustralische Gindalbie Metals ein Joint Venture mit Anshan Iron & Steel Group (Ansteel), dem zweitgrößtem Stahlhersteller Chinas. Die beiden Firmen werden im Rahmen eines Lieferabkommens gemeinsam eine Fabrik bauen, in denen das Eisenerz, das in der westaustralischen Karara-Mine kommt, zu Kugeln (Pellets) gepresst wird. Danach kann der Rohstoff in Hochöfen geschmolzen und zu Stahl verarbeitet werden. Die 180 Mio. australische Dollar teure Anlage wird künftig neben einem Ansteel-Hochofen in der nordostchinesischen Hafenstadt Yingkou gebaut.

Konzentrierten sich die Chinesen bisher vorwiegend auf den Bundesstaat Westaustralien, der an Rohstoffen besonders reich ist, scheint nun auch Südaustralien das Interesse kauffreudiger chinesischer Staatsunternehmen geweckt zu haben. So gab IMX Resources kürzlich bekannt, dass die chinesische Stahlgruppe Tonghua Iron and Steel für 16,4 Mio. Dollar eine Beteiligung von 9,9 Prozent am australischen Rohstoffkonzern erworben hat. Tonghua bezahlte pro IMX-Aktie 0,85 Dollar. Das sind 30 Prozent mehr als der Titel am Tag des Abschlusses an der australischen Börse gekostet hatte. Wie IMX-Manager Duncan McBain bestätigte, kaufen sich die Chinesen mit der Beteiligung das Recht auf Abnahme der zukünftigen Produktion der Cairn-Hill-Mine. In der Anlage, die nahe der südaustralischen Opal-Hauptstadt Coober Pedy liegt, will IMX Resources einen reichen Magnetit-/Gold- und Kupfererzkörper abbauen. Auch diese Beteiligung ist typisch für die Zusammenarbeit zwischen einer wachsenden Zahl australischer und chinesischer Firmen - eine Kooperation, von der beide Parteien auf verschiedene Weise profitieren.

China sichert sich über Jahre Nachschub an Basisrohstoffen, die es in großen Mengen benötigt. Nur so wird das Land die anhaltende Phase hohen wirtschaftlichen Wachstums am Leben erhalten. Australische Unternehmen dagegen profitieren von Kapital, das sie zur Entwicklung ihrer Projekte einsetzen und das sie anderweitig nicht so einfach aufbringen könnten - vor allem, wenn die Firmen gegenüber Investoren noch keine Produktion vorweisen können. Nicht zu unterschätzen sind auch die metallurgischen Kenntnisse der chinesischen Partner, die vor allem für australische Firmen interessant sind, die geologisch komplexe Erzkörper besitzen. So suchte IMX 15 Monate lang einen Partner, bis die Firma auf Tonghua stieß. "Tonghua hat das nötige Fachwissen, um den Kupferanteil in unserem Gestein vom Erz zu lösen und damit den Wert der Produkte zu erhöhen", sagt McBain. Tonghua plant den Bau einer Verarbeitungsanlage in China, in der die besondere Struktur des Materials aus der Cairn-Hill-Mine aufgebrochen und das Gestein zu hochwertigem Metall verarbeitet werden kann.

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