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17.09.2012

07:23 Uhr

Rohstoffe

Letzter Ausweg Öl-Rausch

VonSebastian Ertinger

Die Wirtschaft der Krisenländer Europas liegt darnieder. Doch Irland oder Griechenland schöpfen Hoffnung: Neu entdeckte Erdöl-Quellen sollen Milliarden in die Kassen spülen. Die Energie-Multis wittern das große Geschäft.

Die Euro-Krisenstaaten Irland und Griechenland hoffen auf einen Ölreichtum wie in der Nordsee oder am Persischen Golf. dapd

Die Euro-Krisenstaaten Irland und Griechenland hoffen auf einen Ölreichtum wie in der Nordsee oder am Persischen Golf.

DüsseldorfDer Aufschwung der im Süden Irlands gelegenen Hafenstadt Cork ist stehen geblieben. Neben modernen Bürogebäuden verfallen alte Lagerhallen. Die grauen Bruchstein-Baracken sollten zu schicken Einkaufspassagen aufpoliert werden. Doch die Ausläufer der Lehman-Pleite haben den Wirtschaftsboom auf der Grünen Insel abrupt beendet. Der Hausbau-Sektor steht still, die Banken ringen mit der Pleite.

Statt glänzender Glasfassaden dominieren nun Poster mit Sprüchen wie „Finanziert unsere Krankenhäuser, nicht die Banken“ oder „Irland kann sich den Kapitalismus nicht leisten“ die Bauruinen der zweitgrößten Metropole der Republik. Das Land musste seine europäischen Partner und den Internationalen Währungsfonds um Rettungsgarantien ich Höhe von rund 70 Milliarden Euro bitten.

Die Staaten mit dem größten Öldurst

Rang 10

Taiwan

Der Inselstaat importiert rund 1,0 Millionen Fass Öl am Tag. Ein Fass (Barrel) Öl entspricht rund 159 Litern. Taiwan rangiert auf dem zehnten Platz der Ölverbraucher.

Quelle: Internationale Energieagentur (EIA), Stand: August 2012

Rang 9

Italien

Die Bewohner des Stiefelstaats importieren rund 1,3 Millionen Fass Öl am Tag.

Rang 8

Spanien

Die gleiche Menge Rohöl führt Spanien ein. Dort sind es 1,3 Millionen Barrel am Tag.

Rang 7

Frankreich

Etwas mehr importieren die Nachbarn nördlich der Pyrenäen: Dort sind es 1,7 Millionen Fass Öl täglich.

Rang 6

Südkorea

Noch etwas mehr Öl schnappt sich Südkorea. Das Land importiert 2,3 Millionen Fass Öl.

Rang 5

Deutschland

Der Öldurst Deutschlands ist ähnlich groß wie von Südkorea: 2,3 Millionen Fass Öl importieren die Deutschen täglich.

Rang 4

Indien

Die gleiche Menge des Energieträgers wie Deutschland führt Indien ein. Das aufstrebende Land kommt auf 2,3 Millionen Fass Öl.

Rang 3

Japan

Deutlich mehr Volumen des Energieträgers führen die Japaner ein. Dort sind es 4,3 Millionen Fass täglich. Der Inselstaat ist damit der drittgrößte Ölimporteur der Welt.

Rang 2

China

Noch mehr des Rohstoffs holt die Volksrepublik ins Land. 5,5 Millionen Fass importieren die Chinesen täglich.

Rang 1

USA

Mit Abstand das meiste Erdöl importieren die USA: Mit 8,7 Millionen Fass täglich liegen die Amerikaner an der Spitze.

Doch nicht weit von Cork keimt Hoffnung für Irlands darbende Wirtschaft. Nur rund 75 Kilometer südlich der Küste hat das Unternehmen Providence Ressources im Atlantik nach Öl gebohrt – und ist fündig geworden. Die Ergebnisse von Probebohrungen zeigen nun, dass rund eine Milliarde Fass Öl (ein Barrel sind rund 159 Liter) im Meeresboden lagern.

Damit rangiert das Feld immerhin unter den größeren Erdölquellen. Die Ölsucher hoffen auf weitere Funde in dem Gebiet. „Es könnte die neue Nordsee werden“, sagt Tony O’Reilly, Chef des Explorers Providence Ressources. Auf der Grünen Insel keimt die Hoffnung auf einen Öl-Boom, der auch die leere Staatskasse füllen könnte. Proteste gegen die geplante Erschließung des Erdöls blieben bislang aus.

Denn die gebeutelten Schuldenstaaten Europas suchen den Ausweg aus Wirtschaftskrise und Arbeitslosigkeit  zunehmend bei der Rückbesinnung auf die eigenen Bodenschätze. Die Regierungen hoffen so, den in Trümmern liegenden Volkswirtschaften einen Anschub zu geben. Und die klammen Finanzminister hoffen natürlich auch auf Milliardenschwere Einnahmen. Großbritannien etwa kassierte dank der Nordsee-Ölfelder in den vergangenen Jahren rund 300 Milliarden Pfund. 

Neben Irland hofft auch Griechenland auf reiche Ressourcen aus dem Meer. Vor der Insel Kreta lässt der Energieminister nach Öl- und Gasvorkommen fahnden. „Es gibt ernstzunehmende Aussichten“, sagte Minister Evangelos Livieratos im Parlament. Den Auftrag für entsprechende Untersuchungen erhielt eine Firma aus Norwegen.

Die größten börsennotierten Ölkonzerne der Welt

Die größten Öl- und Gaskonzerne

Sie fördern und raffinieren Erdöl oder Gas und betreiben riesige Tankstellennetze. Wie viel die zehn größten Öl- und Gaskonzerne der Welt an der Börse wert sind.

Quelle: Bloomberg, Stand: 26.7.2012

Platz 10

ENI (Italien)

Der italienische Öl- und Gaskonzern erreicht mit einer Marktkapitalisierung von 70 Milliarden Dollar Rang zehn unter den Energiekonzernen. Das Unternehmen mit Sitz in Rom ist der größte Gasversorger Italiens. Neben dem Öl- und Gasgeschäft mit Exploration, Förderung, Raffinerie und Vertrieb sind die Italiener auch im Stromgeschäft aktiv.

Platz 9

Sinopec (China)

Der chinesische Mineralölriese zählt zu den größten Energiekonzernen des Landes und erreicht an der Börse eine Marktkapitalisierung von 80,9 Milliarden Dollar. Das Unternehmen mit Sitz in Peking ist im Hang-Seng-Index notiert.

Platz 8

Total (Frankreich)

Die Franzosen betreiben in Europa ein dichtes Tankstellennetz. In mehr als 30 Ländern fördert der Konzern Öl und Gas. Der Konzern mit Sitz in Courbevoie nahe Paris erreicht einen Börsenwert von 124 Milliarden Dollar.

Platz 7

Gazprom (Russland)

Der russische Konzern rangiert an der Weltspitze der Gasförderer. Das Moskauer Unternehmen ist an der Börse mit 116 Milliarden Dollar bewertet. Gazprom kontrolliert fast die gesamte Erdgasförderung Russlands.

Platz 6

Petrobras (Brasilien)

Der halbstaatliche Konzern mit Sitz in Rio de Janeiro hat eine Marktkapitalisierung von 125,1 Milliarden Dollar. Die Brasilianer sind besonders in der Offshore-Förderung von Öl stark. Der Konzern wurde ursprünglich zur Abwehr von US-Konzernen gegründet.

Platz 5

BP (Großbritannien)

Die Katastrophe im Golf von Mexiko hat den Konzern in Bedrängnis gebracht. Aktuell ist das Unternehmen mit 129,1 Milliarden Dollar bewertet. In Deutschland wird Benzin und Diesel unter der Marke Aral vertrieben.

Platz 4

Chevron (USA)

Der US-Konzern ist auf dem Parkett 213,4 Milliarden Dollar wert. Die Hauptsitze sind im kalifornischen San Ramon sowie im brasilianischen Fortaleza. Der Konzern ist im Bereich der geothermischen Energiegewinnung führend.

Platz 3

Royal Dutch Shell (Großbritannien)

Das Unternehmen mit Sitz in London und Den Haag zählt zu den drei größten Öl- und Gaskonzernen der Welt. Shell ist in mehr als 180 Ländern aktiv. An der Börse ist der Konzern mit 216,4 Milliarden Dollar bewertet.

Platz 2

PetroChina (China)

Die Chinesen schoben sich auf rang zwei der größten Öl- und Gaskonzerne vor. An der Börse ist der Konzern 249,2 Milliarden Dollar wert. Das Unternehmen ist besonders im Sudan aktiv und steht deswegen in der Kritik.

Platz 1

Exxon Mobil (USA)

Die Spitze der Öl- und Gaskonzerne erobert Exxon Mobil mit einer Marktkapitalisierung von 399,7 Milliarden Dollar. Das Unternehmen entstand 1999 durch den Zusammenschluss von Exxon mit Mobil Oil. Das Unternehmen gilt als Nachfolger der Standard Oil Company des legendären Milliardärs John D. Rockefeller.

Livieratos geht davon aus, dass die Ergebnisse 2014 vorliegen. Danach könnten dann auch die ersten Probebohrungen starten. Geologen schätzen die Chancen recht hoch ein, dass die Bohrtrupps südlich der Insel Kreta auf Öl und Gas stoßen.

Griechenland fördert seit Mitte der 1970er Jahre aus einem kleinen Feld vor der Küste der Hafenstadt Kavala im Norden des Landes Erdöl. Das Volumen deckt aber nur etwa fünf Prozent des Bedarfs ab. Ende 2011 waren südlich von Zypern reiche Erdgasvorkommen entdeckt worden.

Kommentare (6)

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Account gelöscht!

17.09.2012, 07:45 Uhr

Mir fehlt, neben der Editierfunktion, auch eine Ignore-Funktion, die Type MI6 verschwendet meine Zeit, und sicher auch die anderer Leute, die gerne wirklich diskutieren und nicht nur Foren mit Parolen beschallen wollen.

Kassandra

17.09.2012, 09:23 Uhr

"Ende 2011 waren südlich von Zypern reiche Erdgasvorkommen entdeckt worden"

So ein Unfug. Die Erdöl und Erdgas vorkommen sind spätestens seit Anfang des 20. Jahrhundert bekannt. Was nicht bedeutet, dass uns nicht schon aus der Antike schriftliche Nachweise über das Erdöl vorliegen.

Selbst der Spiegel schrieb in seiner Ausgabe 12/1974 http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-41722030.html über den Reichtum in der Ägäis. In diesem Zusammenhang ist auch der Zypernkonfikt zu sehen. Ja man muß zwangsläufig annehmen, dass der Konkurs Griechenlands von einer internationalen Wirtschaftsmafia schon lange geplant ist um den Griechen die 'Neuen' Verträge zu diktieren.
Würde mich nicht wundern, wenn der desinformierte europäische Steuerzahler jetzt völlig die Orientierung verliert und statt der Brüssler Politriege den Griechen den Betrug vorwirft.

Account gelöscht!

17.09.2012, 09:46 Uhr

Nach Öl bohren? Könnte ja funktionieren, ist aber umständlich.
Nach Geld bohren ist viiiel einfacher, der Erfolg unmittelbar und seit neuestem sind die Quellen unerschöpflich! Bin schon dabei.

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