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01.10.2012

08:26 Uhr

Rohstoffe

Wo Deutschlands heimlicher Reichtum lagert

VonSebastian Ertinger

Deutschland hängt am Tropf von Rohstoffeinfuhren. Dabei stecken reiche Schätze in der Tiefe. Der Autor Christoph Seidler hat aufgespürt, wo Firmen hierzulande nach Kupfer, Öl und sogar Gold und Seltenen Erden suchen.

Goldwäsche für Touristen: Die Suche nach Rheingold lohnt sich auch im großen Stil. dpa

Goldwäsche für Touristen: Die Suche nach Rheingold lohnt sich auch im großen Stil.

DüsseldorfDas graugrüne Seewasser brodelt. Langsam taucht eine riesige Baggerschaufel aus den weißen Strudeln auf. Dicke Stahlseile ziehen den mit 20 Tonnen Steinen, Schlick und Sand beladenen Greifer aus dem Kiessee. In dem ehemaligen Flusslauf des Rheins nördlich von Karlsruhe gräbt der Schweizer Baustoffkonzern Holcim nach Grundstoffen für die Zementherstellung.

In dem pfälzischen Ort Rheinzabern fördern die Schweizer 500.000 bis 600.000 Tonnen Kies und Sand im Jahr – aber nebenbei auch noch ein paar Kilogramm Gold. Der Baustoffkonzern ist damit Deutschlands einziger offizieller Goldproduzent. Mit anschaulichen Beispielen wie diesen Rheingold-Funden zeigt der Autor Christoph Seidler: Deutschland ist überraschend reich an Rohstoffen.

In seinem neuen Buch „Deutschlands verborgene Rohstoffe“ geht der „Spiegel-Online“-Journalist auf Heimat-Rundreise. Er besucht Orte, an denen überraschend Bodenschätze ruhen. Er erkundet alte Bergwerke im Erzgebirge und schippert zu Deutschlands einziger Ölbohrinsel Mittelplate im Nationalpark Schleswig-Holstein. Anschaulich zeigt der Autor dabei, dass Deutschland entgegen aller Schwarzmalerei und Unkenrufe durchaus noch über bemerkenswerte Rohstoffvorkommen verfügt.

Er fördert dabei mitunter erstaunliche und überraschende Projekte zutage die zeigen, dass der längst tot geglaubte Bergbau in Deutschland durchaus noch am Leben ist – und vielleicht noch eine glorreiche Zukunft vor sich hat. Gewiss, viele Vorkommen sind erschöpft. Die deutsche Ölförderung etwa spielt kaum noch eine nennenswerte Rolle. Die Gruben mit Erzen und Spat im Erzgebirge haben ihre Hochphase hinter sich. Viele Gruben sind längst ausgeschlachtet. Doch auch die zum Teil geringen verbliebenen Vorkommen können künftig wieder eine größere Rolle spielen. 

Welche Grundgüter Deutschland importiert

Deutsche Rohstoff-Einfuhren

Deutschland importierte im Jahr 2010 Grundgüter im Wert von 109,3 Milliarden Euro. Diese teilen sich auf die einzelnen Rohstoffe wie folgendermaßen auf:

Quelle: Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR)/Deutsche Rohstoffagentur (DERA)

Rang 9

Auf sogenannte Nichtmetalle entfallen 1,9 Prozent der Rohstoffimporte Deutschlands. Dazu zählen etwa Schwefel, Phosphor oder Edelgase sowie Sauerstoff und Stickstoff.

Rang 8

Eine relativ geringe Bedeutung bei den Rohstoffimporten nimmt Kohle ein. Auf den Rohstoff entfallen 4,3 Prozent der Einfuhren.

Rang 7

Stahlveredler wie Chrom, Cobalt, Mangan oder Molybdän und Wolfram machen 5,2 Prozent der deutschen Rohstoffimporte aus.

Rang 6

Eisen- und Stahlimporte erreichen einen Anteil von 5,9 Prozent der Einfuhren.

Rang 5

Immerhin den fünften Platz der wichtigsten Einfuhren nach Deutschland nehmen Edelmetalle wie Gold, Silber oder Platin ein. Diese werden nicht nur als Schmuck, sondern auch in der Elektroindustrie, der Medizintechnik oder der Autozuliefer-Branche benötigt. Der Anteil von Gold & Co. erreicht 8,5 Prozent der Einfuhren.

Rang 4

Immerhin 13 Prozent der Rohstoff-Einfuhren entfallen auf Energierohstoffe abseits von Öl, Gas oder Kohle. Dazu zählen etwa Kernbrennstoffe wie Uran oder Brennmaterialien für Erneuerbare Energien.

Rang 3

Auf dem dritten Platz der wichtigsten Grundgüterimporte rangieren Nichteisen-Metalle mit einem Anteil von 14,9 Prozent. Dazu zählen etwa Kupfer, Aluminium, Zink, Bronze oder Messing.

Rang 2

Der zweitwichtigste Rohstoff für Deutschland ist Erdgas mit einem Anteil von 21,6 Prozent.

Rang 1

Der wichtigste Rohstoff, den Deutschland importiert, ist Erdöl. Sein Anteil an den Grundgüter-Einfuhren beziffert sich auf 36,4 Prozent.

Um zu zeigen, warum die heimischen Vorkommen wieder an Bedeutung gewinnen, beginnt Seidler seine Reise außerhalb Deutschlands. Er fliegt nach Großbritannien und besucht die London Metals Exchange (LME). Der wichtigste Handelsplatz für Industriemetalle versteckt sich in einem grauen Altbau in der Leadenhall Street. Nach außen unscheinbar, regiert im Inneren die Hektik.

Das Herz der Börse ist eine mit rotem Leder bezogene, runde Sitzgruppe. In dem Kreis sitzend, rufen sich die Händler während der Handelssitzungen die Angebote zu – oder schließen per Handzeichen Deals ab. Drumherum gruppieren sich die Assistenten, jeweils zwei Telefonhörer an die Ohren gepresst. Den Rohstoff-Handel wickeln hier noch über Menschen ab, nicht über Computer. Das einzige Zugeständnis an die Moderne sind Anzeigetafeln mit den aktuellen Kursen an den Wänden des Handelssaals.

Kommentare (19)

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Account gelöscht!

01.10.2012, 09:07 Uhr

Reichtum für wen? Allgemein machen die Konzerne große Gewinne, Arbeitsplätze entstehen kaum, die Kommunen bleiben auf den Infrastrukturproblemen sitzen. Den Bürgern der betroffenen Gebiete bleibt eine zerstörte Landschaft!

vandale

01.10.2012, 09:53 Uhr

Hallo Ihr..Haben Sie schon mal von dem Wort Steuern gehört?

Für diejenigen die ein wenig offener sind....In Deutschland wird der Gewinn von Unternehmen besteuert. Gemeinden erheben beispielsweise Gewerbesteuern die auch Bergwerke entrichten müssen.

Allerdings kommen die Steuern selten qualifizierten Erwerbstätigen zugute. Ein sehr grosser Teil der Steuern fliesst in diverse sozialistische Wunderwerke, den staatlichen Apparat und da diesem die enormen Steuereinnahmen aus extremen Steuersätzen mittlerweile zu den Ohren hinausfliessen überweist man einen erheblichen Teil des Geldes an überschuldete südeuropäische Staaten.

Vandale

Account gelöscht!

01.10.2012, 10:17 Uhr

@vandale,
ja,ja Steuern von Großkonzernen welche die Gewinne in Deutschland mit Verlusten im Ausland verrechnen könne, dazu günstiger Stromtarif wegen hohen Energiebedarf, dafür darf als Ausgleich dann der normale Stromkunde etwas mehr bezahlen. Wie bereits @ihr geschrieben hat die Beseitigungskosten übernimmt natürlich auch nicht das Unternehmen sondern die Allgemeinheit, Was glauben Sie eigentlich wer von den ganzen Subventionen profitiert? Sicher nicht die normalen Steuerzahler.

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