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05.11.2015

10:16 Uhr

Rohstoffkonzern aus Österreich

Ölpreis-Verfall geht OMV an die Substanz

Der Gewinn steigt, die Erwartungen der Analysten sind übertroffen – doch beim österreichischen Öl- und Gaskonzern OMV ist die Stimmung alles andere als gut. Der Ölpreis-Verfall macht dem Konzern immer mehr zu schaffen.

Dem österreichischen Öl- und Gaskonzern macht der Ölpreis-Verfall zu schaffen. Reuters

OMV

Dem österreichischen Öl- und Gaskonzern macht der Ölpreis-Verfall zu schaffen.

WienDer Ölpreis-Verfall setzt dem österreichischen Öl- und Gaskonzern OMV immer stärker zu. Der um Lagereffekte bereinigte operative Gewinn (CCS Ebit) brach im dritten Quartal um ein Viertel auf 495 Millionen Euro ein, wie OMV am Donnerstag mitteilte. Der Rückgang fiel aber nicht so stark aus wie von Experten befürchtet. Deshalb lagen die Aktien im frühen Handel gut ein Prozent im Plus. Abgefedert wurden die sinkenden Erträge in der Ölförderung erneut von einem starken Raffineriegeschäft. „In diesem niedrigen Ölpreisumfeld profitierten die Ergebnisse weiterhin vom integrierten Geschäftsmodell“, erläutere Konzernchef Rainer Seele.

Das Raffineriegeschäft – die Herstellung von Benzin und Diesel sowie anderen Produkten aus Rohöl – ist seit dem Absturz des Ölpreises zu einem wichtigen Standbein für den Konzern geworden. Die hohe Nachfrage nach Mineralölprodukten habe erneut das Ergebnis unterstützt, teilte die OMV mit. Die entsprechende Raffineriemarge stieg im dritten Quartal auf 7,84 (Vorjahr: 4,90) Dollar je Barrel. Für das Schlussquartal erwartet die OMV jedoch aufgrund einer saisonal niedrigen Nachfrage und weiterhin bestehenden Überkapazitäten einen Rückgang der Marge.

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Angesichts der schwächelnden Ölförderung hat der seit Juli amtierende neue Firmenchef eine Überprüfung der Ausrichtung angekündigt. Obwohl das Raffinerie-Geschäft auf Hochtouren läuft, will die OMV an ihrem derzeitigen Fokus - die Suche und Förderung von Öl und Gas - im Grunde festhalten. Die Ergebnisse der Strategie-Überprüfung will die OMV erst im Februar präsentieren. Der Absturz des Ölpreises ist eine der größten Herausforderungen für die Firmen der Branche.

Der Preis für einen Barrel der Sorte Brent hat sich innerhalb eines Jahres auf rund 50 Dollar etwa halbiert. Da keine wirkliche Erholung in Sicht ist, musste die OMV im dritten Quartal eine Abschreibung in der Höhe von eine Milliarde Euro vornehmen. Auch die Branchenriesen Royal Dutch Shell oder Total meldeten kürzlich herbe Gewinneinbußen. Der italienische Eni -Konzern rutschte sogar in die roten Zahlen. OMV strich Investitionen zusammen und trat auf die Kostenbremse. Um Geld in die Kassen zu spülen, sollen nun bis zu 49 Prozent an der Tochter Gas Connect Austria verkauft werden. Weitere Verkäufe sind nicht ausgeschlossen.

Eine Geschäftsankurbelung erhofft sich die OMV auch von einer Zusammenarbeit mit dem russischen Energiemonopolisten Gazprom. Neben der Entwicklung einer Öl- und Gas-Lagerstätte in Sibirien beteiligen sich die Österreicher in einem Konsortium mit der BASF -Tochter Wintershall, E.ON und Shell am Ausbau der Gaspipeline Nord Stream. Den Deal mit den Russen will die OMV über einen Tausch von Vermögenswerten abwickeln. Details sind noch nicht bekannt.

Von

rtr

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