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16.03.2011

13:50 Uhr

Rosatom-Pläne

Siemens sollte den Atom-Ausstieg durchziehen

VonThorsten Giersch

Noch vor kurzem sprach Siemens angesichts der sich anbahnenden Partnerschaft mit dem russischen Nuklearkonzern Rosatom von einer „Renaissance der Atomkraft“. Davon kann nun keine Rede mehr sein. Siemens sollte den Markt verlassen. Ein Kommentar von Thorsten Giersch.

Two Face ist einer der härtesten Gegner des Comic-Helden Batman. Lange Zeit leidet der arme Wicht unter den zwei Seiten, die diametral außeinanderstreben. Am Ende muss Two Face sterben, weil er sich für seine schlechte Seite entscheidet.

Ähnlich ist es bei Siemens. Und der Münchener Konzern muss gerade jetzt aufpassen, nicht in die verkehrte Richtung zu gehen. Denn auf der einen Seite setzt Siemens auf das Geschäft mit erneuerbaren Energien wie Windkraft. Auf der anderen Seite wollen die Münchener verstärkt mit Atomkraft Geld verdienen.

Zwar ist Siemens dabei, seine Beteiligung an dem französischen Nuklearkonzern Areva zu verkaufen – der Wert wurde gestern auf 1,62 Milliarden Euro festgelegt. Aber seit 2009 führen die Münchener Verhandlungen mit dem russischen Konzern Rosatom.

Der russische Atommarkt gilt bei Siemens als lukrativ. Von einer „Renaissance“ der Atomenergie sprachen Verantwortliche noch vor kurzem. Davon ist nach dem Drama in Japan keine Rede mehr. Mehr denn je steht das Atom-Engagement des Konzerns infrage.

Siemens täte gut daran, es ruhen zu lassen. Die deutsche Politik kann so eine brisante Allianz nach den Geschehnissen in Japan nicht mehr gutheißen. Und Siemens sollte es sich nicht gleichzeitig mit der Regierung und der ohnehin atomfeindlichen Opposition verscherzen. Noch kann sich Siemens elegant aus der Nummer verabschieden.

Denn schließlich gibt es auf dem entgegensetzten  Feld Möglichkeiten genug, um nicht zuletzt das Geld aus der Areva-Beteiligung zu investieren: Siemens hat beste Chancen, einer der Weltmarktführer im Markt für ökologische Kraftwerkstechnik zu werden. Das ist nicht nur moralisch wie politisch vertretbarer – es ist auch sicherer. Denn auf Atomkraft zu setzen bedeutet mehr denn je, auf einen Markt mit vielen Risiken und Zweifeln zu wetten.

Kommentare (2)

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Account gelöscht!

16.03.2011, 15:37 Uhr

Danke für diesen Beitrag.
Jeder Andersdenkende möchte sich doch einfach mal folgende Frage ernshaft beantworten: "Würde ich mit meiner Familie 5 km neben einem AKW wohnen wollen?" Wenn nicht: "Warum denn nicht?" Fragen Sie doch mal Ihre Kinder.
Liebe Lobbyisten
Bitte hören Sie auf Stimmung zu machen gegen Merkels Beschluß.

omontono

10.04.2011, 17:36 Uhr

Kein anderes Land der Welt ist hierbei so hysterisch zu Gange, wie Deutschland es wieder einmal macht.

In 9000 Kilometern Entfernung wackelt die Erde und hier wird sofort die gesamte Atomtechnologie über Bord geworfen.

Großkonzerne sollten langfristig planen und groß im Denken sein und nicht kurzsichtig und kleinkariert auf jeden Medienhype eingehen. Wankelmut tut selten gut. Und auch die Atomtechnologie entwickelt sich weiter.



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