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22.10.2012

14:16 Uhr

Rosneft-BP-Deal

Der Ölprinz

Russlands Präsident Putin schmiedet den größten Ölkonzern der Welt. Mit der Übernahme von TNK-BP durch den Staatskonzern Rosneft gewinnt der Kreml den Einfluss über die Rohstoffe des Landes zurück. Auf wessen Kosten?

Rosneft steigt zum größten Ölkonzern der Welt auf. dapd

Rosneft steigt zum größten Ölkonzern der Welt auf.

Moskau/DüsseldorfDer russische Staatskonzern Rosneft steigt unter Mithilfe von Präsident Wladimir Putin zum weltgrößten börsennotierten Energieunternehmen auf. Rosneft erklärte am Montag, für etwa 55 Milliarden Dollar die drittgrößte russische Ölfirma TNK-BP zu übernehmen. Sie gehörte bislang je zur Hälfte dem britischen Ölmulti BP und vier russischen Milliardären. Putin sagte, für Rosneft sei der Kauf „ein gutes Geschäft zu einem guten Preis“. Über eine entsprechende Einigung war seit Tagen spekuliert worden.

Besitzt Rosneft alle TNK-BP-Anteile, rückt der Konzern noch vor den ebenfalls börsennotierte Ölriesen Exxon. Putin kommt damit einen großen Schritt bei seinen Plänen voran, die staatliche Kontrolle über weite Teile der Industrie zurückzugewinnen. Viele Branchen waren nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion in den 1990er Jahren hastig privatisiert worden.

TNK-BP: Wie das britische Russland-Abenteuer zum Kreml-Krimi wurde

TNK-BP

Wie das britische Russland-Abenteuer zum Kreml-Krimi wurde

Es sollte eine Investition in die Zukunft der Ölförderung sein. Doch am Ende handelte sich der britische Konzern BP mit seinem Russland-Abenteuer vor allem Ärger ein. Ein grotesker Wirtschafts- und Politkrimi entflammte.

Rosneft erklärte, der Firma AAR der russischen Oligarchen knapp 28 Milliarden Dollar für deren Anteil von 50 Prozent an TNK-BP zu zahlen. Auch der Kaufpreis an BP habe in etwa dieses Volumen. BP teilte mit, 17,1 Milliarden Dollar in bar und knapp 20 Prozent der Rosneft-Aktien zu erhalten.

BP fördert damit künftig zwar weniger Öl in dem rohstoffreichen Land, könnte sich aber bei künftigen Projekten auf engere Verbindungen zu Putin und dem Rosneft-Chef Igor Setschin stützen. Putin selbst hatte sich im September mit den Spitzen von BP und Rosneft zu Gesprächen über den TNK-BP-Verkauf getroffen.

Der jahrelange Krimi um den Ölriesen TNK-BP

2003

Der britische Ölkonzern BP und ein Konsortium aus vier russischen Oligarchen mit dem Namen AAR gründen den Gemeinschaftskonzern TNK-BP. Die Konzerne legen damit ihre Förderanlagen, Raffinerien und Pipelines in Russland und der Ukraine zusammen.

2004

Russlands Präsident Putin will einen nationalen Energiekonzern schmieden. Er drängt den Gasriesen Gazprom und den Ölkonzern Rosneft zu einem Zusammenschluss. Doch die damals rund 7,6 Milliarden Dollar schwere Fusion scheitert. Die beiden Konzerne können sich nicht auf die Bedingungen eines Zusammenschlusses einigen.

2008

Zwischen den TNK-BP-Eignern BP und AAR entbrennt ein Streit über die Ausrichtung und Strategie des Gemeinschaftsunternehmens. Der Konflikt eskaliert, sogar der Kreml schaltet sich ein. BP-Techniker dürfen nicht mehr in Russland arbeiten.
Im Juni wird sogar dem damaligen BP-Manager und TNK-BP-Chef Bob Dudley das Visum entzogen. Er flieht aus Russland und leitet den Konzern fünf Monate lang von einem geheimen Ort aus.
Nach langen Verhandlungen unterzeichnen AAR und BP ein Memorandum, das die Streitigkeiten beilegen soll. Dudley tritt zurück und die russischen Oligarchen installieren einen eigenen Konzernchef. Heute ist Dudley Vorstandschef von BP.

2010

Der Streit zwischen den TNK-BP-Eignern scheint beigelegt. BP-Manager und AAR-Vertreter treten erstmals seit dem Streit wieder gemeinsam in der Öffentlichkeit auf.

2011

BP und Rosneft Unternehmen wollen gemeinsam Öl- und Gasvorkommen in der Arktis ausbeuten. Doch der Milliardendeal scheitert am Widerstand von TNK-BP-Aktionären, die sich übergangen fühlten. BP hätte laut Aktionärsvertrag zunächst TNK-BP das Geschäft vorschlagen müssen. Der TNK-BP-Minderheitsaktionär Andrej Prochorow verklagt BP auf elf Milliarden Dollar.

Juli 2012

Ein Schiedsgericht in der sibirischen Stadt Tjumen gibt der Klage des TNK-BP-Minderheitsaktionärs Andrej Prochorow Recht. BP will seinen Anteil an TNK-BP inzwischen verkaufen. Mal will das Oligarchen-Konsortium AAR zugreifen und sich das Gemeinschaftsunternehmen komplett aneignen. Mal signalisiert aber der Ölkonzern Rosneft Interesse.

Oktober 2012

Der Energieriese Rosneft könnte sowohl den BP-Anteil an TNK-BP, als auch den AAR-Anteil übernehmen.


BP kann zudem nun die von heftigen Streitereien geprägte Allianz mit den Oligarchen zu den Akten legen. Dabei ging es um lukrative Förderquellen in der Arktis, wo Experten ein Fünftel der weltweit noch unentdeckten Ölvorkommen vermuten. BP wollte bei der Erschließung von Feldern in der Region mit Rosneft zusammenarbeiten.


Kommentare (4)

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PubliusAeliusHadrianusGraeculus

22.10.2012, 16:20 Uhr

Einspruch! Prinz ist doch etwas bescheiden formuliert. Dennoch in unsicheren Zeiten die beste Option, die Russland hat.

mon_y.burns@dynip.name

22.10.2012, 16:33 Uhr

Vorurf: Rosfneft wollte im Falle einer MOBILMACHUNG das ganze Öl für die russsiche Verteidigung an die Feinde aus US-Army liefern. Überhaupt muß auf jeden Fall verihundert werden das STRATEGISCHE Treibstoffreserven in die Hände des gegener fallen der damit weiter vorrücken kann. ISehe Sadam Husseins verbrannte Erde.

No-FOOD-for-Oil

22.10.2012, 16:41 Uhr

Haben euch Powell/Rumsfeld schon Putins versteckten Massenvernichtungswaffen auf Google-Earth Ausdrucken gezeigt?

http://www.welt.de/img/dc5-images/crop102071587/5490719839-ci3x2l-w580-aoriginal-h386-l0/bs-06-21-DW-Kultur-Berlin.jpg

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