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02.03.2006

11:59 Uhr

Rote Zahlen

Adidas und Reebok bremsen sich gegenseitig aus

Der weltweit zweitgrößte Sportartikelhersteller Adidas hat im vierten Quartal 2005 überraschend Verluste geschrieben. Auch im Gesamtjahr lief es nicht rund. Grund sind die hohen Kosten für die Integration von Reebok. Das gerade übernommene US-Unternehmen leidet allerdings ebenfalls.

HB HERZOGENAURACH. Unter dem Strich sei ein Minus von 4 Mill. Euro verbucht worden nach einem Gewinn von 20 Mill. Euro ein Jahr zuvor, teilte Adidas am Donnerstag mit. Damit verfehlte das Unternehmen die Erwartungen von Analysten, die im Durchschnitt noch mit einem Gewinn von 3 Mill. Euro gerechnet hatten. Auch im Gesamtjahr verpasste Adidas die Erwartungen der Experten. Zwar stieg das Nettoergebnis um 21,8 Prozent auf 383 Mill. Euro, die Analysten hatten aber mit 392 Mill. Euro gerechnet.

Bei Umsatz und Auftragsbestand spürt Adidas hingegen bereits positive Impulse durch die Fußball-Weltmeisterschaft im eigenen Land. Der Konzernumsatz legte im Schlussquartal um satte 27,2 Prozent auf 1,52 Mrd. Euro zu. Im vierten Quartal legte der Konzernumsatz um satte 27,2 Prozent auf 1,52 Mrd. Euro zu, im Gesamtjahr um rund 13 Prozent auf 6,64 Mrd. Euro. Der Auftragsbestand stieg bis zum Jahresende um 15 Prozent.

Für 2006 rechnet Adidas – inklusive Reebok – mit einem Umsatzplus im hohen zweistelligen Prozentbereich. Der Gewinn soll ebenso prozentual zweistellig zulegen. Sorge mache allerdings die derzeitige Entwicklung von Reebok. „Reeboks Produktlinien müssen verbessert werden, so dass sie dem Geschmack und den Bedürfnissen der Kunden besser entsprechen“, sagte Adidas-Chef Herbert Hainer. „Aber das braucht Zeit.“ Die Entwicklung neuer Produkte bis zur Marktreife dauere rund 18 Monate. „Unser Fokus richtet sich jetzt auf einen Turnaround der Marke Reebok“, kündigte Hainer an.

Wegen Unsicherheiten über die weitere Strategie der Marke Reebok im Adidas-Konzern hatten sich Einzelhändler seit der Übernahmeankündigung im Sommer 2005 mit Bestellungen von Reebok-Produkten zurückgehalten. Die Auftragsbestände gingen zum Ende des Jahres um 24 Prozent zurück. Einige Analysten hatten befürchtet, dass Reebok bei Adidas nicht als teure Sportmarke erhalten bleiben solle, sondern zu einer billigeren „Lifestyle-Marke“ werden könnte. „Reebok ist und wird immer eine Sportmarke in der neuen Adidas-Gruppe sein“, sagte Hainer.

Analysten befürchteten bereits, dass sich Adidas für das Jahr 2006 mit dem Geschäft rund um die Fußball-WM sowie der Integration von Reebok zuviel vorgenommen hat. „Adidas sieht gut aus, aber die Auftragsbestände von Reebok sind enttäuschend“, schrieb Equinet-Analyst Ingbert Faust in einer Kurzstudie. Die Adidas-Aktie gab am Morgen knapp 2 Prozent auf 161,90 Euro nach. Das Papier war in den vergangenen drei Monaten allerdings auch um 14 Prozent gestiegen.

Adidas hatte Reebok für 3,2 Mrd. Euro übernommen. Die Transaktion wurde Ende Januar vollzogen, womit Reebok seit dem 1. Februar in der Adidas-Bilanz konsolidiert wird. Von Februar bis Dezember rechnet Adidas damit, dass Reebok mit rund 2,8 Mrd. Euro weniger umsetzen wird als im gleichen Zeitraum zuvor. Insgesamt will die Adidas-Gruppe 2006 rund 10 Mrd. Euro umsetzen und wäre damit Branchenprimus Nike mit einem Jahresumsatz von umgerechnet rund 11 Mrd. Euro dicht auf den Fersen.

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