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20.06.2014

16:50 Uhr

Rückkehr der Formel 1

Österreichs Autoindustrie will den Jackpot knacken

VonHans-Peter Siebenhaar

Autozulieferer und Stahlkonzerne wollen vom ersten Grand Prix in der Alpenrepublik seit mehr als zehn Jahren profitieren. Neue Arbeitsplätze sollen entstehen. Für das Rennen greifen die Unternehmen tief in die Tasche.

Tribüne in der Form eines Heckspoilers: Den „Voestalpine Wing“ hat der gleichnamige österreichische Stahlkonzern spendiert. dpa

Tribüne in der Form eines Heckspoilers: Den „Voestalpine Wing“ hat der gleichnamige österreichische Stahlkonzern spendiert.

WienWolfgang Eder ist alles andere als ein Schwärmer. Wenn es aber um den Großen Preis von Österreich der Formel 1 geht, ist die Begeisterung des nüchternen Vorstandschefs des Stahlriesen Voestalpine groß. Der 62-jährige Jurist begreift den Formel-1-Zirkus als unternehmerische Chance. Europas drittgrößter Stahlkonzern hat tief in die Tasche gegriffen, um sich im steirischen Spielberg der Weltöffentlichkeit zu präsentieren.

Der Linzer Konzern hat die fast hundert Meter lange Tribüne in Form eines Heckspoilers, den „Voestalpine Wing“, spendiert. 900 Tonnen Stahl wurden für den hypermodernen Gebäudekomplex auf der Start-Ziel-Geraden der Rennstrecke verbaut. Über den Preis schweigt sich Voestalpine aus. Am Sonntag beim Rennen wird Eder stolz auf der Tribüne stehen und dem heimischen Red-Bull-Team die Daumen drücken.

Uneigennützig ist der große Auftritt der Voestalpine beim österreichischen Formel-1-Rennen freilich nicht. Das börsennotierte Unternehmen will den Rennzirkus vor weltweitem Publikum für seinen Markenauftritt nutzen. „Die internationale Stahlkraft des Großen Preises von Österreich reicht über Europa hinaus und erreicht nicht nur unsere Kunden und Partner, sondern auch unsere 47.000 Mitarbeiter in aller Welt“, schwärmt Eder, der den Stahlriesen zum globalen Technologiekonzern weiter entwickeln will. Die Formel 1 passt daher zum neuen supranationalen Image, dass sich die Voestalpine geben will. Schließlich wird das Rennen auf dem Red-Bull-Ring in mehr als 160 Ländern weltweit übertragen.

Die weltweit größten Automobilzulieferer

Platz 10

Faurecia - 18,03 Milliarden Euro Umsatz mit Autoteilen

Das Schicksal des Autozulieferers ist eng verbunden mit PSA Peugeot/Citroën. Derzeit stagnieren die Geschäfte. Zum Portfolio gehören Sitze und Emissionskontrollsysteme.

Platz 9

Aisin Seiki - 18,92 Milliarden Euro Umsatz mit Autoteilen

Die Japaner gehören zur Toyota-Gruppe und produzieren etliche Komponenten für die Autoindustrie, darunter Getriebe und Navigationssysteme.

Platz 8

Michelin - 20,25 Milliarden Euro Umsatz mit Autoteilen

Der französische Reifenriese musste zuletzt erneut Rückschläge beim Absatz hinnehmen. Neben Reifen stellt das Unternehmen aus Clermont-Ferrand auch Navigationssysteme her.

Platz 7

Johnson Controls - 20,93 Milliarden Euro Umsatz mit Autoteilen

Die US-Amerikaner aus Milwaukee konzentrieren sich die Zulieferung von Sitzen, Türen und Instrumenten. Damit legte der Umsatz zuletzt leicht zu.

Platz 6

Hyundai Mobis - 23,25 Milliarden Euro Umsatz mit Autoteilen

Die Koreaner sind Teil des riesigen koreanischen Hyundai-Imperiums und zählen zu den wichtigsten Zulieferern für die Autobauer Hyundai und Kia. Gebaut werden Sicherheitssysteme, Airbus, Lampen und Antriebsstränge.

Platz 5

Bridgestone / Firestone - 24,62 Milliarden Euro Umsatz mit Autoteilen

In der Gummiverarbeitung sind die Japaner sogar weltweit führend. In Frankreich, Italien, Polen und Spanien betreiben sie eigene Werke.

Platz 4

Magna - 24,95 Milliarden Euro Umsatz mit Autoteilen

Unter der Führung der schillernden Österreichers Frank Stronach wuchs der Konzern - und kann nahezu alle Bauteile selbst Produzieren. Fahrgastzellen, Sitze, Antrieb und Elektronik gehören zum Portfolio des Unternehmens.

Platz 3

Denso - 27,79 Milliarden Euro Umsatz mit Autoteilen

Die Japaner verloren zuletzt wieder Marktanteile. Kunden sind insbesondere die großen japanischen Autobauer. Das Unternehmen baut unter anderem Klimaanlage, Antriebsstränge und Elektronik.

Platz 2

Robert Bosch - 30,7 Milliarden Euro Umsatz mit Autoteilen

Der zweitgrößte Autozulieferer der Welt ist in Stuttgart daheim. Neben Benzin- und Dieselsystemen baut Bosch auch Multimedia-Systeme, Bremsen, Elektronik und Batterien für etliche große Autohersteller .

Platz 1

Continental - 33,32 Milliarden Euro Umsatz mit Autoteilen

Aus Hannover in die Welt: Neben den bekannten Reifen liefert Conti auch Sicherheits- und Telematiksysteme, Steuerinstrument und die Elektronik für Antriebsstränge. Im Vergleich zum Vorjahr legte der Umsatz damit leicht zu.

Die 4,3 Kilometer lange Rennstrecke in Südösterreich, auf der Michael Schumacher vor elf Jahren den Rundenrekord aufstellte, befand sich in einer Art Dornröschenschlaf. Es ist der aus der Steiermark stammende Milliardär Dietrich Mateschitz mit seinem Getränkeunternehmen Red Bull, der den gleichnamigen Formel-1-Rennstall samt angeschlossen Medienimperium (Servus TV), der den Grand Prix des Alpenlandes an diesem Wochenende nach elfjähriger Pause neu belebt.

Annähernd 100.000 Fans werden entlang der spannenden Rennstrecke erwartet. Vor der legendären Remus-Kurve werden die Fahrer wie Sebastian Vettel oder Lewis Hamilton Geschwindigkeiten von bis zu 300 Stundenkilometer erreichen.

Einer, der auch mitfiebern wird - nicht zuletzt aus professionellen Gründen - ist Wolfgang Plasser. Der begeisterte Porsche-Fahrer ist CEO des österreichischen Automobilzulieferers Pankl Racing Systems. Die Firma ist nur eine halbe Autostunde entfernt von der Rennstrecke in Spielberg. Die Freude des Unternehmenschefs ist riesengroß. „Wir machen 60 Prozent unserer Umsatzes von zuletzt 140 Millionen Euro mit dem Rennsport“, sagt Plasser dem Handelsblatt. Alle Formel-1-Teams fahren mit dem Pleuel von Pankl, zehn der elf Rennställe auch mit den Antriebswellen des österreichischen Unternehmens.

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