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10.01.2007

10:33 Uhr

Rückkehr in die Gewinnzone

GM baut auf Offensive im Ausland

VonMatthias Eberle

Der angeschlagene US-Autokonzern General Motors (GM) bläst angesichts trüber Perspektiven im Heimatmarkt verstärkt zur Attacke auf den Auslandsmärkten. Die US-Autobauer seien vor allem deshalb kaum mehr konkurrenzfähig, weil sie seit Jahren „einen defensiven Krieg“ führten, sagte GM-Vizechef Bob Lutz vor Journalisten in Detroit.

DETROIT. „Wir verteidigen unser Vaterland, statt andere Vaterländer anzugreifen.“ Der Opel-Mutterkonzern befindet sich nach einem Rekordverlust von 10,7 Mrd. Dollar (8,2 Mrd. Euro) im Jahr 2005 zwar auf dem Weg der Besserung, doch hohe Lagerbestände und anhaltende Marktanteilsverluste im Heimatmarkt USA machen eine Rückkehr in die Gewinnzone schwierig. Branchenexperten erwarten, dass Konkurrent Toyota im laufenden Jahr zum weltgrößten Autohersteller aufsteigen und Marktführer GM damit erstmals in der Geschichte überholen wird. Man habe zu lange an die Wichtigkeit autonom geführter Regionen geglaubt, räumte Lutz ein. „In den 60er-Jahren konnten wir damit sehr gut leben, etwa bei Opel. Heute wissen wir, dass ohne eine globale Organisation nichts mehr geht.“

GM will nun die Lehren aus seiner Talfahrt ziehen und an Stelle eigenständiger Länderorganisationen eine deutlich schlankere und globale Plattform schaffen. „Toyota hat uns überrundet, weil wir das Geld drei- oder viermal ausgeben statt einmal“, sagte Lutz. Künftig dürfe es nicht mehr vorkommen, dass etwa die GM-Marke Saab Kabelstränge austauschen könne, nur um einen höheren Qualitätsanspruch zu demonstrieren. Lutz: „Es gibt im GM-Portfolio noch immer Fahrzeuge einer Klasse, bei denen kein einziges Teil gleich ist. Wir müssen endlich damit aufräumen, dass jeder alles machen kann.“

GM will sich künftig so aufstellen, dass über die verschiedenen Fahrzeugklassen hinweg dort entschieden wird, wo der Konzern die beste Kompetenz vermutet: Über Sport- und Geländewagen sowie Crossover-Modelle soll fortan in den USA entschieden werden, der Opel-Standort Rüsselsheim erhält die Zuständigkeit für Mittelklasse-Modelle wie den Astra, die Kleinwagen-Sparte wird künftig von GM Daewoo in Südkorea gesteuert. Dort werde dann auch über einen Nachfolger des Opel Corsa entschieden, betonte Lutz.

Die deutsche GM-Tochter hat ihre Lage im Vorjahr trotz gesunkener Fahrzeugverkäufe stabilisieren können und einen Gewinn erzielt. „Wir haben uns ganz bewusst aus unprofitablen Geschäften wie Tageszulassungen und Flottenverkäufen zurückgezogen“, erklärte Opel-Chef Hans Demant das Minus von 3,9 Prozent beim Absatz in Deutschland. Im laufenden Jahr rechnet er mit einer „Stabilisierung des Marktanteils bei verbessertem Gewinn“.

Der Opel-Mutterkonzern verkaufte 2006 in Europa zum ersten Mal in der Unternehmensgeschichte mehr als zwei Millionen Autos. Mit dem Rekord von 2,0 Mill. Fahrzeugen sei der Vorjahresabsatz um ein knappes Prozent übertroffen worden, teilte GM in Zürich mit. Der US-Konzern hatte seinem Europageschäft eine harte Rosskur verordnet, seit 2005 rund 12 000 Stellen gestrichen und erntet nun die Früchte: Erstmals nach sechs Jahren wird GM in Europa laut Unternehmenskreisen für 2006 voraussichtlich einen Gewinn im dreistelligen Millionen-Euro-Bereich erzielen.

Branchenexperten rechnen indes nicht damit, dass der Gesamtkonzern 2007 aus der Verlustzone fahren kann. „Mit Blick auf unsere Kostenstruktur sind wir noch in keinem unserer Bereiche voll wettbewerbsfähig“, räumte GM-Konzernchef Rick Wagoner auf der Detroit Motorshow ein. Der US-Autobauer ringt mit der Automobilgewerkschaft UAW um weitere Einschnitte beim Personal, obwohl die GM-Sanierung im Vorjahr bereits neun Mrd. Dollar an Einsparungen brachte. Wagoner zufolge zahlt GM jährlich fünf Mrd. Dollar allein an Gesundheitskosten und damit vier Mrd. Dollar mehr als der japanische Rivale Toyota. Zudem drückt eine anhaltende Rabattschlacht im US-Markt auf die Umsätze.

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