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20.08.2012

15:21 Uhr

Rückrufaktion

Kurzschlussgefahr bei GM

Die Autobauer bekommen ihre Qualitätsprobleme nicht in den Griff. Nun muss General Motors rund 250.000 Fahrzeuge wegen einer möglichen Feuergefahr überprüfen. Das Vertrauen der US-Verbraucher schwindet.

Achtung, leichtentzündlich: Mehrere Modelle von GM müssen wegen Brandgefahr zurück in die Werkstatt. dapd

Achtung, leichtentzündlich: Mehrere Modelle von GM müssen wegen Brandgefahr zurück in die Werkstatt.

DetroitIn den USA grassiert wieder eine breite Rückrufwelle. Nun muss der Autobauer General Motors eine Viertel Million Geländewagen wegen möglicher Feuergefahr in die Werkstätten rufen. Bei gut 249.000 Mittelklasse-SUV der Marken Chevrolet, GMC, Buick Rainier, Saab und Isuzu könne durch es undichte Fahrertüren zu Kurzschlüssen in der Stromversorgung kommen, teilte die US-Verkehrssicherheitsbehörde NHTSA (National Highway Traffic Safety Administration) am Montag mit. Ein Kurzschluss könne Türöffner und Fensterheber blockieren und zu Überhitzung und Bränden führen. Von dem Rückruf seien Fahrzeuge der Baujahre 2006 und 2007 betroffen.

Erst vor wenigen Tagen hatte schon der japanische Autobauer Nissan wegen defekter Airbags eine Warnung ausgeben müssen. Die US-Verkehrssicherheitsbehörde NHTSA hatte am Freitag mitgeteilt, dass Nissan bei rund 100.000 in den Vereinigten Staaten verkauften Kompaktwagen des Modells Versa einen Kabeldefekt in der Lenksäule entdeckt habe. Durch ein eingequetschtes Kabel öffne sich der Airbag bei einem Unfall möglicherweise nicht. Es sei eine Untersuchung der Autos des Modelljahres 2012 eingeleitet worden, ein Rückruf der Pkw könne die Folge sein. Von Autokäufern seien bisher aber keine Beschwerden eingegangen.

Die schlechtesten Autokonzerne im US-Qualitätsranking

Methodik

Seit 26 Jahren erheben die US-Konsumforscher von JD Powers die Qualität von Neuwagen in den 90 Tagen nach der Auslieferung. Dafür werden die Konstruktionsprobleme und -mängel sowie Störungen pro 100 Fahrzeuge ermittelt. Die Initial Quality Study (IQS) gilt für US-Konsumenten als Kompass bei der Kaufentscheidung.

Platz 34

Smart (Deutschland)

Die Kleinstwagen von Daimler liegen auf dem letzten Platz im US-Qualitätsranking. Mit 151 Beschwerden auf 100 Kleinwagen ist nur eine Marke gleich schlecht.

Platz 33

Fiat (Italien)

Weil der heimische Absatzmarkt schwächelt, setzen die Italiener große Hoffnung auf den US-Markt. Das schlechte Abschneiden im Ranking ist ein schwerer Schlag für die Strategie von Konzernchef Sergio Marchionne. Auch die Italiener kommen auf 151 Beschwerden auf 100 verkaufte Wagen.

Platz 32

Mini (Großbritannien)

Die BMW-Tochter kämpft ebenfalls mit massiven Qualitätsproblemen. 139 Beschwerden auf 100 Neuwagen sind deutlich verbesserungswürdig.

Platz 31

Volkswagen (Deutschland)

Groß war die Enttäuschung in der VW-Zentrale als die Ergebnisse der Studie bekannt worden. Die Qualitätsoffensive in den USA hat noch nicht gefruchtet. 124 Beschwerden auf 100 Neuwagen bescheren den Wolfsburgern einen der hinteren Plätze im Ranking.

Platz 30

Mitsubishi (Japan)

Die ehemaligen Partner von Daimler haben in den Staaten qualitativ abgebaut und landen mit 124 Beschwerden auf 100 Neuwagen ebenfalls weit hinten im Ranking.

Platz 29

Dodge (USA)

Die Chrysler-Tochter ist berühmt für ihre Pickups, aber nicht für ihre Qualität. Mit 124 Beschwerden auf 100 Neuwagen schneidet kein US-Hersteller schlechter ab.

Platz 28

Land Rover (Großbritannien)

Eigentlich leben die Geländewagen von ihrem Ruf gegen alle Eventualitäten gewappnet zu sein. Offenbar sehen die US-Verbraucher das anders. 119 Beschwerden auf 100 Neuwagen ist deutlich über dem Durchschnitt.

Platz 27

Ford (USA)

Die Traditionsmarke setzte als erste auf die Massenproduktion von Automobilen. Ihren Ruf gefährdet sie durch eine hohe Problemquote von 118 Störungen auf 100 Neuwagen.

Platz 26

Scion (USA)

Die US-Tochter des japanischen Toyota-Konzerns wurde erst 2003 gegründet und soll vor allem junge Kunden ansprechen. Mit 117 Beschwerden auf 100 Neuwagen liegt die Marke ebenfalls im unteren Drittel des Rankings.

Platz 25

Chrysler (USA)

Die Fiat-Tochter schneidet in der Bewertung der US-Konsumenten deutlich besser ab als der Mutterkonzern. Auch wenn die wirtschaftliche Krise überwunden wurden, gibt es bei der Qualität Nachholbedarf. 116 Beschwerden auf 100 Neuwagen sind immer noch mehr als der Durchschnitt.

Platz 24

Suzuki (Japan)

Die Zusammenarbeit mit Volkswagen haben die Japaner jüngst beendet. In den USA schneiden sie besser ab als der ehemalige Partner, allerdings immer noch schlechter als der Durchschnitt. Suzuki kommt auf eine Problemquote von 115 Beschwerden auf 100 Neuwagen.

Platz 23

Jeep (USA)

Die Geländewagen von Chrysler wollen vor allem das Geschäft in China ausbauen. Im Heimatmarkt wird die Qualität dieses Jahr eher schlecht bewertet. 110 Beschwerden auf 100 Neuwagen sind überdurchschnittlich viele.

Platz 22

Subaru (Japan)

Die Japaner fertigen mit einem eigenen Werk in den USA in Ohio. Auf die Qualitätsbewertung durch die US-Konsumenten hat das keine Auswirkungen. 109 Beschwerden auf 100 Neuwagen sind ein eher mittelprächtiges Ergebnis.

Platz 21

Volvo (Schweden)
Die Skandinavier leben von ihrem Qualitätsversprechen. In den USA schneiden sie allerdings schlechter ab als der Durchschnitt. Sie kommen auf 108 Beschwerden auf 100 Neuwagen.

Auch die deutschen Autobauer sind immer wieder von Rückrufaktionen betroffen. Daimler hatte zuletzt erneut Probleme mit seinen Geländewagen gemeldet: Wegen möglicher Probleme mit dem Beifahrer-Airbag sollen Fahrer ihre Mercedes-Benz G-Klasse in die Werkstätten bringen. Bei mehr als 300 in Deutschland und China ausgelieferten Modellen des Geländewagens könne sich im Zuge eines Zusammenstoßes nach der Aktivierung des Airbags eine Blechleiste lösen und den Beifahrer möglicherweise verletzen, sagte ein Sprecher von Mercedes-Benz am Mittwoch in Stuttgart. Von dem Rückruf betroffen seien Autos, die zwischen September 2010 und April 2011 vom Band gerollt sind.

Die gut 85.000 Euro teuren Neuwagen der G-Klasse werden vom Auftragsfertiger Magna im österreichischen Graz gebaut. Die G-Klasse gilt als Vorbild für viele Geländewagen von Mercedes-Benz, ist aber ein Nischenmodell: Seit der Markteinführung im Jahr 1979 wurden rund 220.000 Fahrzeuge verkauft, größter Absatzmarkt ist Deutschland.
Mercedes-Benz hatte bereits Probleme mit Fußmatten im Geländewagen ML in Deutschland und den USA eingeräumt. Da sich die Matten und das Gaspedal verklemmen könnten, rief der Autohersteller knapp 11.000 der als Zubehör verkauften Fußmatten zurück.

Die besten Autokonzerne im US-Qualitätsranking

Platz 20

Lincoln (USA)

Die Nobeltochter von Ford schneidet ebenfalls besser ab als der Mutterkonzern. Mit 107 Beschwerden auf 100 Neuwagen ist die Qualität aber immer noch weit von der Spitze entfernt.

Platz 19

Kia (Korea)

Die Koreaner gehören zu den am stärksten wachsenden Autokonzernen der Welt. In der Qualität schlägt sich das bisher noch nicht nieder. 107 Beschwerden auf 100 Neuwagen lassen noch viel Luft nach oben.

Platz 18

Hyundai (Korea)

Auch der koreanische Mutterkonzern von Kia kommt im US-Qualitätsranking auf einen Mittelfeldplatz. 107 Beschwerden auf 100 Neuwagen sind unterdurchschnittlich.

Platz 17

Buick (USA)

Die goldenen Zeiten der General-Motors-Tochter liegen in der Vergangenheit. Auch im US-Qualitätsranking ist die Marke Mittelmaß. 106 Beschwerden auf 100 Neuwagen sind nahe dem Durchschnitt.

Platz 16

Audi (Deutschland)

Von den drei deutschen Premiumherstellern schneidet die Marke aus Ingolstadt am schlechtesten ab. Das Ergebnis ist mit 105 Beschwerden auf 100 Neuwagen sogar leicht unterdurchschnittlich.

Platz 15

Chevrolet (USA)

International will GM die Marke massiv ausbauen. In den Augen der US-Verbraucher hat die Marke eine mittelmäßige Qualität. Sie kommt auf 100 Beschwerden auf 100 Neuwagen.

Platz 14

Ram (USA)

Die Chrysler-Tochter ist ein Ableger des berühmten Dodge-Modells Ram. Erstaunlicherweise schneidet die Marke im Qualitätsranking aber deutlich besser ab. 99 Beschwerden auf 100 Neuwagen reichen für das obere Drittel.

Platz 13

Nissan (Japan)
Mit dem Nissan Leaf gehörten die Japaner zu den ersten Autoherstellern, die in den USA ein reines Elektroauto an den Start brachten. Im Qualitätsranking verpassen sie die Top Ten mit 99 Beschwerden auf 100 Neufahrzeuge nur knapp.

Platz 12

GMC (USA)

Die US-Geländewagen drängen auf den europäischen Markt. Die US-Verbraucher schätzen die GM-Tochter für ihre Qualität. Sie kommt ebenfalls auf 99 Ausfälle auf 100 Neuwagen.

Platz 11

Mazda (Japan)

Einst führte der US-Hersteller die Japaner aus der Krise. In der Qualität führen sie mittlerweile den Retter vor. Mit 97 Beschwerden auf 100 Neuwagen verpassen sie einen einstelligen Platz nur knapp.

Platz 10

BMW (Deutschland)

Die Münchener gehören zu den großen Gewinnern im diesjährigen Qualitätsranking und machen vier Plätze gut. Mit 97 Problemen auf 100 Neufahrzeuge schaffen sie erstmals den Sprung in die Top Ten.

Platz 9

Mercedes-Benz (Deutschland)

Der große Konkurrent Mercedes gehört dagegen zu den den großen Verlierern, auch wenn der Platz in der Top Ten verteidigt werden konnte. Im Ranking rutschen die Stuttgartern mit 96 Beschwerden von vierten auf den neunten Platz ab.

Platz 8

Toyota (Japan)

Auch den Japanern eilt der Qualitätsruf voraus. Zurecht, wie das Ranking zeigt. 88 Probleme auf 100 Neuwagen sind ein Wert, der deutlich besser ist als der Durchschnitt.

Platz 7

Infiniti (Japan)

Auf dem europäischen Markt hat Nissans Nobelmarke keine Chance, in den USA kommt die Marke besser ins Rollen. 84 Probleme auf 100 Neuzulassungen sind ein Spitzenwert.

Platz 6

Acura (Japan)

Auch die in Europa eher unbekannte Nobelmarke von Honda schneidet im Ranking gut ab. Sie kommt ebenfalls auf 84 Probleme bei 100 Neuwagen.

Platz 5

Honda (Japan)

Der zweitbeste asiatische Autohersteller im Ranking ist auch einer der führenden Motorenhersteller. Die US-Verbraucher bewerten die Modelle als sehr zuverlässig. Auf 100 Neuwagen kommen nur 83 Probleme.

Platz 4

Cadillac (USA)

Die GM-Tochter ist der härteste Wettbewerber der Ford-Tochter Lincoln, schneidet im Qualitätsvergleich aber deutlich besser ab. 80 Ausfälle pro 100 Neuwagen sind ein Wert, mit dem Cadillac das Treppchen nur knapp verpasst.

Platz 3

Porsche (Deutschland)

In Zuffenhausen können die Korken knallen. Der Sportwagenbauer ist erneut die beste deutsche Marke im Qualitätsranking und verpasst die Spitze nur knapp. 75 Probleme pro 100 Neuwagen sind ein sehr guter Wert.

Platz 2

Jaguar (Großbritannien)

Die britische Traditionsmarke gehört mittlerweile zum indischen Autobauer Tata Motors. Auf die Qualität hat das offenbar keine Auswirkungen. 75 Ausfälle pro 100 Neuwagen reichen für einen Platz an der Spitze.

Platz 1

Lexus (Japan)

Die Krone im Qualitätsranking geht an die Nobeltochter von Toyota. Keine Marke schneidet bei den US-Verbrauchern besser ab. 73 Beschwerden auf 100 Neuwagen liegen deutlich unter dem Durchschnitt.

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