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28.03.2014

11:08 Uhr

Rückzug

Opel verkauft nicht mehr in China

VonLukas Bay

Auf dem wichtigsten Automarkt der Welt wird künftig kein Opel mehr verkauft. Mutterkonzern GM will die deutsche Marke ab Januar 2015 aus dem Markt zurückziehen. Dafür soll in Deutschland investiert werden.

Ein letzter Blick: Der Opel Zafira Tourer wird auf der Shanghai Automesse wo so schnell nicht mehr zu sehen sein. ap

Ein letzter Blick: Der Opel Zafira Tourer wird auf der Shanghai Automesse wo so schnell nicht mehr zu sehen sein.

RüsselsheimEs ist noch kein Jahr her, da feierte Opel ein kleines Comeback in China. Erstmals nach fünf Jahren Abstinenz zeigten die Rüsselsheimer auf der wichtigsten chinesischen Automesse in Shanghai wieder eigene Modelle: den Insignia ST, den Astra GTC und den Zafira Tourer. Nur wenige Monate später folgt der Rückzug: Opel soll ab Januar 2015 in China keine Fahrzeuge mehr unter dem eigenen Logo verkaufen, teilte das Unternehmen am Freitag mit.

Die Entscheidung ist ein Teil der neuen Ausrichtung der Marken von Mutterkonzern General Motors. Während Konzernschwester Buick auf den chinesischen Markt künftig alleine punkten soll, überlässt Chevrolet im Gegenzug Opel den europäischen Markt. Vergangenes Jahr hatte die GM-Tochterfirma Hilden ihre Produktion in Australien gestoppt.

Für Opel-Chef Karl-Thomas Neumann ist der Rückzug eine längst überfällige Entscheidung. „Es hätte einen hohen dreistelligen Millionenbetrag erfordert, Opel zu mehr Bekanntheit zu führen und das Vertriebsnetz auszubauen.“ Mit 22 Händlern und rund 4.300 verkauften Fahrzeugen spielt Opel auf dem chinesischen Markt ohnehin eine marginale Rolle. Nun überlässt man den lukrativen Markt der Konzernschwester Buick, die mit 650 Händlern rund 810.000 Fahrzeuge absetzt.

Auch wenn Opel damit in den Wachstumsmärkten der Welt nicht mehr als Marke vertreten ist, erwarten sich die Verantwortlichen in Rüsselsheim zusätzlichen Schub durch die Zusammenarbeit mit der Konzernschwester. „Es ist unser klares Ziel, unsere Zusammenarbeit zu intensivieren. Dazu prüfen wir derzeit eine ganze Reihe von Projekten.“

Die europäischen Opel-Werke im Überblick

Die Ausgangslage

Opel leidet unter sinkendem Absatz und teuren Überkapazitäten. Nun will der Autobauer in seinem Werk in Bochum keine Autos mehr bauen. Eine Übersicht über die Fertigungsstätten.

Bochum

In Bochum laufen der Astra Classic und der Zafira Tourer vom Band. Ende 2014 läuft die Produktion aus. Danach soll die Autoproduktion eingestellt werden.

Rüsselsheim

Am Stammsitz Rüsselsheim werden der Insignia sowie ein Astra-Modell (5-Türer) gefertigt. 13 800 Mitarbeiter sind am Standort beschäftigt, davon 3500 in der Produktion und 7000 im Bereich Entwicklung und Design.

Eisenach

In Eisenach bauen knapp 1600 Beschäftigte den Corsa.

Kaiserslautern

In Kaiserslautern bauen knapp 2700 Beschäftigte Komponenten, Motoren und Achsen.

Gleiwitz (Polen)

In Gleiwitz läuft seit 2011 nur noch der Astra (bis 2010 auch der Zafira) vom Band; in Polen sind rund 3500 Menschen beschäftigt.

Saragossa (Spanien)

Am Standort Saragossa fertigen rund 6100 Mitarbeiter den Corsa, den Meriva und den Combo. Ab 2014 soll auch der Mokka in Spanien gebaut werden.

Ellesmere Port (England)

Etwa 2100 Mitarbeiter bauen für die Opel-Schwester Vauxhall in Ellesmere Port Astra-Modelle. Dort konnte das Management zuletzt rigide Sparmaßnahmen durchsetzen.

Luton (England)

In Luton wird der Transporter Opel Vivaro von 1100 Beschäftigten gefertigt.

Sonstige

Motoren und/oder Getriebe werden zudem in Szentgotthárd (Ungarn/660 Mitarbeiter) und Aspern (Österreich/1700) sowie in einem Joint Venture in Tychy (Polen) hergestellt. In Rüsselsheim und Turin hat der Hersteller Entwicklungszentren.

Bereits geschlossen wurde das Werk Antwerpen mit zuletzt mehreren tausend Mitarbeitern.

Weitere gemeinsame Modelle sollen folgen: Schon in wenigen Jahren soll eine weitere Insignia-Variante unter dem Buick-Logo für den US-Markt in Rüsselsheim produziert werden. Dazu will das Unternehmen in Rüsselsheim 245 Millionen Euro investieren. Derzeit laufen am Rüsselsheim vier Varianten des Insignia und ab Januar 2015 der Zafira Tourer vom Band. Schon heute werden Modelle wie der Astra und der Mokka in China unter dem Buick-Logo verkauft.

Durch die Gleichteilestrategie könnte sich Opel auch die Einkaufsmacht des Mutterkonzern stärker zunutze machen und so die Kosten weiter senken. Zuletzt träumte Opel-Betriebsratschef Wolfgang Schäfer-Klug sogar davon, künftig Buick-Fahrzeuge für den chinesischen Markt bei Opel in Deutschland zu fertigen.

Die krisengeschüttelten Rüsselsheimer wollen sich künftig auf Europa konzentrieren und in Russland und der Türkei wachsen. Dank neuer Modelle wie dem Kleinwagen Adam, dem Geländewagen Mokka oder dem Cabrio Cascada legte Opel im vergangenen Jahr erstmals seit langem wieder zu.

Bis 2016 soll Opel so wieder schwarze Zahlen schreiben. Dazu wird Ende 2014 das Werk in Bochum mit einst mehr als 3000 Beschäftigten geschlossen. In Rüsselsheim, Eisenach und Kaiserslautern wurde dagegen der Kündigungsschutz bis Ende 2018 verlängert.

Kommentare (10)

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Account gelöscht!

28.03.2014, 11:41 Uhr

Opel soll also weg vom Automarkt. Und was macht unsere Kanzlerin als diese Forderung zu unterstützen??

Account gelöscht!

28.03.2014, 11:42 Uhr

Zitat : Opel darf nicht mehr in China verkaufen

- und nach dem VW die Fabriken in China gebaut, die Fachkräfte ausgebildet und die Produktion in Gang gesetzt hat,

werden die Chinesen schnell auch Gründe finden, laut derer VW in China auch nichts mehr verkaufen darf !

Konfuzius läßt grüßen !

Account gelöscht!

28.03.2014, 11:53 Uhr

Nicht nur Überschriften, sondern den ganzen Artikel lesen,oder besser nicht kommentieren.
Nicht China verbietet Opel Verkäufe.

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