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28.01.2014

09:28 Uhr

Rückzug von der US-Börse

Siemens ist vorsichtig

Trotz sinkendem Umsatz konnte Siemens-Chef Joe Kaeser den Gewinn steigern. Für das laufende Geschäftsjahr rechnet er weiter mit Stagnation und bleibt auf Sanierungskurs. Der nächste große Schritt steht bereits an.

Abschied von der US-Börse: Siemens-Chef Joe Kaeser will mit Formalien sparen. dpa

Abschied von der US-Börse: Siemens-Chef Joe Kaeser will mit Formalien sparen.

MünchenSiemens-Chef Joe Kaeser hält sein Pulver trocken. Trotz eines Auftragsschubs im Weihnachtsquartal rechnet er für das laufende Geschäftsjahr unverändert mit stagnierenden Einnahmen. „Wir sind mit einem soliden Quartal in das neue Geschäftsjahr gestartet. Wie erwartet hat uns dabei das wirtschaftliche Umfeld nicht geholfen“, erklärte Kaeser zur Hauptversammlung am Dienstag in München.

Der Umsatz stagnierte auf Quartalsebene auf vergleichbarer Basis ohne Währungseffekte in etwa bei 17,4 Milliarden Euro und lag damit etwas unter den Erwartungen der Analysten. Der Auftragseingang legte dank eines Bahn-Großauftrags aus Saudi-Arabien und zweier Windpark-Großbestellungen um zwölf Prozent auf 20,8 Milliarden Euro zu.

Stärken und Schwächen von Siemens

Stärke 1

Dividendenstärke

Seit einigen Jahren gilt bei Siemens das Ziel, einen Anteil von 40 bis 60 Prozent des Gewinns nach Steuern auszuschütten, deutlich mehr als früher. Für 2013 gab es wieder eine Dividende auf dem Rekordniveau von drei Euro. Dies entspricht einer Ausschüttungsquote von 57 Prozent.

Stärke 2

Aufträge

Der Auftragseingang, also die Umsätze von morgen, legte im abgelaufenen Geschäftsjahr um acht Prozent auf 82,4 Milliarden Euro zu.

Stärke 3

Ertragsperlen

Die Medizintechnik, der kleinste der vier Siemens-Sektoren, glänzte im vergangenen Geschäftsjahr nicht nur mit der höchsten operativen Umsatzrendite. Auch in absoluten Zahlen lieferte die Medizintechnik mit einem operativen Ergebnis (Ebitda) von zwei Milliarden Euro den höchsten Gewinnbeitrag.

Schwäche 1

Abhängigkeit von Europa

Was in Boomzeiten ein Vorteil ist, wird zum Nachteil, wenn die Konjunktur lahmt – die starke Position von Siemens in Europa. In Südeuropa etwa können die Schuldenstaaten derzeit nur noch wenige große Infrastrukturprojekte anstoßen. Das bekommt auch Siemens zu spüren.

Schwäche 2

Fehlende Innovationskraft

Es gibt Zweifel an der Innovationskraft von Siemens – trotz 60.000 neuen Patenten im Jahr. Denn der Konzern erzielte zuletzt mit seinen Geschäften nur eine Bruttomarge von 27,4 Prozent. Nach Einschätzung von Konzernchef Joe Kaeser ist dies ein Anzeichen dafür, dass Siemens mit seinen Produkten nicht die Preise erzielen kann, die man gerne hätte. Die Produkte sind womöglich nicht immer innovativ genug.

Schwäche 3

Sonderlasten

Vor allem schlecht gemanagte Großprojekte verhageln dem Konzern seit Jahrzehnten die Ergebnisse. 2013 war es besonders arg. Die anhaltenden Probleme bei der Anbindung der Offshore-Windparks an das Stromnetz auf dem Festland, die verspätete Auslieferung von ICE-Zügen, der Ausstieg aus dem Solargeschäft und andere Pannen verursachten im Konzern fast 900 Millionen Euro an Sonderaufwendungen.

Der laufende Stellenabbau zahlt sich für Kaeser zunehmend aus. Trotz stabiler Einnahmen legte das Ergebnis aus fortgeführtem Geschäft binnen Jahresfrist um gut ein Fünftel auf knapp 1,4 Milliarden Euro zu. Vor allem der lange ertragsschwache Sektor Infrastruktur und Städte schnitt deutlich besser ab als in der Vergangenheit. Der Gewinn mit Zügen, Stromnetzen und Gebäudetechnik hat sich den Angaben zufolge zuletzt mehr als verdoppelt. Dort verbuchte Siemens auch zuletzt einen milliardenschweren Einzelauftrag. Saudi-Arabien bestellte zwei U-Bahnlinien in München für 1,6 Milliarden Euro.

Die Anleger honorierten den Gewinnzuwachs, die Aktie legte um zwei Prozent zu. Damit gehörte sie zu den größten Gewinnern im Dax.

Kaeser will weiter an der Renditeschraube drehen. „Wir konzentrieren uns weiterhin auf unserer Produktivitätsprogramm für dieses Jahr und auf die Schritte, die wir mit Blick über 2014 hinaus ergreifen“, erklärte er vor der Hauptversammlung. Bei stagnierendem Umsatz soll der Gewinn je Aktie im laufenden Geschäftsjahr 2013/14 (zum Ende September) um mindestens 15 Prozent zulegen.

Sparen will Kaeser bei den Formalien. Siemens plant, sich von der US-Börse zurückzuziehen, um seine Finanzberichterstattung zu vereinfachen.

Eine Analyse der Siemens-Bilanz finden Sie zum Download in unserem Kaufhaus der Weltwirtschaft unter www.kaufhaus.handelsblatt.com.

Kommentare (3)

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Account gelöscht!

28.01.2014, 08:35 Uhr

"Der laufende Stellenabbau zahlt sich für Kaeser zunehmend aus. "
Und wieder zu Lasten der Arbeitnehmer um die Aktionäre bei guter Laune zu halten.

Account gelöscht!

28.01.2014, 09:06 Uhr

Zitat aus Vorkommentar:

....um die Aktionäre bei guter Laune zu halten. --

Die Ausschüttung bedeuted ca. 3% Rendite. Das ist doch angemessen für einen Anleger, der das wirtschaftliche Firmenrisiko trägt.
Es wird doch immer von privater Altersvorsorge gesprochen. Wie soll die realisiert werden, bei z. B. Rentenkürzungen , hoher Inflationsrate usw.

Rainer

28.01.2014, 14:16 Uhr

Mein Leben mit Siemens begann 1974. In all den Jahren kam es stets zu Stellenabbau, Ausgliederung und technischer Neuorientierung. Dennoch ist die AG Personal und Umsatzmäßig stets gewachsen. Dies war nur möglich durch die Kapitalgeber sprich die Aktionäre zu denen ich mich natürlich auch zähle. Im übrigen hat Siemens ein vorbildliches Aktienerwerbprogramm für Mitarbeiter. Eine Rendite von 3% bis 5% für die Kapitalgeber sprich Risikoträger ist angemessen und keinesfalls überzogen.

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