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07.07.2015

16:02 Uhr

Rüstungs- und Industriekonzern Diehl

Das Fossil mit der Rakete

VonMarkus Fasse

Thomas Diehl sieht sich selbst als „Fossil der Rüstungsbranche“. Dabei hat seine Unternehmensgruppe viel mehr im Programm als Raketen für den Eurofighter. Der Gewinn steigt, das Geschäft mit Airbus und Boeing brummt.

Der Patriarch der gleichnamigen Unternehmensgruppe ist inzwischen 64 Jahre alt. dpa

Thomas Diehl

Der Patriarch der gleichnamigen Unternehmensgruppe ist inzwischen 64 Jahre alt.

NürnbergEs gibt eine Frage, die hat Thomas Diehl wohl schon tausend Mal gehört. Zum Beispiel die, ob das Portfolio seines Unternehmens nicht mal aufgeräumt gehört. Ob Lenkraketen, Wasserzähler und Flugzeugtoiletten wirklich unter ein Dach passen. Dann gibt Thomas Diehl dem Frager erst einmal Recht: „Ein Finanzinvestor würde das Unternehmen zerschlagen und der Rest wäre fürs Sozialamt“, brummt der 64-Jährige auf der Bilanzpressekonferenz am Dienstag in Nürnberg.

Aber so denkt der Chef und Miteigentümer der Diehl-Gruppe nicht. Es reicht ihm, wenn das Unternehmen im 112. Jahr nach Gründung ein positives Ergebnis schreibt. 134 Millionen Euro beträgt das Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit für 2014, gut ein Drittel mehr als im Vorjahr, bei einem Umsatz von erstmals mehr als drei Milliarden Euro. Und auch 2015 soll es aufwärts gehen – moderat, wie immer.

Die größten deutschen Rüstungskonzerne

Bedeutender Wirtschaftszweig

Die Rüstungsindustrie ist ein großer Wirtschaftszweig in Deutschland. Einer Erhebung des Branchenverbandes BDSV zufolge waren 2011 rund 100.000 Menschen in der deutschen Sicherheits- und Verteidigungsindustrie beschäftigt. Einige große deutsche Rüstungskonzerne im Profil.

Diehl Defence

Die Rüstungssparte des Nürnberger Diehl-Konzerns, stellt unter anderem Munition, Raketen und Ketten für Panzer her.
Umsatz 2013: 533 Millionen Euro.

Heckler & Koch

Der Handwaffenspezialist aus dem badischen Oberndorf fertigt unter anderem Pistolen, Sturm- und Präzisionsgewehre.
Umsatz 2013: 200 Millionen Euro.

Kraus-Maffei Wegmann (KMW)

KMW in München baut etwa den Kampfpanzer „Leopard“, den Schützenpanzer „Puma“ oder die Panzerhaubitze „2000“.
Umsatz 2013: 900 Millionen Euro.

MTU Aero Engines

MTU Aero Engines ist ein Triebwerksbauer aus München, der auch für militärische Flugzeuge fertigt, etwa den Motor für den Eurofighter.
Umsatz 2013 (Wehrgeschäft): 501 Millionen Euro.

Rheinmetall Defence

Rheinmetall Defence ist die Wehrsparte von Rheinmetall aus Düsseldorf und fertigt Panzer, aber auch Munition oder etwa Flugabwehrsysteme.
Umsatz 2013: 2,2 Milliarden Euro.

Thyssen-Krupp Marine Systems

Thyssen-Krupp Marine Systems in Kiel baut U-Boote und Kriegsschiffe. Die Firma entstand aus Blohm+Voss und der Howaldtswerke-Deutsche Werft GmbH.
Umsatz 2012/13: 1,2 Milliarden Euro.

Diehl ist eines der eigenartigsten Gebilde der deutschen Unternehmenslandschaft. Lange Zeit als reiner Rüstungskonzern wahrgenommen, verdienen die Nürnberger heute ihr Geld vor allem mit dem Bau von Flugzeugkabinen, Steuerungen für Waschmaschinen und Zulieferungen für die Autoindustrie.

Kaum ein Unternehmen ist gleichzeitig so diversifiziert und globalisiert wie die Nürnberger. Und kaum ein Unternehmen dieser Größenordnung wird so familiär geführt wie Diehl.

Drei Familienstämme kontrollieren den Gesellschafterkreis. Die Gewinne bleiben traditionell in der Firma. Thomas Diehl, seit 38 Jahren im Unternehmen, gönnt sich offiziell nur 15.000 Euro im Monat, das Salär eines Prokuristen. Er sieht sich als gütiger Patriarch: Erst das Unternehmen, dann die Familie. Mehr als 14.000 Beschäftigte zählt Diehl weltweit, die in der Vergangenheit auf einen sehr soliden Arbeitgeber bauen konnten.

Wo andere Berater brauchen, nutzt Thomas Diehl seine Lebenserfahrung. Zum Beispiel beim neuerlichen Umbau der Bundeswehr, seinem Hauptkunden. „Ich bin ja so ziemlich das Fossil der Branche“, kokettiert Diehl zwischen zwei Zigarettenzügen. Aussteigen aus der Rüstung werde er jedenfalls nicht, schließlich sei seine Luftabwehrrakete „Iris-T“ besser als die der französischen Konkurrenz. Stattdessen verkauft er das Geschäft mit Panzerketten an Krauss-Maffei-Wegmann.

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