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28.11.2013

15:16 Uhr

Rüstungsbranche

EADS-Mitarbeiter protestieren gegen Kürzungen

Aus EADS wird bald Airbus. Einher mit der Namensänderung geht der Umbau hin zu mehr ziviler Luftfahrt. Die Beschäftigten wollen die Härten nicht ausgleichen. Auf den ersten „Warnschuss“ könnten weitere Aktionen folgen.

Demonstration vor dem Airbus-Werksgelände in Finkenwerder: „Uns rauszuschmeißen, die wir die höchsten Gewinne machen, ist blanker Unsinn.“ dpa

Demonstration vor dem Airbus-Werksgelände in Finkenwerder: „Uns rauszuschmeißen, die wir die höchsten Gewinne machen, ist blanker Unsinn.“

HamburgTausende Beschäftigte bei EADS fürchten um ihre Jobs. Der Konzern, der ab Januar den Namen seiner wichtigsten Tochter Airbus annimmt, muss sein schwächelndes Rüstungsgeschäft straffen, neu aufstellen und umbauen. Ohne harte Einschnitte und den Abbau von Arbeitsplätzen werde das nicht gehen, betont Konzernchef Thomas Enders. Während die Kassen von EADS dank der glänzenden Geschäfte von Airbus klingeln, muss Enders den Mitarbeitern der kriselnden Wehrtechnik einiges zumuten. Die IG Metall will das nicht kampflos hinnehmen.

Bei eisigen Temperaturen ruft sie am Donnerstag an deutschen Standorten zu Protesten auf - und verspricht Enders einen heißen Tanz. Der will knapp drei Wochen vor Weihnachten den Betriebsräten erklären, wie viele Jobs gestrichen werden. „So einfach lassen wir uns jetzt nicht von einem Haufen wildgewordener Monopoly-Spieler auf die Straße setzen“, ruft EADS-Betriebsrat Thomas Pretzl vor rund 2000 Beschäftigten im bayerischen Manching. Dort wird der Eurofighter montiert. Für zweieinhalb Jahre reichen die Bestellungen noch.

Die Geschichte des Eurofighters

November 1977

Franzosen, Deutsche und Briten planen einen gemeinsamen Kampfjet für die Neunzigerjahre.

Dezember 1983

Frankreich, Deutschland, Spanien, Großbritannien und Italien schließen ein Abkommen über den Bau von 800 Flugzeugen à 35 Millionen Euro, die als "Jäger 90" ab 1995 fliegen sollen.

August 1985

Frankreich scheidet aus dem Projekt aus

Sommer 1986

Großbritannien und Deutschland übernehmen je ein Drittel, Italien 21 Prozent und Spanien 13 Prozent. Die Briten beauftragen BAE Systems, Italien den späteren Rüstungsriesen Finmeccanica, Deutschland und Spanien den heutigen EADS-Konzern.

November 1988

Offizieller Auftrag zum Bau.

Februar 1992

Nach Ende des Kalten Kriegs wollen die Regierungen ein einfacheres, preiswerteres Modell, das nun "Eurofighter 2000" heißen soll..

Mai 1992

Der Prototyp ist fertig.

März 1994

Erfolgreicher Erstflug.

Juli 2003

Österreichs Parlament beschließt den Kauf von 18 Exemplaren, der erste Export des Eurofighters.

Oktober 2003

Lieferung des ersten Jets.

Dezember 2005

Saudi- Arabien will bestellen. Die britische Antikorruptionsbehörde SFO untersucht Bestechungsvorwürfe. London stoppt die SFO "aus nationalem Interesse".

Sommer 2006

Die Eurofighter-kritische SPÖ gewinnt die Parlamentswahl in Österreich. Im Oktober startet der Untersuchungsausschuss wegen möglicher Bestechungen und stellt die Arbeit 2007 ergebnislos ein.

Trotzdem sieht es für die Rüstung insgesamt düster aus. Die EADS-Tochter Cassidian bekommt die Sparpolitik der europäischen Regierungen deutlich zu spüren. Und im internationalen Wettbewerb ist es schwierig, Waffensysteme wie den Eurofighter zu verkaufen. Probleme wie beim Transportflugzeug A400M kommen hinzu, neue Projekte werden geschoben, Bestellungen etwa für Hubschrauber gestrichen. Enders wollte den Problemen mit Größe begegnen und EADS mit dem britischen Rüstungsriesen BAE Systems zusammenschließen.

Doch die Politik - vor allem in Berlin - stoppte das Fusionsprojekt, von dem sich Enders viel erhofft hatte. Gleich danach kündigte er an, dass nun alles auf den Prüfstand müsse. Die Ergebnisse dieser Prüfung waren offenkundig ernüchternd. In einem ersten Schritt verkündete Enders einen grundlegenden Umbau des gesamten Konzerns. Die Raumfahrttochter Astrium soll mit dem Rüstungsgeschäft Cassidian zur Sparte Airbus Defence & Space werden.

Kommentare (1)

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orakel

28.11.2013, 16:09 Uhr

"öffentliche Aufträge, von denen die Wehrtechnik lebt, sind rar."

Jetzt zeigen sich die Folgen einer übertriebenen Sparpolitik im Militärbereich.

Während Asien massiv aufrüstet, spart sich Europa fast zu Tode.

Der Vorfall 2012 in Argentinien, als Kirchner dem span. Konzern Repsol die Tochterfirma klaute, wäre eine Gelegenheit für Europa gewesen, Einigkeit zu demonstrieren und militärisch einzugreifen um dieses
Unrecht aus der Welt zu schaffen, und Nachahmungstäter
abzuschrecken. Man denke nur an die Patentgeschichte in Indien, wo zwei europ. Firmen bestohlen wurden und werden.

Die aktuelle friedliche Einigung zwischen Argentinien und Span. Repsol bedeutet wenig.

Schließlich ist Argentinien finanziel so dermaßen klamm, daß sie die ohnehin wenig atraktive Einigung nicht einhalten wird.

Militärische Stärke zum Zwecke der Abschreckung zahlt sich immer aus.

Und würde auch die jetzt bedrohten Arbeitsplätze im Produktionsbereich gut absichern.

Und würde auch verhindern, daß zwecks Erreichung eines
Auftrages europ. Militär Know-How verschenkt wird
(was in Südkorea bei EADS passieren könnte).



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